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neueLu Januar/Februar 2007

OB Eva Lohse: Selbstbewusst mit den Stärken der Stadt umgehen

Stadtoberhaupt zu wichtigen Projekten 2007 – Fokus liegt auf Umbau der Innenstadt – Private Investitionen zeugen von großem Vertrauen in Stadt

Ludwigshafen ist im Wandel begriffen: Private Investoren zeigen reges Interesse an der Stadt am Rhein, eine neue Wohnungsbaupolitik lockt wieder mehr Menschen aus dem Umland an. Mit dem Umbau seiner Innenstadt hat Ludwigshafen eines der größten Projekte seiner Stadtentwicklung in Angriff genommen. Über ihre Ziele und die wichtigsten Themen des Jahres 2007 sprach Sigrid Karck mit Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse.

neue Lu: Frau Dr. Lohse, mit dem begonnenen Umbau der Innenstadt und der Stadtratsentscheidung für ein großes Einkaufscenter am Zollhofhafen wurden in den vergangenen Monaten die Weichen nicht nur für 2007, sondern für die kommenden Jahre gestellt. Wohin wird sich Ludwigshafen entwickeln? Welches Gesicht soll die City künftig haben?
Eva Lohse: Wir müssen selbstbewusst mit unseren Stärken umgehen und eine dieser großen Stärken liegt in der unmittelbaren Nähe zum Rhein. Das macht das Stadtquartier am Zollhofhafen unverwechselbar. Wo sonst in der Region kann man direkt am Wasser einkaufen, bummeln, einen Kaffee trinken oder etwas essen.
Unsere City soll ein attraktiveres und unverkennbares Gesicht erhalten und sich als ein Ort präsentieren, an dem man gerne einkauft, bummelt und verweilt. Hierfür haben wir ein Konzept entwickelt, das auf vielen Säulen steht. Dabei geht es um das Einkaufen ebenso wie um Kultur, Wohnen, Freizeit oder Gastronomie. Die Projekte und Bauvorhaben, die wir bereits verwirklicht haben und die wir in Angriff nehmen werden, sind aufeinander abgestimmt. Wir bauen eben nicht „nur” ein Einkaufscenter, sondern ein neues Stadtquartier, das die vorhandenen positiven Strukturen und Gegebenheiten nutzt. Gleichzeitig werden wir jetzt noch vorhandene Defizite wie beim Einkaufsangebot oder bei der Aufenthaltsqualität beseitigen.
Erste Erfolge sind bereits spürbar: Die Innenstadt ist 2006 endlich an den Rhein gerückt. Der Rheinuferpark ist ein kleines Schmuckstück und erfreut sich großer Beliebtheit. Eine neue Beleuchtung sorgt für eine angenehme und sichere Atmosphäre, die Bänke werden ersetzt und präsentieren sich dann wieder einladend. All dies sind wichtige Bausteine, die sich in den kommenden Jahren zu einem Gesamtbild zusammensetzen werden: dem Bild eines Ludwigshafen mit einer attraktiven und zum Einkaufen und Bummeln einladenden Innenstadt. Diese Imageverbesserung dient ganz handfesten Zielen: der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen - allein im neuen Einkaufscenter werden rund 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen - und dem Gewinn an Kaufkraft. Das bedeutet, dass gutes Geld, das in Ludwigshafen verdient wird, auch in Ludwigshafen ausgegeben wird.  

neue Lu: Welche Grundsätze beachten Sie bei diesem Umbauprozess? Worauf legen Sie besonderen Wert und welche Überlegungen spielen noch eine Rolle?
Eva Lohse: Wenn wir heute erklären, wir besinnen uns selbstbewusst auf unsere Stärken und wir werden unser Image grundlegend verbessern, dann erfinden wir uns ja nicht neu. Man könnte auch sagen, wir besinnen uns auf unsere Wurzeln. Diese liegen am Rhein, den die Stadt ja in ihrem Namen trägt. Mit dem Fokus auf der Innenstadt und dem Bau des neuen Einkaufscenters konzentrieren wir uns auf einen echten Kernbereich. Hier legten im Jahr 1853 die Gründerväter Ludwigshafens an der Rheinschanze und dem Winterhafen die Keimzelle der Stadt. Das muss man sich einmal bewusst machen.
Worauf es mir bei diesem großen Umbauprozess, der uns Jahre begleiten wird, vor allem ankommt, sind sorgfältige Analysen und transparente Entscheidungswege. Wir haben deshalb von Anfang an das Gespräch mit dem Handel und vielen anderen Akteuren in der Innenstadt gesucht, wir haben zu Bürgerforen geladen und moderne Kommunikationsformen wie das Internet genutzt. All das waren wichtige Verfahrensschritte, und ich möchte mich bei allen bedanken, die durch ihre Anregungen, konstruktive Kritik und Ideen wichtige Diskussionsbeiträge geleistet haben. So konnte der Stadtrat auf einer soliden Basis eine gute Entscheidung treffen.  Wir werden das enge Miteinander auch künftig pflegen.

neue Lu: In den vergangenen Jahren wurde so viel privates Geld wie schon lange nicht mehr in Ludwigshafen investiert. Das Hamburger Unternehmen ECE hat im Sommer angekündigt, in den Bau des Einkaufscenters 185 Millionen Euro in Ludwigshafen zu investieren. Woher kommt dieses große Interesse an Ludwigshafen und worauf führen Sie diese Erfolge zurück?
Eva Lohse: Ludwigshafen verfügt über ein großes wirtschaftliches Potenzial. Wir sind das Kraftzentrum in Rheinland-Pfalz und größter Arbeitgeber in der Region. Selbstverständlich sehen auch private Investoren diese Stärken. Ludwigshafen ist im Aufschwung begriffen und spiegelt Entschlossenheit, Fleiß und Optimismus wider. Die hohe Investitionsbereitschaft in die Stadt zeugt natürlich vom Vertrauen, das private Investoren unserer Politik hier entgegenbringen. Solche Erfolge fallen aber nicht vom Himmel, sondern sind Resultat konsequenter und harter Arbeit. Wenn wir uns zum Beispiel bei der großen Immobilien-messe expo real in München präsentieren, dann stehen wir in einem harten Wettbewerb. Insofern bin ich stolz darauf, dass es gelungen ist, gerade hier wichtige Kontakte zu knüpfen. Auch werden öffentliche Investitionen, die wir als Stadt tätigen, sei es durch schon genannte Umbaumaßnahmen oder dem Einsatz von Fördermitteln des Landes, private Investitionen anregen.

neue Lu: Zu den großen Herausforderungen der Zukunft gehört es, kluge Antworten auf die demografische Entwicklung in Deutschland zu finden. Wo sehen Sie Ludwigshafen hier positioniert? Was sind für Sie die herausragenden Themen in diesem Zusammenhang?
Eva Lohse: Die Frage nach den Folgen des demografischen Wandels ist aktueller denn je. Wir beschäftigen uns dabei nicht mit einem akademischen oder abstrakten Problem, sondern mit der ganz zentralen Frage, in welcher Stadt wir, unsere Kinder und Enkel in zehn und 20 oder 30 Jahren leben wollen und werden. Insofern sind Aspekte der Wohnungsbaupolitik, der Kultur- und Integrationspolitik genauso betroffen wie die der Sozial- und Familienpolitik. Heute bereits können wir festhalten, dass die Stadt als Wohnort für die Menschen wieder interessanter wird. Wir haben einen positiven Saldo in der Nahwanderung. Der ist zwar noch nicht besonders hoch, aber er ist registrierbar und das ist durchaus bemerkenswert und ein wichtiger Indikator für uns, der uns zeigt, dass unsere Wohnungsbaupolitik stimmt. Wir haben grundlegend umgesteuert: es gibt hochwertige Angebote wie auf der Parkinsel oder am Rheinufer Süd und attraktives Eigentum gerade für junge Familien in schönen Neubaugebieten. Wir vernetzen zunehmend unsere Betreuungsangebote für Kinder, um somit zur noch besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beizutragen. Auch die kurzen Wege zum Arbeitsplatz machen das Wohnen in der Stadt attraktiv. Allein schon an diesem einen Beispiel erkennt man, wie wichtig es ist, einzelne Politikfelder zusammenzuführen und aufeinander abzustimmen.

neue Lu: Auf Ludwigshafen lastet nach wie vor ein großer Spardruck: Wie geht die Stadt damit um und welcher Gestaltungsspielraum bleibt?
Eva Lohse: Wir werden natürlich aber auch weiterhin beim eingeschlagenen Konsolidierungskurs bleiben und das in unserer Macht stehende tun – allerdings wird der Handlungsspielraum immer kleiner. Die Pflichtaufgaben, die wir als Kommune von Gesetzes wegen erfüllen müssen, sind erdrückend. Wir spüren das vor allem im Sozial- und Jugendbereich. Das Grundproblem ist: Einerseits werden auf Landes- und Bundesebene Gesetze beschlossen, die wir vor Ort umsetzen müssen, ohne dabei andererseits für eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen zu sorgen. Daher kämpfen wir nach wie vor für eine grundlegende Gemeindefinanzreform.
Ein weiterer Aspekt ist, dass wir als Oberzentrum natürlich eine enorme Infrastruktur nicht nur für die Stadt selbst, sondern auch für das ganze Umland vorhalten. Man denke nur an die Straßen, die eben regelmäßig instand gesetzt werden müssen, an die Schulen oder Krankenhäuser. Da bleiben – trotz Unterstützung – doch enorme finanzielle Lasten an uns hängen. Wir haben einmal unsere Zuschusssituation mit der Mannheims verglichen, das zum Bundesland Baden-Württemberg gehört. Die Berechnung ergab Bemerkenswertes: Bekäme Ludwigshafen auf die Einwohnerzahl umgerechnet die Förderung durch das Land Rheinland-Pfalz, die Mannheim durch Baden-Württemberg erfährt, müsste Ludwigshafen kein Defizit machen. Insofern müssen wir auch über die Finanzausstattung der großen Städte im Land sprechen.
Bei allem Spardruck, der auf uns lastet, dürfen wir nicht die Zukunft unserer Stadt aus den Augen verlieren. Diese Zukunft liegt in den Menschen, die in ihr leben, sich hier wohlfühlen, sich engagieren und sich mit der Stadt ein Stück weit auch identifizieren. Solche Identifikationspunkte wollen wir schaffen. Deswegen haben wir den Umbau der Innenstadt angepackt, deswegen bauen wir ein neues Stadtquartier am Rhein, deshalb bieten wir hochwertiges Wohnen an, deswegen profilieren wir uns im kulturellen Bereich, deswegen positionieren wir uns in der Metropolregion.

neue Lu: Welche Schwerpunkte setzen Sie 2007?
Eva Lohse: Der Umbau der Innenstadt wird weiterhin eine große Rolle spielen. Sofern alle Verhandlungen abgeschlossen sind, könnte im Spätjahr mit dem Bau des neuen Stadtquartiers am Zollhofhafen begonnen werden. Natürlich werden wir auch die Stadtteile nicht aus den Augen verlieren. Ganz oben auf der Agenda für 2007 stehen die Herausforderungen der demografischen Entwicklung. Hier geht es darum, richtungsweisende Strategien für unsere Stadt zu entwickeln.

neue Lu: Worauf freuen Sie sich besonders?
Eva Lohse: Die Stadt Ludwigshafen wird 2007 wieder Gastgeberin für viele hochkarätige Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen sein. Die III. Festspiele Ludwigshafen oder das Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg sind hier ebenso zu nennen wie die Fortsetzung des Festivals des deutschen Films auf der Parkinsel. Der MLP Marathon Mannheim Rhein-Neckar wird im Frühjahr wieder durch Ludwigshafens Straßen geführt – hoffentlich dann unter besseren Witterungsbedingungen als im vorigen Jahr.

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