Im Bereich des ökologischen Bauens werden in Ludwigshafen Maßstäbe gesetzt, die europa-, möglicherweise sogar weltweit einzigartig sind: Bis Ende des Jahres will die GAG die 45 Jahre alten Wohnblocks der Hoheloogstraße 1 und 3 so umbauen, dass sie keine Heizung mehr benötigen.
Wenn dieser so genannte Passivhausstandard im Wohnungsbestand tatsächlich erreicht werden könnte, dann werde Ludwigshafen, wie der rheinland-pfälzische Finanzminister Gernot Mittler während der Vorstellung des Projektes Ende Januar sagte, "als Hauptstadt des energieoptimierten Bauens in die Geschichte eingehen."
Auch Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel hob die Bedeutung des Projekts hervor: "Dies ist ein gewaltiger Quantensprung", lobte er die GAG. "Mit dieser Maßnahme öffnen Sie ein völlig neues Kapitel in Ludwigshafen, das nunmehr zu Recht als Stadt der Energieeffizienz bezeichnet werden kann."
Walter Braun, technischer Vorstand der GAG, erläuterte im Beisein von Professoren aus mehreren europäischen Ländern, dass in beiden Gebäuden auf eine konventionelle Heizung völlig verzichtet werde: Die Temperierung der Wohnungen erfolgt durch Sonneneinstrahlung, Abwärme seiner Bewohner durch Kochen, Backen, Bügeln sowie durch Wärmerückgewinnung aus der Abluft. 30 Zentimeter dicke Polystyrolwärmeblöcke dämmen die Außenwand und die Fenster sind dreifach verglast. Eine Lüftungsanlage gewinnt mit Wärmetauscher die Wärme der Abluft zurück. Die Heizung erfolgt über Wasser-Luft-Wärmetauscher, kombiniert mit der Nahwärmeversorgung. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach produziert zusätzlich Strom aus der Sonne und macht das Gebäude sogar zum ersten Energie-Gewinn-Haus.
Das Konzept zu diesem Renommierobjekt entwickelte ein elfköpfiges Team der GAG unter Leitung von Architekt Walter Braun zusammen mit dem Passivhaus-Institut in Darmstadt unter Leitung von Dr. Wolfgang Feist innerhalb eines Jahres. Ziel ist es nun, den Energieverbrauch der Energie-Gewinn-Häuser zwei Jahre lang zu messen und mit den Daten der benachbarten Gebäude, die "nur" gemäß der Energieeinsparverordnung 2002 saniert werden, zu vergleichen. Letztere lässt einen jährlichen Verbrauch von sieben Litern Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche zu. "Das Ergebnis wird zeigen, ob sich die neuen technischen Vorgaben mit dem Nutzerverhalten vertragen. Hochschulen, die Architekten und Ingenieure ausbilden, könnten dann die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Lehrpläne aufnehmen", meinte Walter Braun.
Weitere Informationen zu diesen Vorhaben unter Telefon 5604-0.