Erste Siedlungsspuren lassen sich bis in die Jungsteinzeit, 4000 bis 1800 vor Christus, verfolgen. Überreste eines Kastells zeugen vom Leben in der Römerzeit. Erstmals erwähnt wurde Rheingönheim 831 im "Goldenen Buch" der Abtei Prüm, zu deren Besitztümern der Ort damals gehörte. Der Stadtteil im Süden Ludwigshafens hat Tradition und ist über 1.000 Jahre älter als die Stadt selbst.
Fast 7.000 Menschen leben in Rheingönheim, das seit einigen Jahren mit dem Neubaugebiet "Im Neubruch" ein besonderer Anziehungspunkt für junge Familien ist. Besonders freut Ortsvorsteherin Ursula Jung, dass viele der Häuslebauer im Neubruch aus dem alten Ortskern kommen und damit die enge Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Teil Rheingönheims gewährleisten. "Rund ein Drittel der 'Neubürger' sind eigentlich 'Altbürger', außerdem gehen die Kinder aus dem Neubaugebiet im alten Ortskern zur Schule, die Familien engagieren sich in den angestammten Vereinen, so dass wir keine Probleme im Zusammenwachsen der Ortsteile haben", so die 51-Jährige, die seit 1999 Ortsvorsteherin ist.
Vor kurzem ist der Startschuss für eine weitere Verbindung zwischen Neubaugebiet und Ortskern gefallen: Auf dem bisherigen Kerweplatz entsteht ein Einkaufszentrum mit Supermarkt, Bäckerei und Metzgerei, das die Nahversorgung im Stadtteil verbessern soll. "Wir haben viele Einkaufsmöglichkeiten, aber die sind zum Teil nur mit dem Auto zu erreichen. Das wird sich mit dem neuen Markt entscheidend verbessern", erklärt Jung und zeigt gleichzeitig die Kehrseite der Medaille: "Leider verlieren wir dadurch unseren Kerweplatz. Wir hoffen, dass wir im Luitpoldhain einen neuen Kerwe- und Festplatz einrichten können. Dafür werden die Rheingönheimerinnen und Rheingönheimer sich mit der bekannten Ausdauer stark machen", ist Jung sicher.
Stark machen wie für den neuen Brunnen am Kantor Josef-Jacob-Platz, der vollständig durch Spenden aus der Bürgerschaft finanziert wurde. Und ausdauernd stark machen wie beispielsweise für eine Entlastung der Eisenbahnstraße vom Schwerlastverkehr. Hier zeichnet sich nach jahrelangen Diskussionen und Gesprächen nun eine Lösung ab: Die Woellnerstraße soll künftig über einen Kreisel an die B 44 angebunden werden, gleichzeitig soll dort der Zugang zur S-Bahn geschaffen und eine Busverbindung von der Endhaltestelle der Straßenbahn zur S-Bahn den ÖPNV in Rheingönheim verbessern. Im Juli wurde das Projekt im Ortsbeirat vorgestellt. Die Finanzierung und mögliche Zuschüsse des Landes müssen nun geklärt werden. "Spätestens bei den Haushaltsberatungen", so Ursula Jung, "wollen und müssen wir da Klarheit haben."
Sobald der "Dauerbrenner" Eisenbahnstraße entschärft ist, sieht die Ortsvorsteherin nur noch wenige Problempunkte in ihrem Stadtteil. "Rheingönheim hat in den vergangenen Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Das Neubaugebiet 'Neubruch' läuft gut, der Bestand unseres Wildparks ist sichergestellt. Wir haben aktive Vereine, die Angebote für Alt und Jung machen. Die Menschen in Rheingönheim sind eine eingeschworene Gemeinschaft, hier wird Nachbarschaftshilfe noch groß geschrieben. In Rheingönheim kann man gut leben", meint Ursula Jung. Kindergartenplätze seien ausreichend vorhanden, auch die Jugendräume würden gut angenommen, so gut, dass sich Jung hier eine Verbesserung der personellen Ausstattung wünschen würde. "Wir wissen, dass einiges nicht oder nur schwer machbar ist, weil die finanzielle Lage der Stadt es nicht zulässt, aber einiges lässt sich doch immer wieder bewegen", schildert die Ortsvorsteherin ihre Erfahrung.