"Ich glaube, es ist ein zutiefst menschlicher Zug, dass man das Leben nicht einfach nur 'konsumieren', sondern dass man es selber gestalten will. Es sind vier Frauen und fünf Männer, die sich durch ehrenamtliches Engagement um unser Gemeinwesen verdient gemacht haben, und bei denen wir uns heute mit der Verleihung der Bürgerschaftsmedaille symbolisch bedanken möchten." In einem würdigen Rahmen verlieh Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse die Ehrenzeichen an Menschen, die den Organismus Stadt durch ihre beispielhafte Arbeit immer wieder mit frischem Sauerstoff versorgen würden.
Als Silvia Burrini 1979 ihre Arbeit im Centro Italiano der Caritas begann, war dies im Hinblick auf das heute selbstverständliche Thema Integration echte Pionierarbeit. Sie war zunächst einmal Ansprechpartnerin für die hier lebende italienische Gemeinde für alle nur denkbaren Probleme. Sie wurde aber auch rasch zu einer begehrten Ansprechpartnerin für die deutsche Seite. Sie wurde "zu einer Schnittstelle der Integration in Ludwigshafen, lange bevor dieser Begriff zum allgemeinen Leitbild der Politik wurde," so die ehrenden Worte von OB Dr. Lohse. Die Abschaffung der gesonderten Vorbereitungsklassen für italienische Schulkinder beispielsweise war Burrinis Werk. Dass ihre Verdienste gesehen wurden, zeigt nicht nur die Einladung der Bundeskanzlerin zum nationalen Integrationsgipfel in Berlin, sondern auch die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz, der italienischen "Stella al Merito del Lavoro" und das Goldene Ehrenzeichen des deutschen Caritasverbandes.
Auch Aicha Hamoud-Gogollok gehört zu den Frauen, die die Integration in Ludwigshafen voranbringen. Sie engagiert sich vor allem im internationalen Frauentreff. "Marokkanische Frauen zwischen Tradition und Moderne" hieß eines ihrer viel beachteten Projekte, die im Spannungsverhältnis vieler Migrantinnen zwischen alter und neuer Heimat auf der Suche nach einem eigenen Weg unterstützt. Weitere Arbeit leistet Aicha Hamoud-Gogollok auch bei baff e.V., wo sie unter anderem Alphabetisierungskurse anbietet. Seit 1992 leitet Aicha Hamoud-Gogollok zudem die Ludwigshafener Gruppe "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Die Gruppe feierte im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. "Anderen Menschen Mut zu einem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Leben zu machen – ich denke, das ist es, was ihr Engagement sowohl auf dem Gebiet der Integration als auch bei der Frauenselbsthilfe auszeichnet", fasste Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse in ihrer Laudatio zusammen.
"Bei Michael Heid liefen über lange Jahre viele Fäden im Hemshof zusammen", so OB Dr. Lohse in ihrer Rede. Die OB weiter: "Sie sind der lebendige Beweis dafür, dass Banker keine kalten Zahlenmenschen sein müssen. Und es spricht – wenn ich mir die Bemerkung als Verwaltungsratsvorsitzende erlauben darf – sehr für unsere Sparkasse, dass dort offensichtlich Menschen Karriere machen können, die sich auch in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl einsetzen." Sein Berufsleben hat Michael Heid in der Sparkassenfiliale Nord verbracht, davon 17 Jahre als Filialdirektor. Bei der Gründung des Fördervereins Hemshofschachtel war er genauso beteiligt wie bei der Gründung des Gewerbevereins Hemshof. In beiden Vereinen hat er bis heute das Amt des Kassierers inne. Seit 1993 ist er zudem stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Pfarrei St. Dreifaltigkeit. Außerdem ist er Kassierer der Bauhilfe Heilig Kreuz, Revisor der IG West und Mitglied der KG Farweschlucker.
Alice Katzer zählt zu den Pionierinnen der Gleichstellungsarbeit in Ludwigshafen. Der Verein Frauencafé Ludwigshafen, der Arbeitskreis Gleichstellungsstelle, der Verein Wildwasser, die Frauenliste und der Verein Girlassic-Park sind einige der Institutionen, für die sich Alice Katzer engagiert, die sie teilweise selbst mitbegründet und wesentlich geprägt hat. "Ohne sie wäre die Geschichte der Gleichstellung in Ludwigshafen anders – und das bedeutet: wahrscheinlich wesentlich langsamer – verlaufen", so OB Dr. Lohse. Den Schulterschluss zwischen Lehrerschaft, Eltern und Ehrenamtlichen schaffte Alice Katzer mit ihrem Einsatz für die Wittelsbach-Grundschule. Seit 1986 war sie dort im Förder- und Freundeskreis und im Schulelternbeirat aktiv. 1992 gehörte sie zu den Gründerinnen der Schultagesstätte Wittel-Wigwam, die sie bis 2008 geleitet hat. Hier hat sie unter anderem die Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund auf den Weg gebracht.
"Ohne Menschen wie Ludwig Kolb , die sich selbstlos und unermüdlich für das Gemeinwesen einsetzen, kann unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht bestehen", beschrieb OB Dr. Lohse die Leistung des Geehrten und zeigte sich beindruckt von der "schier unglaublichen Länge und Kontinuität" des Engagements. Kolb gehöre zu den Menschen, die durch den "stillen, aber kontinuierlichen und absolut zuverlässigen Dienst am Gemeinwesen das eigentliche Rückgrat unserer Gesellschaft bilden". Von 1949 bis 2009 war Ludwig Kolb bei jeder Wahl als Wahlhelfer tätig. Schon 1947 gehörte er zu den Mitbegründern der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen in Neustadt, wo er auch lange Jahre dem Vorstand angehörte. Von 1962 bis 2009 war er in St. Josef in Rheingönheim als ehrenamtlicher Kirchenschweizer tätig. In seiner Gemeinde war er auch lange Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderates und des Verwaltungsrates. Bis heute ist er Mitglied im Seniorenrat der Stadt Ludwigshafen.
Auch Anneliese Meyer-Lender hat sich mehrmals als Wahlhelferin engagiert. Von 1989 bis 2009 war sie Mitglied des Ortsbeirats Mundenheim, von 1999 bis 2004 stellvertretende Ortsvorsteherin. In ihrem kulturellen und sozialen Engagement ist Anneliese Meyer-Lender Initiatorin und Organisatorin der Mundenheimer Hobbykünstler-Ausstellung, die in diesem Jahr zum elften Mal stattfand. Für die Kinder des Stadtteils fungiert sie als Erzähl- und Lesepatin und unterstützt den Kinderkirchentag der evangelischen Christuskirche mit einer Erzählwerkstatt. Ihr besonderer Einsatz gilt den Kindern des Annastifts, mit denen sie unter anderem einen Apfelbaum pflanzte. Dass dieses Bäumchen für einen unverbesserlichen Optimismus und den Glauben daran stehe, dass man auch mit kleinen Schritten die Welt entgegen all den großen Entwicklungen ein Stück besser machen könne, erläuterte OB Dr. Lohse in ihrer Rede. "Aber worum es eigentlich geht, das sind die Apfelbäume, die Sie in den Köpfen und Herzen der Kinder gepflanzt haben", so die OB weiter.
Auch Karl Strubel kann auf eine lange Zeit des ehrenamtlichen Engagements zurückblicken, die schon vor mehr als 40 Jahren mit seiner Mitgliedschaft im Jugendrotkreuz und im DLRG begann. Zehn Jahre lang war er Schatzmeister des Ludwigshafener Rudervereins, und auch im CDU-Ortsverband Maudach war er lange Zeit als Kassenwart tätig. 25 Jahre war er zudem an der Steuerberaterakademie Rheinland-Pfalz in der Ausbildung für Steuerfachangestellte tätig. Von 1978 bis 2006 war er Mitglied des Prüfungsausschusses für Steuerfachgehilfen an der BBS Wirtschaft in Ludwigshafen, davon einige Jahre als Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Außerdem war er von 1998 bis 2006 Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz. Seine Vorbildfunktion hob OB Dr. Lohse in ihrer Ansprache noch einmal besonders heraus: "Es ist in meinen Augen sehr wichtig, dass junge Menschen bei ihrer Berufsausbildung Persönlichkeiten begegnen, die fachlich und auch persönlich ein Vorbild sein können."
Walter Süß ist ein Mann der Kontinuität, der ein jahrzehntelanges Engagement insbesondere an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft aufweist: Seit 1965 ist er Mitglied des Pfarrgemeinderates von St. Martin in Oppau, seit 1971 dessen Vorsitzender. Dem Dekanatsrat Ludwigshafen gehört er seit 1968 an, seit 1972 ist er Mitglied und zweitweise im Vorstand des Katholikenrates der Diözese Speyer. Er war Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, war Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Katholikenräte in Rheinland-Pfalz und ist im Vorstand des Sozialdienstes katholischer Männer und Frauen. Seit 1945 ist Walter Süß im Kirchenchor von St. Martin aktiv und war lange Jahre dessen erster Vorsitzender. Außerdem gehörte Walter Süß zu den Gründern des Fördervereins K. O. Braun-Museums in Oppau. Von 1994 bis 1998 war Walter Süß bürgerschaftliches Mitglied im Schulträgerausschuss. Als pensionierter Sonderschullehrer gibt er Kindern mit Migrationshintergrund heute noch Nachhilfe.
Josef Waldmann engagiert sich in zahlreichen Vereinen in der Gartenstadt. Er ist Revisor im Akkordeon-Club Ludwigshafen, Beisitzer im Vorstand der Arbeiterwohlfahrt, Zweiter Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Niederfeld, Revisor der Sozialgemeinschaft Gartenstadt und Ehrenrat der VSK Germania Niederfeld. Von 2004 bis 2009 war er Ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Mannheim und von 1989 bis 1997 Mitglied des Ortsbeirats Gartenstadt. Ein Höhepunkt seines Engagements war die Jubiläumsfeier 75 Jahre Niederfeldsiedlung, die auf seine Initiative hin zustande kam und zu deren Gelingen Waldmanns Einsatz maßgeblich beitrug. "Die Stadtteile geben den Menschen in Ludwigshafen Heimat. Damit dieses möglich ist, brauchen wir Menschen, die sich um das Leben in den Stadtteilen kümmern. Sie haben dies über viele Jahre hinweg auf vorbildliche Art und Weise getan", so OB Dr. Lohse in ihrer Laudatio.