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neueLu November/Dezember 2004

Stadterneuerung: Ein Klassiker in den besten Jahren

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadterneuerung betreuen seit mehr als 30 Jahren Sanierungsgebiete in Ludwigshafen. Nach dem Hemshof wurden die alten Ortskerne von Oggersheim, Mundenheim, Ruchheim und Friesenheim als Sanierungsgebiete ausgewiesen. Das jüngste Sanierungsgebiet West besteht seit 2001. Im Laufe der Jahre konnten durch die kontinuierliche Arbeit in den Sanierungsgebieten viele Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden. Die neue Lu sprach mit Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel über die Bedeutung der Stadterneuerung für Ludwigshafen.

neue Lu: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Sanierungsgebiete unter städtebaulichen Aspekten?

Merkel: Die städtebaulichen Erfolge lassen sich nicht hoch genug einschätzen. Vor allen Dingen die Umkehr von der Flächensanierung, der so genannten „Sanierung mit der Abrissbirne“, zur objekterhaltenden Stadterneuerung Anfang der 80er Jahre hat geholfen, ein individuelles Stadtbild zu erhalten und weiterzuentwickeln.

neue Lu: Das kostenbewusste Handeln spielt in der Stadt Ludwigshafen eine immer größere Rolle. Wie sehen Sie das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Stadtteilsanierung für Ludwigshafen?

Merkel: Sanierungsgebiete sind ein nicht zu unterschätzender Investitionsmotor. Wir haben derzeit in den Sanierungsgebieten einen Reinvestitionsfaktor von 1:8. Das heißt, ein eingebrachter Euro aus Städtebaufördermitteln bewirkt Investitionen von acht Euro. So bringt also ein Sanierungsgebiet nicht nur eine städtebauliche Aufwertung für die Stadtteile, sondern kann sich als Motor für die ökonomische Grundlage der Stadt erweisen. Die Sanierung kann Investitions- und Beschäftigungsimpulse bringen, Arbeitsplätze sichern und zugleich die Lebensqualität erhöhen.

neue Lu: Was macht für Sie das Sanierungsgebiet Hemshof als Wohn- und Lebensraum attraktiv?

Merkel: Das Bild vom Hemshof hat sich stark gewandelt. Heute schätzen wir die oftmals unter Denkmalschutz stehenden gründerzeitlichen Häuser, die nach dem neuesten Stand der Technik saniert sind, aber auch die grünen Innenhöfe, die viel Platz zur Erholung bieten. Zudem liegen die Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen ist mittels öffentlichem Personennahverkehr gut erreichbar. Das besondere Flair des Hemshof spiegelt sich auch in der vielfältigen Gastronomie wieder.

neue Lu: Die Innenentwicklung der Stadtteile erhält in allen Städten immer mehr Gewicht. Dazu gehört die Wiederbelebung brachliegender Flächen und momentan ungenutzter Gebäude. Welche Möglichkeiten sehen Sie gerade im Bereich der Sanierungsgebiete?

Merkel: Durch die Schließung von Baulücken und die Modernisierung von zum Teil leer stehenden Wohngebäuden wird das Erscheinungsbild der Stadtteile wesentlich verbessert. Experten sagen für die Zukunft eine Umorientierung vom Neubau zur Bestandspflege voraus, auf diesem Gebiet hat Ludwigshafen durch Sanierungsgebiete einen enormen Erfahrungsschatz gesammelt. Aufgrund der Fördermittel von Bund und Land, die in Sanierungsgebieten für Modernisierungsmaßnahmen gewährt werden können, sind gerade dort gute Voraussetzungen für die Innenentwicklung gegeben.

neue Lu: Mit der Ausweisung der ersten Sanierungsgebiete wurde sozialen Aspekten eine große Bedeutung eingeräumt. Sehen Sie das immer noch als wichtiges Thema an oder würden Sie heute andere Schwerpunkte setzen?

Merkel: Auch heute ist das noch ein wichtiges Thema. Allerdings kommt es zu einer Schwerpunktverlagerung. Im Hemshof wurde zu Beginn sehr stark auf den sozialen Wohnungsbau gesetzt, dies wurde mittlerweile ergänzt durch Förderung von frei finanzierten Wohnungsbauvorhaben. Das führt zu einer ausgewogeneren sozialen Struktur der Stadtteile.

neue Lu: Die Arbeit in Sanierungsgebieten ist mit großer Bürgernähe verbunden. Rechtfertigt der Erfolg diesen Aufwand?

Merkel: Dies ist die einzige Möglichkeit, in vorhandenen Strukturen nachhaltige Verbesserungen im städtebaulichen Bereich zu erreichen. Dazu ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Bürgerinnen und Bürgern der einzelnen Stadtteile unbedingt notwendig. Gerade die vielen positiven Rückmeldungen zeigen mir, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadterneuerung gute Arbeit vor Ort leisten. Diese Arbeit muss weiterhin unterstützt werden.   rik

 

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