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neueLu März/April 2005

Dem Rhein so nah

Neue Wege bei Planung und bürgerschaftlicher Partizipation von zentralen Stadtentwicklungsthemen beschreitet die Stadtverwaltung Ludwigshafen mit ihrem Beitrag R(h)ein in die Stadt! zum Landeswettbewerb "Werkstatt Innenstadt". Im Mittelpunkt des Wettbewerbsbeitrags steht die Nutzung des Zollhofhafens und die Innenstadtentwicklung.

Bei Bürgerforen, in Expertenhearings, Hafenführungen oder Internetchats werden alle beteiligten Akteure an einen Tisch geholt, um gemeinsam alle Chancen der Entwicklung zu diskutieren. Bei einer großen Auftaktveranstaltung Ende Januar, dem symbolischen "Wachküssen", erweckten mehrere Hundert Ludwigshafenerinnen und Ludwigshafener den Hafen aus seinem 50 Jahre dauernden Dornröschenschlaf.

Der Ludwigshafener Wettbewerbsbeitrag: Imagefaktor Rhein

Mit dem Motto R(h)ein in die Stadt! hat sich die Stadt Ludwigshafen im April 2004 an dem vom Land Rheinland-Pfalz ausgelobten Wettbewerb "Werkstatt Innenstadt" beteiligt und dabei die Verknüpfung von City und Rhein in den Mittelpunkt gestellt. Ausgangspunkte des Konzeptes waren eine erste gastronomische Nutzung am Rheinufer sowie die Entwicklung eines Business Improvement Districts (BID), die Stärkung von Marketingmaßnahmen sowie ein Innen-stadt-Management-System. Das Land hat mit der Entscheidung einer Fachjury im Juli 2004, Ludwigshafen in die zweite Qualifizierungsphase des Wettbewerbs aufzunehmen, den Ansatz der Stadt gewürdigt und auch die Jahrhundertchance erkannt, wobei der weitere Schwerpunkt nun auf der Ver-knüpfung zum Rhein liegen wird.

Von der Stadtgründung vor über 150 Jahren bis zur zweiten Hälfte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lag die Innenstadt von Ludwigshafen im Bereich des Ludwigsplatzes direkt am Rhein, am Winterhafen. Mit der Verfüllung des Winterhafens und dem Bau von Rheinblock und Zollhofstraße wurde die Innenstadt vom Rhein getrennt. Lediglich im Süden der Innenstadt blieb ein Zugang möglich. Durch das unverhofft rasche Freiwerden des Zollhofhafens Ende August 2004 hat jetzt das Thema der Neunutzung des Rheinufers in Höhe der Innenstadt erheblich an Bedeutung gewonnen und den Wettbewerbsschwerpunkt verschoben. Von den bisher zur Bearbeitung vorgesehenen Maßnahmen bietet sich hier nun die größte Chance zur Innenstadtentwicklung - insbesondere vor dem Hintergrund konkreten Investitionsinteresses.

"Die Innenstadt Ludwigshafens soll endlich wieder an den Rhein gebracht werden. Zugleich sollen mehr Menschen den Weg in die Stadt finden und neue Aktivitäten aufgenommen werden. Die Entwicklung des ehemaligen Hafengeländes bietet die einmalige Chance, Ludwigshafen dauerhaft und zukunftsfähig weiterzuentwickeln und die Stadt in der Region und dem Rhein-Neckar-Dreieck neu zu positionieren. Dies wurde auch vom Land, dem Auslober des Wettbewerbs, als die Zukunftsaufgabe für die Stadt und für die weitere Bearbeitung des Wettbewerbes gesehen. Ziel muss es sein, den Rhein wieder als profilgebenden Standort- und Imagefaktor für Ludwigshafen zu entwickeln und in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu bringen", sieht Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse die Perspektiven der Stadtentwicklung. Es sei erklärtes Ziel der Stadt, den Wettbewerb erfolgreich abzuschließen, um so beste Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Areals zu gewinnen.

Die nächsten Schritte: Von der Rheinuferpromenade zum Zollhofhafen

Zurzeit werden konkrete Konzepte für die Verknüpfung des Zollhofhafens mit der Innenstadt erarbeitet, die die Lebensqualität in Ludwigshafen erhöhen. Daher wird auch die Weiterführung der Rheinuferpromenade eine wichtige Priorität haben, zumal die zu entwickelnden Freiräume und Nutzungen für die City eine gute Ergänzung darstellen sollen. Auch die Zollhofstraße muss einen anderen Charakter erhalten und stärker in die Stadt integriert werden, damit das Rheinufer auch sicher erreichbar wird. Der neuen Rheinallee im Süden wird hier Vorbildwirkung zugeschrieben. Damit greift die Stadtentwicklung Schwerpunkte auf, die auch beim "Zukunftsforum Ludwigshafen 2020" Ende September 2004 im Ernst-Bloch-Zentrum so definiert wurden: Als einer der fünf Hauptschwerpunkte der künftigen Stadtentwicklung, der so genannten Leuchttürme, hat sich die "Seestadt Ludwigshafen" mit genau diesen Schwerpunkten herausgebildet. Dies gilt es nun in das weitere Werkstattver-fahren einzubeziehen.

Daher hat sich nach dem Freiwerden des Hafenareals der bereits zur Wettbewerbsabgabe gebildete Arbeitskreis aus Vertretern von Stadtentwicklung (Federführung), Stadterneuerung, Stadtplanung, Umwelt, Hafenbetriebe Ludwigshafen, Marketing-Verein Ludwigshafen, Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft LUKOM, Wirtschaftsentwicklungsgesell-schaft (W.E.G.) und Raumordnungsverband Rhein-Neckar mit den möglichen Entwicklungen am Zollhofhafen auseinandergesetzt, erste Planungen angestoßen, Diskussionen in den stadträtlichen Gremien geführt und weitere Konzepte entwickelt. Ein Schwerpunkt war dabei auch die Auseinandersetzung mit den Planungen der Firma Pfitzenmeier. Da die Innenstadtentwicklung vom Land Rheinland-Pfalz als Gemeinschaftsaufgabe von Bürgerschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik angesehen wird, sind im weiteren Ver-fahren neben den klassischen Instrumenten wie Aufstellung des Bebauungsplanes und Änderung des Flächennutzungsplanes (beides am 13. Dezember 2004 im Stadtrat beschlossen) auch neue Planungs- und Partizipationsmodelle gefragt, die sehr starke Akzente auf die Kommunikation setzen. "Das 'Zukunftsforum Ludwigshafen 2020' war sicherlich ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung. In den kommenden Wochen wird es nun darum gehen müssen, den Zollhofhafen nach 50 Jahren wieder in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu bringen und gemeinsam mit Politikern, Experten, Bewohnern, Beschäftigten und Akteuren der Innenstadt die Chancen der Entwicklung zu diskutieren, bevor ein Masterplan für Innenstadt und Zollhofhafen fixiert wird", erklärte OB Lohse.

Erste Diskussionen haben in den stadträtlichen Gremien bereits stattgefunden, wobei sich die Ausschussmitglieder für eine die Innenstadt er-gänzende Freizeit- und Erholungsnutzung ausgesprochen haben. Darüber hinaus sollen die Themen der Innenstadtentwicklung auch in einen europäischen Kontext gestellt werden; Kooperationen mit internationalen Forschungseinrichtungen werden vorbereitet.

Teil des Wettbewerbsbeitrags ist ein umfangreicher und attraktiver Veranstal-tungskalender, in dessen Mittelpunkt der Mitmachgedanke und das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger in die laufenden Planungen stehen. Nach dem "Wachküssen" am Hafen, einem Expertenhearing Anfang Februar und einem Bürgerforum stehen in den kommenden Wochen geführte Hafenrundgänge, ein für den verkaufsoffenen Sonntag, 10. April, geplantes Bürgerfest am Hafen und Internet-Chats mit Verantwortlichen von Stadtverwaltung und Hafenbetriebe auf dem Terminplan.

Der Wettbewerb des Landes Rheinland-Pfalz

"Innenstädte brauchen Wandel!" - Unter dieser Überschrift lobte das Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz im April 2004 einen Wettbewerb für beispielgebende Projekte und Strategien der Innenstadtentwicklung aus. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Revitalisierung der rheinland-pfälzischen Innenstädte über rein städtebauliche Ansätze hinaus zu forcieren, wobei die Innenstadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe von Bürgerschaft, Wirt-schaft, Verwaltung und Politik verstanden wird. In der Bewerbungsphase des zweistufig angelegten Verfahrens waren alle Städte und Gemeinden in Rheinland-Pfalz mit mehr als 3.000 Einwohnern im Kernort eingeladen, Projektskizzen mit Aussagen zur Projektidee, den beteiligten Akteuren und möglichen Umsetzungsstrategien einzureichen. Im Juli 2004 wählte eine Jury aus Fachexperten des Landes und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz je drei Städte in drei Größenklassen aus, deren eingereichte Ideen eine innovative und vorbildliche Herangehensweise zur Innenstadtentwicklung versprechen. In der Kategorie der Städte über 30.000 Ein-wohner erreichte Ludwigshafen neben Landau und Worms eine Nominierung für die Qualifizierungsphase des Wettbewerbs.

In dieser nun laufenden zweiten Phase wird es darum gehen, das eingereichte Konzept zu verfeinern, fortzuschreiben, erste Planungen und Maßnahmen auf den Weg zu bringen und bis zur Abgabe am 6. April auch für den weiteren Zeithorizont konkrete Planungen und Maßnahmen zu be-schreiben, die die Jury überzeugen. Vergeben werden je Größenklasse zwei Preise, in der Kategorie der Städte über 30.000 Einwohner handelt es sich um 250.000 Euro für den zweiten und 500.000 Euro für den ersten Platz. Neben der Siegerprämie sollen auch Fachberatung, vom Erfahrungsaustausch über das Finanzcoaching und einer Fördermittelpriorisierung bis hin zur kurzfristigen Realisierung von Schlüs-selprojekten, den Modellstädten zugute kommen.

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