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neueLu März/April 2006

Tradition und Moderne

In Ruchheim wachsen Alt und Neu zusammen

Das Rucheimer Schloss, im Vordergrund der Paul-Münch-Brunnen

Für die traditions- und geschichtsbewussten Ruchheimer war es eine Verbindung auf Augenhöhe, als 1970 der Eingemeindungsvertrag mit der 1853 gegründeten Stadt Ludwigshafen geschlossen wurde, der 1974 in Kraft trat. Ruchheim selbst konnte nämlich bereits auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken. Bis heute hat sich Ludwigshafens jüngster Stadtteil seine dörfliche Struktur bewahrt. Die Bevölkerung Ruchheims hat sich in den vergangenen 30 Jahren dagegen fast verdreifacht.

"Mittlerweile sind die Ruchheimerinnen und Ruchheimer in Ludwigshafen angekommen", beschreibt Ortsvorsteherin Heike Scharfenberger die Stimmung im Gespräch mit der neuen Lu. Zweifel am Sinn der Eingemeindung gebe es nicht mehr. Um fast 4.000 Menschen ist die Bevölkerung in Ruchheim in den vergangenen 35 Jahren gewachsen. Probleme bei der Integration der Neubürger blieben nicht aus. Schade findet die Ortsvorsteherin zum Beispiel, dass sich einige der Neubürgerinnen und Neubürger nur wenig am Gemeinschaftsleben im Stadtteil beteiligen. "Manche sehen Ruchheim nur als ‚Schlafstadt', ohne die Vorteile des regen Lebens im Stadtteil zu nutzen, und werden hier auch nach vielen Jahren nicht heimisch", so Scharfenberger, die seit 2004 als Ortsvorsteherin im Amt ist.

Dabei hat Ruchheim einiges aufzuweisen: 23 Vereine bieten ein breites Spektrum an Freizeitmöglichkeiten von Sport über Gesang, Fasnacht bis zu sozialem Engagement. Besonderheit im Stadtteil ist unter anderem der Verein für Vogelliebhaber und Vogelschutz, der 2006 sein 50-jähriges Bestehen feiert und dessen Freizeitgelände mit Spielplatz beliebter Treffpunkt für Jung und Alt ist. Auch der Kindergartenverein 1872, Träger des Kindergartens "Arche Noah", ist eine Institution in Ruchheim. Daneben gibt es in Ruchheim auch eine Kindertagesstätte der Stadt. Fest im Stadtteil verankert ist die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Jugendfeuerwehr. Die Wehrleute engagieren sich nicht nur bei der Brandbekämpfung, sondern sind da, wenn helfende Hände gebraucht werden. Der Tag der offenen Tür der Wehr im Mai ist eines der Highlights im Veranstaltungskalender, der mit über 85 Terminen in diesem Jahr wieder prall gefüllt ist. Die Stadtteilbibliothek im Paul-Münch-Haus in der Fußgönheimer Straße bietet beispielsweise im März und April mehrere Aktionen rund um "1 Buch im Dreieck" an. Die 2005 gegründete Arbeitsgemeinschaft der Vereine möchte im Frühjahr Ortseingangsschilder aufstellen, die es den Vereinen ermöglichen, für ihre Veranstaltungen zu werben.

Salat soweit das Auge reicht: Die Landwirtschaft prägt Ruchheim auch heute noch

"Insgesamt sind wir in Ruchheim zufrieden. Unsere Schule, die Kinder- und Jugendeinrichtungen sind in einem guten Zustand. Die Nahversorgung im Stadtteil stimmt, darüber hinaus bietet das Gebiet Westlich der B 9 hervorragende Einkaufsmöglichkeiten. Im Gewerbegebiet ‚Am Herrschaftsweiher' haben sich Firmen angesiedelt, die weit über Ludwigshafen hinaus bekannt sind", so Heike Scharfenberger. Dennoch gibt es ein paar Probleme, die der Ortsvorsteherin am Herzen liegen: "Die Belastung der Mutterstadter Straße durch den Durchgangsverkehr und die Bauruine im Gebiet Ruchheim Nord-Ost sind Themen, die mich stark beschäftigen", erläutert sie. Insbesondere ortsfremde Landwirte auf dem Weg zum Pfalzmarkt in Mutterstadt verursachen in der engen Mutterstadter Straße gefährliche Situationen. In manchen Häusern klirrt das Geschirr in den Schränken. "Auch wenn das derzeit nicht finanzierbar ist: Eine Ortsrandstraße würde hier Entlastung bringen, die Trasse ist im Generalverkehrsplan der Stadt auch vorgesehen. Langfristig bleibt das unser Ziel, genauso wie eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr durch die Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 aus Oggersheim", hofft die Ortsvorsteherin auf finanziell bessere Zeiten. In der Mutterstadter Straße werden seit einiger Zeit verstärkt Kontrollen durchgeführt, um den Verkehr zu verringern.

Neubaugebiet Ruchheim-Nord/Ost

Die weitere positive Entwicklung des Neubaugebietes Nord-Ost hängt in den Augen der Ortsvorsteherin wesentlich von der Lösung des Problems der dort seit mehreren Jahren halbfertig stehenden Bauruine ab. "Ich wünsche mir sehr, dass wir hier weiterkommen und dieser wirkliche Schandfleck endlich verschwindet", hofft Scharfenberger auf ein greifbares Ergebnis in nächster Zeit. Denn nach ihrer Ansicht warten Bauwillige ab, wie sich die Situation entwickelt, so dass im Gebiet noch zahlreiche Bauplätze frei sind.
Gut und vertrauensvoll, so Scharfenberger, ist die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten. Insgesamt noch 20 Landwirte sind derzeit in Ruchheim tätig. Die Zahl geht seit den 70er Jahren wie im gesamten Stadtgebiet auch in Ruchheim stetig zurück. "Die Landwirtschaft und die landwirtschaftlichen Produkte sind aus Ruchheim nicht wegzudenken. Die Ortsgruppe des Bauern- und Winzerverbandes und die Landfrauen sind aktiv im Gemeinschaftsleben verankert", erläutert Scharfenberger.

In diesem Jahr will die Ortsvorsteherin die Arbeit mit Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen. Der Förderverein "Kinderfreundliches Ruchheim" möchte beispielsweise aus Spenden auf dem Bolzplatz einen Unterstand mit Sitzmöglichkeit als Treffpunkt für Jugendliche finanzieren. Unterstützt wird diese Aktion von der Jugendfreizeitstätte, die im Gemeinschaftshaus am Schlossplatz untergebracht ist. An der Rhein-Haardt-Bahn-Haltestelle werden Jugendliche im Frühjahr ein kleines Haus bemalen. Wunsch der Ortsvorsteherin wäre es außerdem, die Disco in der Jugendfreizeitstätte wieder in Betrieb nehmen zu können. Sponsoren sind hier willkommen.

Drei Fragen an die Ortsvorsteherin

Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit in den kommenden Jahren?
Vor allem im Hinblick auf die Verkehrssituation und die Jugendarbeit möchte ich etwas bewegen. Als Mittlerin zwischen Bürgerschaft und Verwaltung will ich weiterhin bei großen und kleinen Problemen Ansprechpartnerin sein.

Was ist das Besondere an Ruchheim?
In Ruchheim können gerade Familien mit Kindern sehr unbelastet leben. Die doch eher ländliche Umgebung lässt viele Freiräume. Gleichzeitig hat man die Vorzüge der Großstadt, zum Beispiel mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten.

Was schätzen Sie besonders an den Menschen?
Die Ruchheimer sind sehr engagiert, immer bereit, etwas für die Gemeinschaft zu tun, so zum Beispiel bei den verschiedenen Festen im Jahresablauf, die ohne die vielen Freiwilligen gar nicht denkbar wären.

Daten und Fakten

Einwohner: rund 6.120
Jahr der Eingemeindung: 1974
Ortsvorsteherin: Heike Scharfenberger
Ortsbeirat: CDU 3, SPD 3, FDP 1
Größe des Stadtteils: 960,51 Hektar
Grundschule: 1
Kindergarten: 1
Kindertagesstätte: 1
Jugendfreizeitstätte: 1
Seniorentreff: 1
Geschäfte: 28

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