Nun ist es amtlich: Der Stadtrat folgte in seiner Sitzung am 21. Juni dem Vorschlag von Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse. Zum 22. Juni übernahm Klaus Dillinger die Leitung des Dezernats für Bau, Umwelt, Verkehr und Wirtschaftsbetrieb (WBL). Als wichtigste Aufgabe der kommenden Wochen und Monate bezeichnete es Dillinger, den Stadtentwicklungsprozess selbstbewusst nach außen zu tragen. Die neue Lu sprach mit dem neuen Stadtvorstandsmitglied.
neue Lu: Herr Dillinger, unter welche Leitideen wollen Sie Ihr neues Amt stellen?
Dillinger: In Ludwigshafen kann man sehr gut leben, arbeiten, wohnen und einkaufen. Der Freizeitwert ist aufgrund der vielfältigen Bildungs-, Kultur- und Sportangebote und dem hohen Anteil an Grünflächen sehr hoch. Dennoch ist bei vielen das Glas nicht halbvoll, sondern halbleer. Die Stadt sei hässlich und verbaut, die Hochstraßen würden das Bild zerstören, es gebe nur noch Ein-Euro-Geschäfte und so weiter. Dies mag eine Schwäche sein, doch besser wäre es die guten Seiten mehr zu betonen als die negativen, im Vergleich zu anderen Städten oder gar Ländern stehen wir gut da. Mit dem Stadtumbau, den ich bereits als Geschäftsführer der WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft (W.E.G.) maßgeblich mit begleitet habe, wird Ludwigshafen an Attraktivität weiter gewinnen. Lange wurde darüber geredet, dass die Stadt wieder an den Rhein rückt, heute ist dies Realität. Wir müssen konsequent – und das gilt auch für das von mir nun verantwortete Dezernat – daran arbeiten, dass die Wahrnehmung unserer Stadt noch positiver wird und dass wir diese gute Entwicklung auch mit dem gebührenden Selbstbewusstsein vertreten.
neue Lu: Also eine Frage des Images?
Dillinger: Ja, durchaus. Wir sollten unsere Stadtentwicklung in ihrem Prozess wahrnehmen und erkennen, dass alle Generationen vor uns, die in der Verantwortung standen, versucht hatten, die Stadt zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger voranzubringen. Das begann mit dem Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Stadt nach 1945. Oberste Prämisse war zunächst dafür zu sorgen, dass jeder wieder ein Dach über dem Kopf hat. Es folgte der Bau von weiteren dringend notwendigen Wohnungen unter anderem für Flüchtlinge und Aussiedler, so zum Beispiel in der Valentin-Bauer- oder in der Ernst-Reuter-Siedlung. Das Wirtschaftswunder der 60er-Jahre führte unter anderem dazu, dass jeder sich ein Auto leisten konnte. Alle waren stolz auf diesen Fortschritt, der Arbeitsplatz sollte direkt und schnell anfahrbar sein. In Ludwigshafen wurden deshalb Hochstraßen gebaut, der Bahnhof verlegt und darauf aufbauend, Fußgängerzonen ausgewiesen. Klar, heute sind wir in der Situation, in der wir die damals gebauten Straßen und viele Kindertagesstätten und Schulen sanieren müssen, es gibt sogar noch Entwässerungskanäle aus den 1880er Jahren, die Wohnungsbaupolitik muss der demografischen Entwicklung Rechnung tragen und letztlich auch dazu beitragen, dass die Stadt eine ausgewogene Sozialstruktur hat. Das geht alles nur Schritt für Schritt. Es liegt an uns, ob wir das alles schlecht reden oder eben als positiven Entwicklungsprozess sehen.
neue Lu: Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?
Dillinger: Die Sanierung der Schulen hat für mich eine hohe Priorität. Wir reden dabei über grundlegende Dinge wie Brandschutz und Sicherheit. Und darüber hinaus über viele Aufgaben, die wir nur gemeinsam lösen können. Wenn wir als Stadt sanieren oder den öffentlichen Raum neu gestalten, muss klar sein, dass wir alle mit diesen Werten pfleglich umgehen müssen. Für mich wird weiterhin auch der Erhalt und die Schaffung von vielfältigen Arbeits- und Ausbildungsplätzen in der Stadt ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Das Baudezernat steht in einer besonderen Verantwortung dafür, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, es hat somit eine hohe soziale Verantwortung für das Leben in unserer Stadt.
neue Lu: Und die Lösung?
Dillinger: Die Aufgaben, die ich gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewerkstelligen werde, liegen auf der Hand. Das Geld, das für das Baudezernat zur Verfügung steht, wird nach sorgfältig ausgewählten Prioritäten eingesetzt. Die Schulen zu sanieren und die sehr gute Infrastruktur zu erhalten, sind Schwerpunkte, der Stadtumbau unter dem Motto „Heute für Morgen“ wird fortgesetzt, die Stadtteile werden weiterhin gestärkt, das Klima verbessert, die Altlasten, sofern sie eine Gefahr für die Bevölkerung bedeuten, entsorgt. Doch um letztlich nochmals auf die Verbesserung des Images zu kommen: Es ist mir wichtig, all diese Aufgaben in einem Gesamtprozess zu sehen. Wenn wir eine Kindertagesstätte oder eine Schule sanieren, die Stadtbibliothek auf einen zeitgemäßen Stand bringen, einen Sportplatz renovieren, so möchte ich dies eng verzahnt und gemeinsam mit den – was die Zielgruppen betrifft – zuständigen Stadtvorstandskollegen Prof. Dr. Cornelia Reifenberg, Wolfgang van Vliet, Wilhelm Zeiser, Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse und mit dem neuen Lukom- und Marketing-Chef, Michael Cordier, tun. Im Vorfeld – und das ist mir besonders wichtig – gilt es, die Prioritätensetzung mit den Ludwigshafener Bürgerinnen und Bürgern sowie deren gewählten Vertreterinnen und Vertretern im Stadtrat und den jeweiligen Ortsbeiräten abzustimmen.