Mit einer Kranzniederlegung, einer Ausstellung, einer Filmvorführung, einem Konzert und einer Lesung erinnert die Stadt Ludwigshafen am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus.
Schon sechs Tage zuvor ist das Schicksal der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Thema bei einer Veranstaltung. Am 21. Januar, 19 Uhr, liest Schriftstellerin Ursula Krechel im Ernst-Bloch-Zentrum aus ihrem Roman "Shanghai fern von wo". Sie erzählt die Geschichte mehrerer Juden, die während der Zeit des Nationalsozialismus nach Shanghai geflüchtet sind und sich in der fremden Kultur zurechtfinden mussten. Die Lesung wird gemeinsam mit der Aktion Stolpersteine und dem Gesprächskreis Juden und Christen organisiert.
Am 27. Januar, 12 Uhr, legt Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse im Hof der Maxschule, Schulstraße, einen Kranz zum Gedenken nieder. Von diesem Platz aus wurden Ludwigshafener Juden am 22. Oktober 1940 ins Lager Gurs nach Südwestfrankreich deportiert. Schülerinnen und Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums gestalten das Programm. Um 17.30 Uhr wird im Stadtmuseum Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Stolpersteine die Ausstellung "Leben im Exil" von Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg eröffnet. Auf Tafeln wird das Schicksal jüdischer Familien aus Ludwigshafen, die ins Exil gehen mussten, dargestellt. Adolf Wetzlar, Lehrer an der Oberrealschule Jaegerstraße (heute: Carl-Bosch-Gymnasium) wurde 1945 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Der Schüler Rudolf Goldmann flüchtete mit seinen Eltern nach Sao Paulo in Brasilien, Anna und Max Diamant nach Mexiko. Edgar Strauß überlebte in Kanada, Max Leva und Ursula Michel fanden in England eine neue Heimat. Angehörige von Ursula Michel werden bei der Ausstellungseröffnung anwesend sein.
Nach dem offiziellen Auftakt spielt die Gruppe Trazz mit Herbert Adam (Gitarre) und Roland Wenz (Klarinette und Altsaxophon). Thomas Hoffmeister-Höfener erzählt jüdische Geschichten. Die Gruppe Trazz verbindet in ihrer Musik Elemente aus Jazz, Klassik und Klezmer. Das Ernst-Bloch-Zentrum zeigt am 27. Januar gemeinsam mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Ludwigshafen den Film "Am Ende kommen Touristen". Der Film wird außerdem am Dienstag, 26. Januar, 19 Uhr, in einer öffentlichen Vorführung im Ernst-Bloch-Zentrum gezeigt. Er beschäftigt sich mit der Gedenkstätte Konzentrationslager Auschwitz, zeigt aber auch den Alltag in der polnischen Kleinstadt Oswiecim, den Optimismus der Jugend im neuen Europa, ihre Sehnsüchte und Ängste, ihre Toleranz und ihren Respekt.
Am Sonntag, 7. Februar, 11 Uhr, erinnert Doris Diamant-Siebert im Stadtmuseum an weitere Exilgeschichten. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Um eine Spende wird gebeten.