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Stadtjubiläum 2009

Das Jahr 1859: Ludwigshafen am Rhein wird Stadt

Seit der Gemeindegründung 1852 hatte sich das junge Ludwigshafen höchst dynamisch entwickelt. Die Bevölkerung verdoppelte sich in kaum sechs Jahren auf fast 3 000 Einwohner, und neue Unternehmen siedelten sich an. Stolz berichtete die im Ort ansässige "Pfälzer Zeitung" 1856: "Zu dem Charakter einer Handelsstadt, den unsere junge Stadt von Anfang an hatte, nimmt sie allmählich auch den einer Fabrikstadt an. Hohe Kamine, die fernhin sichtbaren Zeichen der industriellen Tätigkeit einer Gegend, erheben sich bereits rings um die Stadt und bekunden die günstige Lage Ludwigshafens."

Hier taucht er bereits mehrmals auf: der Begriff "Stadt". Die Ludwigshafener fühlten sich von Anfang an als Städter, die Häuser der Ansiedlung trugen durchwegs städtischen Charakter. Man war sich bewusst, dass König Ludwig I. bei der Gründung Ludwigshafens kein neues Dorf, sondern eine neue Stadt im Sinn gehabt hatte. Dementsprechend hatte sich die Kommunalvertretung in den Ratsprotokollen zunächst als Stadtrat bezeichnet, bis ihr diese Benennung 1855 von der Aufsichtsbehörde untersagt worden war. Das änderte nichts daran, dass auch Fremde die Ansiedlung als "Stadt" wahrnahmen.

Als der französische Kaiser Napoleon III. sich im September 1857 mit Prinz Luitpold von Bayern in Ludwigshafen traf, war er überrascht: "als er im Jahre 1834 in Mannheim gewesen, seien da, wo jetzt eine hübsche Stadt stehe, nur einige wenige Häuser gewesen."

Dennoch war das junge Gemeinwesen noch höchst unfertig. Der Volkskundler Wilhelm Heinrich Riehl bemerkte 1857 über die aufstrebende, aber noch unterentwickelte Gemeinde, dass "...deren Marktplatz vor wenigen Jahren noch dergestalt von Wasserlöchern durchfurcht gewesen sei, daß man sprüchwörtlich sagte, ein Pferd könne auf dem Markt ersaufen". Dessen unerachtet beschlossen die Ludwigshafener Stadtväter im April 1857, die Verleihung der Stadtrechte zu beantragen. Eigentlicher Initiator dieses Vorstoßes war vermutlich die Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen, die in Ludwigshafen ihren Sitz und ein verständliches Interesse daran hatten, dem Standort ihrer Betriebsleitung mehr Ansehen und Gewicht zu verschaffen. Nicht in irgendeinem Dorf, sondern in einer Stadt der Pfalz sollte sich der Sitz der Eisenbahndirektion befinden.

Zustimmung kam auch von den maßgeblichen Vertretern des Ludwigshafener Handels- und Gewerbestandes, die sich von einer Hebung des Ortsprestiges günstige Auswirkungen auf ihre Geschäfte versprachen. Nachdem die Regierung der Pfalz ihre nachhaltige Unterstützung zugesichert hatte, reichte Bürgermeister Heinrich Wilhelm Lichtenberger am 2. September 1857 eine Bittschrift bei König Maximilian II. ein, die den Monarchen um Aufnahme Ludwigshafens in die Reihe der bayerischen Städte ersuchte. Die Gemeinde entwickle sich dynamisch, und jeder betrachte sie ohnehin schon als Stadt, be-tonte Lichtenberger.

Wer mit einer zügigen Bewilligung des Gesuches gerechnet hatte, sah sich bitter enttäuscht. In München fürchtete man Anträge der unfertigen Gemeinde auf großzügige staatliche Beihilfen für den Ausbau einer urbanen Infrastruktur.

Erst als die Regierung der Pfalz nach Kontakten mit der Ludwigshafener Gemeindeverwaltung nach München berichtet hatte, dass die Stadterhebung keine Finanzansprüche zur Folge haben werde, waren die sachlichen Widerstände überwunden. Aber auch das Drängeln verschiedener Ludwigshafener Honoratioren bei den Münchner Ministerien hatte eher Verärgerung ausgelöst und für Verzögerungen gesorgt. Erst mehr als zwei Jahre nach Antragstellung unterzeichnete der Monarch am 8. November 1859 die Stadterhebungsurkunde. Sie bedeutete nicht nur im Hinblick auf die Veränderung des kommunalen Status eine wesentliche Zäsur in der Geschichte Ludwigshafens.

Am 23. November 1859 wurde die Urkunde während einer Feiersitzung des Stadtrates durch den Speyerer Landkommissär Carl Friedrich Ottmann überreicht. Mit einem Schreiben vom 10. Dezember 1859 sprach der Bürgermeister König Maximilian II. seinen tiefempfundenen Dank aus, umso mehr, als nunmehr auch das Amtsgericht, Gefängnis, Notariat und Rentamt von Mutterstadt nach Ludwigshafen verlegt wurden. Ludwigshafen, die jüngste Stadt Bayerns, hatte "zentralörtliche Funktionen" gewonnen.   Dr. Stefan Mörz.

Dr. Stefan Mörz ist Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen.

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