Rede von Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse zur Feierstunde anlässlich des 80. Geburtstages von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 5. Mai 2010
Sehr geehrter, lieber Herr Bundeskanzler Helmut Kohl,
liebe Frau Kohl-Richter,
sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich darf Sie ganz herzlich hier im Pfalzbau in Ludwigshafen am Rhein begrüßen.
Ich freue mich, dass Sie hierher gekommen sind, um einen großen Staatsmann zu ehren, der zu den herausragenden politischen Gestaltern der letzten Jahrzehnte gehört.
Ich freue mich, dass Sie hierher gekommen sind, um Helmut Kohl zur Vollendung seines 80. Lebensjahres zu gratulieren, aber auch um ihm für das zu danken, was er für Rheinland-Pfalz, für Deutschland und Europa geleistet hat.
Mein besonderer Gruß gilt Ihnen, verehrter Herr Bundespräsident. Dass Sie heute nach Ludwigshafen gekommen sind, verstehen wir als Zeichen der hohen Wertschätzung für unseren Jubilar.
Ich begrüße die Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten unseres Bundeslandes. Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Beck, ich freue mich sehr, dass wir diesen Festakt und den anschließenden Empfang in der Heimatstadt von Helmut Kohl gemeinsam ausrichten.
Ich freue mich auch, dass Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident Professor Herzog, heute nach Ludwigshafen gekommen sind, um die Laudatio auf Helmut Kohl zu halten.
Ich begrüße die zahlreichen Gäste aus dem europäischen Ausland, stellvertretend für alle den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission und den Außenminister des Königreichs Schweden.
Ich begrüße den Präsidenten des Deutschen Bundestages sowie die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, des Bundestages, des Landtages Rheinland-Pfalz und die Mitglieder des Ludwigshafener Stadtrates.
Ich begrüße die Mitglieder der Bundesregierung, die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen und die Mitglieder der Landesregierung von Rheinland-Pfalz.
Ein herzliches Willkommen gilt
dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes Rheinland-Pfalz sowie alle Vertreter der Rechtsprechung
und der Vorsitzenden des Deutschen Städtetages sowie alle anwesenden Oberbürgermeister, Landräte, Bürgermeistern und Beigeordneten.
Für die Kirchen und Religionsgemeinschaften begrüße ich die Bischöfe von Mainz und Speyer, den Präsidenten der Evangelischen Kirche der Pfalz und den Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden sowie die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland.
Ich heiße herzlich willkommen
den Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes
sowie stellvertretend für alle Unternehmen den Aufsichtsratsvorsitzenden, den Vorstandsvorsitzenden und den Betriebsratsvorsitzenden der BASF SE
und stellvertretend für alle Vertreter der Wissenschaft den Rektor der Universität Heidelberg.
Ein herzliches Willkommen gilt außerdem dem Vorsitzenden der ARD, dem Intendanten des ZDF, den zahlreichen Verlegern, Herausgebern und Chefredakteuren sowie allen Vertretern der Medien.
Ich begrüße schließlich die Ehrenbürger der Stadt Ludwigshafen am Rhein, zu denen auch Helmut Kohl zählt, sowie alle ehemaligen Mitglieder der Kabinette Kohl in Land und Bund, Mitarbeiter, Berater, Freunde und Weggefährten des Jubilars.
Seien Sie alle herzlich willkommen in Ludwigshafen, herzlich willkommen in der Heimat von Helmut Kohl.
Die Heimat von Helmut Kohl, das ist die junge Industriestadt Ludwigshafen, aber auch die Landschaft, in die diese Stadt eingebettet ist.
Das ist die alte Kurpfalz, die wir heute Metropolregion Rhein-Neckar nennen und die zu den historischen Kernlandschaften Europas gehört.
Meine Damen und Herren, liebe Gäste,
wer das Denken und Fühlen von Helmut Kohl verstehen will, der muss diese – um es mit den Worten des Jubilars zu sagen: gesegnete Kulturlandschaft – kennen.
Dazu gehört der Kaiserdom in Speyer, in dem sich Jahrhunderte europäischer Geschichte spiegeln, dazu gehören Heidelberg mit der ältesten Universität in Deutschland und die ehemalige kurfürstliche Residenzstadt Mannheim.
Dazu gehört das Hambacher Schloss, an dem schon 1832 die Forderung nach Freiheit und Einheit erhoben wurde, und dazu gehören natürlich auch die Weindörfer der Pfalz, die jedem, der dort einkehrt, bodenständige Lebensfreude und kulinarischen Hochgenuss versprechen.
Und mitten in dieser Region liegt Ludwigshafen mit der BASF, die hier nicht nur den weltweit größten Produktionsstandort der Chemieindustrie unterhält, sondern auch ein bedeutendes Zentrum für Forschung und Entwicklung.
Die Heimat von Helmut Kohl ist also eine Region zwischen Tradition und Innovation.
Sie ist eine Region, in der viele Fäden der europäischen Geschichte zusammenlaufen. Sie war schon immer eine Region der Begegnung und des Austauschs, sie war aber immer wieder auch eine Region der Auseinandersetzung und des bewaffneten Konflikts.
Helmut Kohl selbst hat in seiner Kindheit und Jugend den Terror des Nationalsozialismus und die Schrecken des Krieges erlebt.
Zu den bewegendsten Erzählungen, die ich aus seinem Mund kenne, gehört die Schilderung, wie er sich in den letzten Kriegstagen als 15-jähriger von Berchtesgaden aus zu Fuß auf den Weg nach Hause gemacht hat.
Er kam in eine Stadt zurück, die vom Krieg gezeichnet war. Zusammen mit seinen Eltern hat er sich am Wiederaufbau beteiligt.
Dabei war ihm bewusst, dass es nach den Zerstörungen des Krieges und der Barbarei des Nationalsozialismus nicht nur um einen materiellen, sondern auch um einen ideellen Wiederaufbau gehen musste.
Und ihm war klar, dass sich ein dauerhafter Frieden nur durch eine Aussöhnung mit den Nachbarn, vor allem mit Frankreich, erreichen lässt.
Diese Erfahrungen und Überzeugungen bilden die Grundlage für sein politisches Engagement.
Schon früh hat er sich für die Politik Konrad Adenauers begeistert. Er war dabei, als in der Pfalz die politischen Strukturen der CDU entstanden.
Aber er hätte damals wohl kaum gedacht, dass er es einmal sein würde, der Adenauers politischen Lebenstraum von der Einheit in Freiheit verwirklicht.
Wir Deutsche verbinden mit der Kanzlerschaft von Helmut Kohl vor allem die Wiedervereinigung als einen der glücklichsten Momente unserer Geschichte.
"Danke für die Einheit" – so stand es auf den Transparenten der jungen Leute, die Helmut Kohl am 3. April vor seinem Haus in der Marbacher Straße gratuliert haben.
Meine Damen und Herren, liebe Gäste,
ich finde, diesem Dank können wir uns heute nur anschließen.
Denn ohne den persönlichen Beitrag von Helmut Kohl, ohne sein Gespür für historische Dimensionen und für den richtigen Augenblick, ohne seine Zielstrebigkeit und Führungsstärke und vor allem ohne das Vertrauen, das er sich bei den Freunden und Partnern Deutschlands in der Welt aufgebaut hatte, wäre die Geschichte vor 20 Jahren anders – und sehr wahrscheinlich weniger glücklich – verlaufen.
Dabei war er immer auch ein Mensch, der sich seiner Wurzeln bewusst war: sein christliches Elternhaus, die große Tradition der europäischen Kulturlandschaft, in der er aufgewachsen ist, und nicht zuletzt die Pfälzer Herzlichkeit und Offenheit.
Nie hat er die unmittelbaren menschlichen Beziehungen – sei es mit den Großen der Politik, sei es mit alten Freunden in Ludwigshafen – vernachlässigt.
Liebe Gäste,
einmal mehr liefen 1989/90 die Fäden der europäischen Geschichte in der Pfalz zusammen. Dieses Mal in einem Bungalow im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Hier waren alle zu Gast, die auf internationaler Ebene am Prozess der Wiedervereinigung beteiligt waren.
Das, was hier aus diesen Fäden geknüpft wurde, gehört zu den besten Leistungen unserer Geschichte: Einigkeit und Recht und Freiheit für Deutschland und Europa.
Und deswegen stehen wir heute hier und sagen: Danke, Helmut Kohl, und herzlichen Glückwunsch!