Obwohl Maudach auf eine gewachsene Dorfstruktur zurückblickt, hat sich viel in dem ehemals landwirtschaftlich geprägten Gebiet verändert. Die ersten Neubürger zogen 1965 in das Neubaugebiet West, in die Häuser, die von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GAG errichtet worden waren. „Und dann ging es Zug um Zug“, erinnert sich Helga Kehl, die seit 1991 Ortsvorsteherin in diesem Stadtteil ist. Außerdem wurde das große Neubaugebiet in Maudach-Süd, südlich der Bergstraße, realisiert. Dort entstanden 250 Wohnungen, ein Seniorenwohnheim mit 42 und die Service-Wohnanlage mit 54 Wohneinheiten. Diese ist gezielt auf die Bedürfnisse behinderter Menschen zugeschnitten. Die Infrastruktur stimmt dort auch in anderer Hinsicht. 1993 erhielten die Maudacher den Gemeinschaftssaal, der Platz für 372 Menschen bietet und in dem unter anderem schöne Konzerte stattfinden. Ferner sind Arztpraxen, eine Apotheke und ein Edeka-Markt vis à vis der Service-Wohnanlage vorhanden. Für die Jugendlichen wurde ebenfalls ein Treff eingerichtet. Hochhäuser gibt es drei in Maudach. Die „so genannten Mittelstandswohnungen“ werden seit 2000 saniert. Doch das reicht offensichtlich nicht aus. „Bauplätze sind stark gefragt“, so Helga Kehl, das mache sich auch an den Preisen bemerkbar. Besonders Familien wollten nach Maudach ziehen.
„Ein großer Gewinn für Maudach und ein Stück Lebensqualität für die dort lebenden Menschen bedeutete darüber hinaus die Ortsumgehung, die 1988 fertiggestellt wurde,“ betont Helga Kehl. Diese Umgehung hätten alle herbeigesehnt. Von sechs bis neun Uhr ging es vorher „stop and go“ in Richtung Stadt, und ab 16 bis 21 Uhr wieder umgekehrt. Unerträglich sei die Lärmbelästigung gewesen. „Doch darüber klagen immer noch Maudacher“, so die Ortsvorsteherin. Denn mit dem Wachsen des Stadtteils habe auch der Verkehr zugenommen. Apropos Verkehr: Wer das Ortsschild Maudach passiert, der sollte auf die Geschwindigkeit achten. Denn im gesamten Ortsbereich gilt Tempo 30, im verkehrsberuhigten Bereich vier bis sieben Stundenkilometer. Alle Neubürgerinnen und Neubürger werden in einem Willkommensbrief höflich auf die „Maudacher Ordnung“ aufmerksam gemacht. Anlaufstelle der Bürgerinnen und Bürger ist das im frühklassizistischen Stil gehaltene Schloss in der Von-Sturmfeder-Straße 3. Dort ist das Büro der Ortsvorsteherin. An diesem Ort findet jeder ein offenes Ohr für seine Anliegen. „Meine Mitarbeiterin und ich helfen sehr viel, wir sagen nicht, dafür sind wir nicht zuständig“, erklärt die 63-Jährige, deren wichtigster Grundsatz ist: „Ich verspreche mich zu engagieren, aber sonst verspreche ich erst einmal nichts“. Dabei hält die Kommalpolitikerin, die „ihr Maudach“ aus dem Effeff kennt, bewusst engen Kontakt zu den Menschen. Täglich begibt sie sich mit dem Rad auf Tour durch Maudach, erfährt auf die Art nicht nur in der regelmäßig stattfindenden Sprechstunde, wo der Schuh drückt. Einen Kugelschreiber und Block hat sie dann immer dabei.
Im Moment brennt das Thema „Einkaufsmöglichkeiten“ auf den Nägeln. „In der Ver-gangenheit waren da schon Geschäfte, Familienbetriebe“, erinnert sich Helga Kehl. Diese wurden nach und nach geschlossen und auch ein kleiner Discounter sei Knall auf Fall weg. „In dieser Beziehung sind wir schon arg gebeutelt“, so die Ortsvorsteherin. Aber die Gewerkschaftlerin gibt nicht auf. „Ich glaube, dass wir das hinkriegen“, zeigt sie sich zuversichtlich. Ihr Vorzugsstandort für ein neues Geschäft ist die Silgestraße. Hartnäckig am Ball bleiben will sie. Meist ist das von Erfolg gekrönt, so wie bei der Post. Zwar ist das Amt weg, doch eine Postagentur konnte erhalten bleiben. Nicht so der Bücherbus. Anstelle der rollenden Bibliothek, die aufgrund der schlechten Finanzlage verkauft wurde, gibt es nun eine Bücherkiste in der Alfred-Delp-Schule, die ehrenamtlich betreut wird. Voller Stolz verweist die Stadträtin allerdings auf die zahlreichen Vorteile, die Maudach auszeichnen. Neben dem aktiven Leben der Kirchengemeinden existieren viele Vereine. Sie bieten eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten. Gute Lokale laden zur Einkehr ein. Eine gute ÖPNV-Anbindung ist ebenfalls gewährleistet. Für Kinder gibt es zudem eine Fülle an Spielplätzen. „Gut angenommen von kleineren und mittleren Unternehmen zur Ansiedlung und Umsiedlung“ wird auch das neue Gewerbegebiet am Unteren Grasweg. 2001 wurde es fertiggestellt.