Logo der STADT LUDWIGSHAFEN AM RHEIN
*
Illustration Rathaus
*
*
* * *
* Logo Rhein-Neckar-Dreieck *
* * *
*
*
*
*
*

neueLu Januar/Februar 2010

"Stärken nach außen tragen"

OB Dr. Eva Lohse zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahre

Mit Eva Lohses Amtsantritt änderte die Stadt ihr Gesicht: Ein neues Standortmarketing und Selbstverständnis, neue Schwerpunkte in der Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik waren die Grundlage für zwei große Unternehmensansiedlungen und schafften Raum für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäuser in attraktiven Neubaugebieten oder direkt am Rhein. Ein vielseitiges Betreuungs- und Bildungsangebot hilft, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, und trägt dazu bei, dass Ludwigshafen nicht nur als Arbeitsstätte, sondern auch als Wohnort zunehmend geschätzt wird. Gleichzeitig gewinnt Ludwigshafens kulturelles Profil schärfere Konturen. Welche Herausforderungen Ludwigshafen in den kommenden Jahren meistern muss, welche Entwicklungen bedacht und welche Ziele verfolgt werden, darüber sprachen wir mit Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, die am
1. Januar 2010 in ihre zweite Amtszeit startet.


neue Lu: Frau Dr. Lohse, wo soll Ludwigshafen in acht Jahren stehen?
OB Lohse: Ludwigshafen ist innovativ, international, erfindungsreich, jung, weitgehend frei davon, Traditionen bewahren zu müssen, versehen mit einem unerhörten Entwicklungspotenzial. Diese Stärken müssen wir uns noch bewusster machen, wir müssen sie noch deutlicher nach außen tragen und auch noch mehr verinnerlichen. Wir sind nicht nur ein bedeutender internationaler Wirtschafsstandort, sondern auch das Zuhause von über 167.000 Menschen. Wir sind Wirtschaftsmotor im Land Rheinland-Pfalz und eines der drei Oberzentren in der Metropolregion Rhein-Neckar. Ludwigshafen hat eine vorzügliche Lage – wirtschaftlich, infrastrukturell, landschaftlich. Unser Ziel: Wir wollen attraktiv sein für Menschen und Unternehmen. Mit diesem Ansinnen stehen wir aber im Wettbewerb mit anderen Städten und Regionen. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir unsere Konturen weiter schärfen, klar und selbstbewusst zeigen, was uns so attraktiv und so unverwechselbar macht, warum es sich lohnt, hier zu leben und zu investieren.

neue Lu: Wie wollen Sie das erreichen?
OB Lohse: Dass wir mit dieser Strategie richtig liegen, haben die vergangenen Jahre bereits gezeigt: Mit den Ansiedlungen von ECE und Vögele haben wir neue Arbeitsplätze geschaffen und bestehende gesichert, wir haben unsere wirtschaftliche Basis verbreitert, das Einkaufsangebot wird sich mit der Öffnung der Rhein-Galerie ab Herbst erheblich verbessern. Gleichzeitig registrieren wir, dass wir als Wohnort attraktiver werden: Unsere Neubaugebiete sind gefragt, Menschen interessieren sich für das Wohnen am Rhein. Diese für die Stadt guten Entwicklungen sind nur möglich, weil Ludwigshafen insgesamt positiv wahrgenommen wird, weil Unternehmen Zutrauen in die Leistungsfähigkeit dieser Stadt und ihrer Menschen haben, weil Ludwigshafen als gute Adresse gesehen wird. All diese Faktoren, die zum positiven Image der Stadt beitragen, haben wir ja identifiziert, und ich möchte sie in den kommenden Jahren weiter ausbauen und stärken.

neue Lu: Wo liegen Ihrer Einschätzung nach die größten Herausforderungen für die Stadt?
OB Lohse: Wir verstehen uns als moderne Großstadt und internationaler Wirtschaftsstandort. Als solche müssen wir tragfähige und zukunftsorientierte Antworten auf die demographischen Veränderungen erarbeiten, die ja alle Städte erleben. Stichwort Integration: Es gibt bereits viele gute Beispiele in Ludwigshafen für eine gelungene Integration. Aber wir stecken noch mitten in diesem Prozess, der unsere Gesellschaft verändert, und es gibt noch eine Menge Fragen, auf die wir noch keine passende Antwort haben. Das halte ich für eine der ganz großen Aufgaben der kommenden Jahre. Gleichzeitig müssen wir dem Umstand Rechnung tragen, dass die Gesellschaft immer älter wird. Wir erleben ebenso hautnah, dass traditionelle Familienstrukturen aufgebrochen sind. Wenn man allein unsere Aufwendungen im Sozial- und Jugendbereich sieht, erkennt man leicht die große gesellschaftliche Verantwortung, die wir als Staat hier übernehmen.  Gerade im Aufeinandertreffen so unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungen zeigt sich deutlich, dass in unseren Städten die Keimzellen für das Miteinanderleben von morgen stecken. Nur müssen wir schon heute darauf antworten können.

neue Lu: Die Wirtschaftskrise hat Ludwigshafen voll getroffen: Ist Erholung in Sicht?
OB Lohse: Als bedeutender Industriestandort spüren wir die Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Entwicklung direkt durch dramatisch weg brechende Einnahmen sowie steigende Ausgaben. Die Kommunen, deren Aufgabe die Daseinsvorsorge für die Menschen ist, finanzieren sich zu einem erheblichen Teil aus Steuereinnahmen. Wenn diese aufgrund der globalen Wirtschaftskrise dramatisch schrumpfen oder gar ausbleiben, bricht von heute auf morgen eine ganz wesentliche Finanzierungsgrundlage weg – ohne eine entsprechende Kompensation. Hinzu kommt die besondere Situation der Städte in Rheinland-Pfalz. Der Städtetag Rheinland-Pfalz hat ausgerechnet, dass die kreisfreien Städte im Land im Bundesvergleich bei einem Bevölkerungsanteil von fünf Prozent rund 25 Prozent der Gesamtdefizite in den alten Bundesländern ausweisen. Das sind einfach Tatsachen. Der Kassenkreditbedarf der rheinland-pfälzischen Großstädte liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Der Städtefinanzbericht 2005 des Städtetages kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass die rheinland-pfälzischen Städte durch das System des Finanzausgleichs gegenüber anderen Großstädten in anderen Bundesländern klar benachteiligt seien und somit gegenüber anderen Regionen im Inland und der Europäischen Union deutlich im Hintertreffen seien. Wir machen uns daher parteiübergreifend für einen neuen Finanzausgleich stark, der endlich auch den Interessen der Städte Rechnung trägt. Insofern werden wir nicht müde, immer wieder an das Land und den Bund zu appellieren, uns nicht per Gesetz ständig neue Belastungen aufzubürden, die wir einfach nicht mehr schultern können. Die Städte leisten mit ihrer Infrastruktur einen wesentlichen Beitrag zur direkten Daseinsvorsorge für die Menschen. Wir anerkennen die großen Probleme der weltweiten Wirtschaftskrise und leisten durch ständige Sparrunden einen erheblichen Beitrag zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Doch das sollte mehr als bisher anerkannt werden.

neue Lu: Stichwort Wohnungsbaupolitik: Sie haben sich von Anfang an stark gemacht für mehr Ein- und Zweifamilienhäuser, wollten weg vom öffentlichen Geschosswohnungsbau. Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?
OB Lohse: Mit einer neuen Wohnungsbaupolitik wollen wir für mehr Vielfalt sorgen. Ludwigshafens Architektur und damit das Gesicht der Stadt ist stark vom Geschosswohnungsbau geprägt. Gerade nach den Zerstörungen des Krieges musste schnell Wohnraum geschaffen werden. Allerdings gab es aus meiner Sicht auch Fehlentwicklungen, die dazu geführt haben, dass es zu wenig Auswahl an unterschiedlichen Wohnformen gab. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Menschen, die ein Zuhause in einem Ein- oder Zweifamilienhaus mit Garten suchten, in Ludwigshafen nicht fündig wurden und ins Umland zogen, was sich heute auch an der Sozialstruktur der Stadt anlesen lässt. Ich mache mich für eine ausgewogene Sozialstruktur stark, ich möchte, dass es in Ludwigshafen Raum für die unterschiedlichen Lebensentwürfe gibt, es soll günstiges, bezahlbares Wohnen geben, aber eben auch hochwertige Angebote, die individuellen Wünschen gerecht werden. Eine ausgewogene Sozialstruktur ist für die Gemeinschaft wichtig, und – nicht nur nebenbei – natürlich auch für die städtischen Finanzen, da durch den Zuzug so genannter Besserverdiener auch die städtischen Einnahmen bei der Einkommensteuer steigen – ein positiver Effekt, der dann wieder allen zugute kommt. Rückblickend bin ich mit dem Erreichten schon ein Stück weit zufrieden, denn es ist uns der grundsätzliche Wechsel gelungen. Gleichzeitig weiß ich, dass wir hier eine Langzeitaufgabe zu schultern haben.

neue Lu: Festspiele Ludwigshafen, Festival des deutschen Films, Fotofestival, große Ausstellungen im Wilhelm-Hack-Museum, man könnte die Liste fortsetzen: Warum machen Sie sich so für die Kultur stark?
OB Lohse: Kultur ist nicht einfach beliebig oder gar verzichtbar. Kultur ist ein wesentliches Merkmal urbaner Identität und heute ein harter Standortvorteil. Eine Stadt ohne kulturelles Angebot ist austauschbar, hat kein eigenes Profil und verliert dadurch an Anziehungskraft. Es ist uns in den vergangenen Jahren gelungen, gerade durch – teilweise auch unerwartete – Entscheidungen und Aktionen eine positive öffentliche Aufmerksamkeit nach Ludwigshafen zu lenken. Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir unsere kulturellen Einrichtungen finanziell besser ausstatten könnten. Aber es ist dennoch erstaunlich, dass selbst mit vergleichsweise geringen Mitteln Großes geleistet wird.

 

*
*
*
*
*
* bookmark at mister wongbookmark at del.icio.usbookmark at digg.combookmark at twitter.netbookmark at linksilo.combookmark at studivz.netbookmark at myspace.combookmark at google.combookmark at stumbleupon.com
*
Druckversion Zur Startseite Eine Seite zurück springen nach oben zum Seitenanfang Zum Inhaltsverzeichnis *
*
*