Durchweg positive Resonanz auf die Pläne erhielt die Stadtspitze beim Bürgerforum Mitte Januar mit OB Eva Lohse, Bürgermeister Wilhelm Zeiser und Baudezernent Ernst Merkel. Rund 350 Bürgerinnen und Bürger waren ins Bürgermeister-Reichert-Haus gekommen, um mit der Stadtspitze, Gutachtern und Investoren zu diskutieren. Kritisch hinterfragten die Bürger vor allem, wie die Anbindung an die Innenstadt erfolgen soll, wie die Qualität des Angebotes im neuen Einkaufszentrum gesichert wird und wie die Fragen der Verkehrsführung gelöst werden können. Bürgermeister Zeiser betonte vor allem auch die Bedeutung von rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen, die durch ein großes Einkaufszentrum am Rhein entstehen. Dies sei ein wichtiges Argument auch im Hinblick auf die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Handel in der Stadt.
"Ludwigshafen hält mit Schulen, Krankenhäusern, Straßen und vielem mehr die Infrastruktur nicht nur für die Stadt selbst, sondern für das ganze Umland vor. Hier wird gearbeitet, ein großer Teil der Einkommensteuer und der Kaufkraft geht jedoch in die Region. Damit können wir uns nicht zufrieden geben. Auch aus diesem Grund müssen wir alles tun, um die Wirtschaftskraft Ludwigshafens weiter zu stärken und Kaufkraft und Arbeitsplätze zu gewinnen", betonte Zeiser.
Baudezernent Ernst Merkel räumt auch einer gut funktionierenden und architektonisch ansprechenden Anbindung des Areals an die Innenstadt hohe Bedeutung ein. Hierauf werde die Stadt bei den weiteren Verhandlungen besonders Wert legen: "Die Entwicklung der Innenstadt und die am Zollhof müssen Hand in Hand gehen zugunsten der gesamten City."
Im Vorfeld des Bürgerforums hatten die drei Interessenten HBB, mfi und ECE ihre Projekte zwei Nachmittage lang im Reichert-Haus ausgestellt. Über 100 Menschen nutzten allein in der kurzen Zeit die Gelegenheit, sich selbst ein Bild von den Plänen zu machen. Diese Ausstellung ist mittlerweile in das Rheincenter umgezogen und wird dort weiterhin von der WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft (W.E.G.) betreut. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Gruppen können sich für eine Führung anmelden. In deren Rahmen werden die Investitionsvorhaben erklärt, aber auch das Vorgehen rund um den Zollhofhafen erläutert.
Auf großes Interesse stieß auch der Internetchat mit der Oberbürgermeisterin Ende Januar: Viele Bürger nutzen die Möglichkeit, via Internet direkt mit der OB über die Pläne zu diskutieren. Konsequenz: Schon für Ende Februar war ein zweiter Chat angesetzt worden. "Eine breite Bürgerinformation und ein für alle nachvollziehbares und transparentes Vorgehen sind mir außerordentlich wichtig. Jeder kann seine Meinung sagen oder Fragen stellen", betont Eva Lohse. Auch ein weiteres Bürgerforum ist geplant. Es soll Anfang Juni stattfinden.
Wie bereits mehrfach berichtet, entstand für die Stadt Ludwigshafen durch das Freiwerden des Zollhofhafens die große Chance, das Gelände direkt am Rhein zugänglich zu machen. Auf der Suche nach Investoren für dieses Projekt kristallisierte sich eine Einzelhandelsnutzung heraus: Private Investoren bekundeten ihr Interesse in Ludwigshafen zu bauen, womit auch eine Verbesserung der Infrastruktur einhergeht.
Ein von den Investoren unabhängiges Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), das Stadt, W.E.G. und Hafen in Auftrag gaben, zog dieses Fazit: "Mit der möglichen Ansiedlung am Zollhofhafen sind zwar erhebliche strukturelle Umbrüche in der Handelslandschaft der Innenstadt von Ludwigshafen verbunden, dennoch sollte die Stadt diese Chance ergreifen, sorgfältig prüfen und weiter ausformen, um dem Einzelhandelsstandort Innenstadt Ludwigshafen einen deutlichen Anschub zu geben. (...). Ein Beibehalten an den bisherigen Strukturen nach dem Motto 'keine Experimente' bedeutet zwar kein Risiko, aber auch keine Chance. Das vermeintlich geringe Risiko lässt auch eine andere Interpretation zu: 'Wer nichts riskiert, riskiert alles!'"