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neueLu Januar/Februar 2007

Das Theater glänzte

Festspielprogramm zieht neues Publikum an – Oft stürmischer Applaus

Frenetischen Beifall erntete das Berliner Ensemble während der Brechtwoche im Theater im Pfalzbau bei den II. Festspielen Ludwigshafen. Eine Welle der Begeisterung erfasste das Publikum auch bei weiteren Inszenierungen. Im Stehen applaudierend dankte es der Compagnie des berühmten Choreographie-Meisters Maurice Béjart für "Zarathustra. Das Lied vom Tanz". Rund 21.000 Besucherinnen und Besucher von nah und fern kamen vom 21. Oktober bis zum 16. Dezember ins Theater, verstärkt junge Menschen.

 

 

Insgesamt wurden 17 hochkarätige Gastspiele aus den Bereichen Schauspiel, Tanz und Musik aus acht Ländern geboten. Mit verschiedenen Vorstellungen, Aktionen und Workshops zog das Theater neben dem Stammpublikum auch neue Zuschauerinnen und Zuschauer an. Fast 10 Prozent der Karten wurden allein an junge Menschen verkauft, dies entspricht einer Steigerung gegenüber den I. Festspielen im Jahr 2005 um 40 Prozent. Ins Theater lockte die nachwachsende Theater-Generation außerdem der HipHop-Workshop mit Tänzern des "Renegade Theatre" aus Herne, die "Cage" aufführten, außerdem die seltene Chance, das Bühnenbild mit Deja Donne für "My Name is King" mitzugestalten, sowie die Proben des Béjart Ballet Lausanne einmal live mitzuerleben. Die Deutschlandpremiere von Béjarts "Zarathustra" wurde von 3.500 Zuschauerinnen und Zuschauern begeistert gefeiert.
"Als Dezernentin, die sowohl für Kultur als auch für Jugend verantwortlich ist, freue ich mich ganz besonders, dass das künstlerische Konzept Jugendliche angesprochen hat", erklärte Beigeordnete Prof. Dr. Cornelia Reifenberg. "Diese neuen Zuschauer hier fürs Theater zu begeistern, ist der wichtigste Schritt für die Zukunft des Theaters in Ludwigshafen", formulierte der Intendant des Hauses, Prof. Hansgünther Heyme, eines seiner wichtigsten Ziele.

 

Bereits zum Auftakt feierten die II. Festspiele einen großen Triumph. Dies war das Resultat einer rundum gelungenen Kooperation mehrerer Kulturinstitutionen. Mit der parallel eröffneten Ausstellung des international bekannten italienischen Künstlers Fabrizio Plessi "Digital Islands - 1970 - 1990" im Wilhelm-Hack-Museum und den Veranstaltungen des Ernst-Bloch-Zentrums zur Preisverleihung des Wilhelm-Dieterle-Preises mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz starteten die Festspiele auf hohem Niveau. Alle drei Vorstellungen des Aterballetto Reggio Emilia mit "Romeo and Juliet" unter der Leitung des Choreographen Mauro Bigonzetti zu Beginn waren ausverkauft.
Erfolg bescherte auch die Vielfalt des Programms. Anklang fanden nicht nur die in einer fremden Sprache dargebotenen Stücke wie "Sonho de uma noite de verao", "Ein Sommernachtstraum", aus Brasilien, auch Hansgünther Heymes Inszenierung des "Orestes" aus Maribor und die ungewöhnliche isländische Darbietung des Dramas von Georg Büchner "Woyzeck" mussten aufgrund der großen Nachfrage in den Theatersaal  verlegt werden. Eine Uraufführung der Originalfassung von "Der Bittere Honig", inszeniert von Peter Zadek, mit den Schauspielerinnen Julia Jentsch und Eva Mattes, und eine Darbietung des außergewöhnlichen "The Ukulele Orchestra of Great Britain" setzten überdies herausragende Schlussakzente.
Nicht zuletzt trugen spektakuläre Aktionen und originelle Werbekampagnen zum zunehmenden Bekanntheitsgrad der Festspiele bei. Die Straßenbahn Linie 4 funktionierten zum Beispiel Mitglieder des Berliner Ensembles und Intendant Claus Peymann sehr zum Vergnügen der Fahrgäste in eine Bühne um. Müllautos zierten zudem Zitate von Dichterfürsten, wie Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe, darüber hinaus warb die Feuerwehr mit einer großen Plane am Schlauchturm.
Ein Ereignis, das Maßstäbe setzte. Das wird auch bei den III. Festspielen so sein, die  aufgrund der Sanierung des Pfalzbaus im Corso-Filmtheater stattfinden. Dort werden zwölf bis fünfzehn Produktionen gezeigt, eine Tanzproduktion mit drei bis vier Vorstellungen überdies in der Friedrich-Ebert-Halle. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Vollblut-Theatermann Hansgünther Heyme tüftelt schon wieder am dritten Festspielprogramm 2007.   tim

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