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neue lu Januar/Februar 2008

Ehre, wem Ehre gebührt

Stadt verleiht Maximilianstaler und Bürgerschaftsmedaillen

„Ich glaube, es ist ein zutiefst menschlicher Zug, dass man das Leben nicht einfach nur ‘konsumieren’ will, sondern dass man es selber gestalten will. Und ich glaube, es gehört zum Menschen, dass er nicht einfach alleine vor sich hin lebt, sondern dass er die Gemeinschaft mit anderen braucht und sucht, und dass er dann natürlich auch versucht, diese Gemein­schaft zu gestalten. Um nichts anderes geht es letztlich, wenn wir von ehrenamtlichem Enga­ge­ment reden.“

Mit der Verleihung des Maxi­milianstalers und der Bür­ger­schaftsmedaille bedankte sich Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse bei einer feierlichen Veranstaltung am Tag des Ehrenamtes im Stadtratssaal: Dort wurden am 5. Dezember 2007 zwölf Per­sön­lichkeiten geehrt, die sich in hervorragender und in bei­spiel­hafter Weise für das Ge­meinwesen und für die Stadt Ludwigsha­fen engagiert haben. Bis zu diesem Tag war die Bürgerschaftsmedaille seit dem 8. August 1991 bereits 97 Mal verliehen worden. 27 Men­schen tragen den Maximi­lianstaler, dessen erste Ver­leihung am 10. November 1994 stattfand.

Ein weiterer Maximilians­taler ging 2006 an Rudolf Scharpf. Nach ihm benannt ist die Rudolf-Scharpf-Galerie in der Hemshofstraße, die seit 1982 einer der spannendsten Orte für junge Kunst in Lud­wigshafen ist. Rudolf Scharpf hatte am 23. November 1977 mit seiner Heimatstadt Lud­wigshafen einen notariellen Vertrag geschlossen, durch den er drei Etagen seines Elternhauses der Stadt übereignete. Er wollte damit zum einen seinem künstlerischen Lebenswerk in seiner Geburts­stadt ein bleibendes Domizil schaffen und zum anderen der Stadt zu einer Wirkungsstätte für junge Künstler und einem Ort vielfältiger kultureller und künstlerischer Aktivitäten verhelfen. Für die Stadt schuf dies die Möglichkeit, neben den städtischen Kunstsammlungen und dem 1978 gegründeten Wil­helm-Hack-Museum einen weiteren Ort zu etablieren, an dem vor allem junge Kunst gezeigt wird. 1982 wurde die Rudolf-Scharpf-Galerie offiziell eröffnet. Seither werden im Erdgeschoß im Wechsel verschiedene Werke von Rudolf Scharpf aus dem Bestand der Stiftung gezeigt, während der 1. und der 2. Stock für Aus­stellungen anderer Künst­ler zur Verfügung stehen. Rudolf Scharpf wurde 1919 in der Hemshofstraße 54 geboren. Er hat die Freie Akademie in Mann­heim besucht und ist seit 1944 als freischaffender Künst­ler tätig. Der Schwer­punkt seiner Arbeit lag auf den verschiedenen Ausdrucks­möglichkeiten des Holz­schnitts. Seine künstlerische Tätigkeit führte ihn nach Frank­reich, Italien, Spanien, Südafrika, Mexiko und in die USA. Er wurde mit dem Ble­vin-Davis-Preis, dem Pfalz­preis, dem Ströher-Preis und dem Preis der Pfälzer Kunst­freunde ausgezeichnet und war Ehrengast in der Villa Massimo.

Hilde und Werner Bött­cher haben ihr Schicksal gemeinsam gemeistert, und sie haben ihr Engagement für die Parkinson-Kranken in Mann­heim und Ludwigshafen gemeinsam betrieben. Deshalb wurden sie auch gemeinsam mit der Bürgerschaftsmedaille ausgezeichnet. Hilde Böttcher ist die Grün­derin der Regional­gruppe Mannheim/Ludwigs­hafen der Deutschen Parkin­son-Vereinigung. Selbst seit über 35 Jahren an Parkin­son erkrankt, kümmert sie sich seit 25 Jahren unermüdlich um ihre Mitbetroffenen. Ge­mein­sam mit ihrem Ehe­mann erstellt sie regelmäßig Rund­briefe, organisiert die monatlichen Treffen sowie Aus­flüge und Feiern der Vereini­gung. Die Regionalgruppe Mann­­heim/Ludwigshafen hat zur Zeit 186 Mitglieder, die von Hilde und Werner Bött­cher mit großem Einsatz betreut werden. Für ihr En­ga­gement wurde Hilde Bött­cher bereits 1996 mit dem Bundes­verdienst­kreuz ausgezeichnet.

Auch Dr. Oliver Emrich gehört zu den Menschen, die anderen helfen, mit Krankheit und Leiden umzugehen. Dr. Emrich ist seit 1989 Vorsitzen­der der Schmerzkonferenz in Ludwigshafen. Er ist außerdem Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerz­thera­pie, Präsident der Deutschen Akademie für Neuraltherapie und Akupunktur, Vorsitzender der Schmerztherapie­kommis­sion Rheinland-Pfalz und Vor­standsmitglied der GO-LU, der Gesundheitsorganisation Lud­wigshafen, einem Zusammen­schluss von fast 400 Ärzten und Psychotherapeuten in Ludwigshafen und Umgebung.

Else Hambsch kommt aus der evangelischen Frauen­ar­beit, in der sie seit 1970 mitgearbeitet hat. Seither hat sie sich vielfältig engagiert, meist in Projekten und Initiativen zugunsten von Mädchen und Frauen. Sie war Presbyterin in der evangelischen Kirche, hat zwei Freizeitgruppen „Behin­derte Kinder spielen mit ihren Freunden“ geleitet, sich für das Frauenhaus engagiert und im kommunalen Frauen­ar­beits­­kreis mitgearbeitet. Wild­wasser, Notruf Lu, Trau Dich!, Girlassic-Park sind Vereine und Initiativen, in denen Else Hambsch an vorderster Front mitgearbeitet und teilweise schon bei der Gründung mitgewirkt hat.

Beate Kleinau ist Vorsit­zende der Seniorenunion und arbeitet sehr aktiv und engagiert im Seniorenrat der Stadt Ludwigshafen mit. Das ist die überparteiliche Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Interessen der älteren Bürgerinnen und Bür­ger in Ludwigshafen zu vertreten. „Sie gehören zu denjenigen, die der Stimme der Seni­oren in Ludwigshafen Gehör verschaffen, und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig und hilfreich. Sie halten sich dabei meist bescheiden im Hintergrund. Mit der Bür­gerschaftsmedaille wollen wir diesen Einsatz einmal in den Vordergrund rücken und Ih­nen ganz herzlich danken“, würdigte die OB die engagierte „Lobbyistin im besten Sinne des Wortes“ der Seniorinnen und Senioren.

Gert Langkafel ist seit über 25 Jahren Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirche in Edigheim. Seit beinahe zwölf Jahren ist er außerdem Vorsitzender der Be­zirks­synode des Protestanti­schen Kirchenbezirks. Er ist Mitglied des Ausschusses des Deut­schen Evangelischen Kir­chen­tages für die Evangelische Kirche der Pfalz. Neben verschiedenen landeskirchlichen Großveranstaltungen hat er maßgeblich die ökumenischen Kirchentage 2000 und 2007 in der Metropolregion organisiert. „Sie stehen für eine Kir­che, die für die Menschen mit all ihren Sorgen und Nöten offen steht und die ihnen einen geschützten Raum anbietet, in der sie zur Ruhe und zu sich selbst kommen können. Ich glaube, dass wir gerade im Zeitalter der Globalisierung diesen Raum zur Besinnung auf das Wesentliche dringender denn je brauchen“, schloss OB Dr. Lohse ihre Laudatio.

Prof. Paul-Adolf Müller-Naendrup kommt aus der katholischen Jugendbewegung und ist bis heute in der katholischen Kirche Rheingönheim aktiv, wo er auch regelmäßig – und zur großen Freude der Gottesdienstbesucher – die Orgel spielt. Er ist seit 1974 ununterbrochen Mitglied des Ortsbeirats Rheingönheim. 1996 bis 1999 war er außerdem im Stadtrat; seit 1999 ist er bürgerschaftliches Mitglied im Kulturausschuss. Er engagiert sich auch für das Kur­pfälzische Kammeror­ches­ter. Seit 1993 ist er zudem Hono­rarprofessor an der Be­rufs­aka­demie in Mannheim. Im Auf­trag des Vorstandes von ABB hat er in verschiedenen Gre­mien der Bildungsarbeit mitgewirkt. Nach der Wende war er am Aufbau der Berufs­aka­de­mien in Sachsen, Berlin und Thüringen beteiligt. Als junger Mann gehörte er zusammen mit Bernhard Vogel zu denjenigen, die die Anfänge des Hein­rich Pesch Hauses sehr engagiert begleitet haben. 1992 wurde Prof. Müller-Naen­drup mit dem Bundesver­dienst­­kreuz am Bande geehrt.

Ewald Paul ist seit 1983 Vorsitzender der Arbeiter­wohl­fahrt in Maudach. Er organisiert mit gleich gesinnten Frau­en und Männern zahlreiche Veranstaltungen und Tref­fen für die Mitbürgerinnen und Mitbürger. Nach dem Un­glück in Tschernobyl hat er Fahrten mit Spenden für Kin­der in das Krankenhaus Bee­litz bei Berlin organisiert. Seit 1995 hat der Ortsverband der AWO Maudach unter seiner Leitung die Trägerschaft der „offenen Jugendarbeit“ übernommen. Dazu gehören auch drei Gruppen Hausaufgaben­hilfe. Von 1984 bis 2005 war er Mitglied des Ortsbeirats Maudach. Seit seiner Jugend hat er sich außerdem in der Ge­werkschaft Bau-Steine-Er­den und im DGB engagiert. Er war 20 Jahre lang ehrenamtlicher Arbeitsrichter. Beim Ar­beits­amt Ludwigshafen war er längere Zeit Mitglied des Ver­waltungs- und Winterbau­ausschusses. Außerdem war er sechs Jahre lang Vorstandsmit­glied der IKK auf Bundesebene und 16 Jahre lang Mitglied der Vertreterversammlung der LVA Rheinland-Pfalz. 1992 wurde er mit dem Bundesver­dienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Gertrud Schunk hat sich mit insgesamt 60 Pflegejahren in der Pflege alter Menschen verdient gemacht. Seit 1966 pflegt sie in ihrem Haus ältere Menschen. Zurzeit pflegt sie zwei Damen, eine seit 13 Jah­ren und eine seit 16 Jahren; auch ein Ehepaar wurde 17 Jahre lang von ihr gepflegt. „Sie gehören zu den vielen Menschen, deren Engage­ment viel zu wenig gewürdigt wird, weil es außerhalb institutioneller Strukturen und auf rein privater Basis stattfindet. Das ist schade, denn gerade dieser Einsatz im Verborgenen ist nicht hoch genug zu würdigen. Ich kann nur sagen, dass ich vor Ihrer Tätigkeit großen Respekt habe und auch sehr dankbar dafür bin. Denn mit Ihrem selbstlosen Einsatz sorgen Sie mit dafür, dass unsere Stadt eine Stadt mit menschlichem Antlitz ist,“ sagte OB Dr. Lohse und verlieh die Bürger­schafts­medaille an Gertrud Schunk als „ein kleines Zei­chen der Anerken­nung“.

Inge Siegmund ist seit 1982 Mitglied in der Deut­schen Rheumaliga. Sie hat die Arbeitsgemeinschaft in Lud­wigshafen mitbegründet und fungierte dort zunächst als erste Rechnungsprüferin. 1990 übernahm sie zunächst kommissarisch den Vorsitz und wurde 1991 als 1. Vorsitzende gewählt. Da Inge Siegmund erblindete, musste sie auf ärztlichen Rat dieses Amt niederlegen. OB Dr. Lohse betonte bei ihrer Ehrung, dass die Selbst­hilfegruppen wichtig für die Betrof­fenen seien, um Wissen und Erfah­rungen auszutauschen und um sich gegenseitig Mut zu machen: „Vor allem wird in diesen Selbsthilfe­gruppen besonders deutlich, was wohl letztendlich der Ur­sprung von jedwedem ehrenamtlichen Engagement ist: Nämlich nicht darauf warten, dass sich andere oder der Staat um ein Prob­lem kümmern, sondern die Sache selbst in die Hand nehmen und so sich und anderen helfen.“  

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