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neue Lu Januar/Februar 2008

"Neues Gesicht für die Stadt"

Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel vor zweiter Amtszeit

Nur wenige Tage nach seinem 58. Geburtstag beginnt für Beige­ordneten Ernst Merkel am 1. Februar 2008 die zweite Amtszeit. Seit Februar 2000 leitet er das Bau- und Umweltdezernat, zu dem auch der Wirt­schaftsbetrieb gehört. Mit großer Mehrheit wählte ihn der Stadtrat am 2. Juli 2007 für weitere acht Jahre. In seine erste Amtszeit fielen unter anderem der Start der Bebauung am Rheinufer Süd, der Bau des Faktorhauses am Berliner Platz sowie die Lösung der Grund­wasserproblematik in manchen Stadtteilen. Unter seiner Ägide wurde die Städtebaupolitik geändert: weg vom Geschosswohnungsbau - hin zum Ein- und Zweifamilienhaus. Die neue Lu fragte Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel unter anderem wie er Ludwigshafen im Jahr 2016, dem Jahr, in dem seine Amtszeit endet, sieht.

neue Lu: Von den Hochstraßen bis zum Pfalzbau: Es sind in Ihrer Amtszeit viele große Sanierungsprojekte angelaufen. Wie schätzen Sie die Infrastruktur Ludwigshafens ein und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Merkel:  Betrachten wir die Infrastruktur unserer Stadt, nämlich die Straßen, Brücken, Hochstraßen und städtischen Gebäude, dann ist auffällig, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren viel zu wenig in den Substanzerhalt investiert wurde. Und damals hätte Ludwigshafen eher noch das Geld dafür gehabt. Nun müssen wir unter extrem erschwerten Bedingungen, nämlich mit leeren Kassen, diese Mammutaufgabe stemmen. Immerhin wurde in den vergangenen acht bis zehn Jahren bei Schulen, Straßen und Brücken ein erster Teil des Sanierungsstaus abgebaut. Beispiels­weise beim Pfalzbau, Wilhelm-Hack-Museum und Rathaus haben wir umfangreiche Sanierungsmaßnahmen gestartet. Den größten und dringenden Handlungsbedarf sehe ich derzeit in der Sanie­rung der Hochstraße Nord mit einem Gesamtvolumen von 65 Mil­lio­nen Euro. Ich hoffe sehr, den Abschluss dieses Projek­tes noch in meiner zweiten Amtszeit zu erleben.

neue Lu: Ein Blick in die Zukunft: Wie soll die Stadt in acht Jahren aussehen?
Merkel: Ludwigshafen soll sich innerhalb der nächsten Jahre als linksrheinische Einkaufsstadt etabliert haben. Dabei zähle ich sehr auf die Strahlwirkung der neuen „Rhein-Galerie“ am Zoll­hofhafen, wie auch auf die vielfältigen und verzahnten Aufwer-tungsmaßnahmen in der Innenstadt im Rahmen des Stadtum­baus. Ludwigshafen soll zur erlebbaren „Stadt am Rhein“ werden: mit einkaufen, erholen und entspannen an der Rhein­uferpromenade, vielen Freizeit- und Kulturangeboten in der In­nenstadt und natürlich auch hochwertigem Wohnen am Wasser. Bis 2016 sollte das Rheinufer Süd nahezu völlig bebaut sein. Ich hoffe sehr, dass bis dahin auch das neue Energieeffi­zienzquartier realisiert sein wird. Wenn alle Pläne gelingen, wird dies ein neues Vorzeigeprojekt zum kommunalen Klimaschutz „made in Ludwigshafen“ sein.

neue Lu: Sie sind Baudezernent und zeichnen zugleich für die Um­welt verantwortlich. Worauf legen Sie Ihre Schwerpunk­te?
Merkel: Ein Schwerpunkt liegt einerseits auf dem Bausektor mit Sanierungs- und Stadtentwicklungsprojekten, andererseits im Bereich Umwelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Begrünung: für ein Plus an Lebens- und Luftqualität. Das ist auch laut Um­fra­gen den Bürgerinnen und Bür­gern sehr wichtig. Daher werden wir uns weiterhin für mehr Bäume und Grün­berei­che in der Stadt einsetzen und unsere Anstren­gun­gen bei der Grünpflege wenn mög­lich auch erhöhen. Aber neben dem Grün in der Stadt gibt es auch noch viele andere wichtige Umweltthemen, wie den Grund- und Hochwas­serschutz, die Feinstaub­belastung und den Klimaschutz. Hier haben wir in den letzten acht Jahren schon sehr viel Positives erreicht: So kann die Stadtverwaltung jetzt - im Vergleich zum Re­fe­renzjahr 2000 - durch Contracting an Schulen und vielen Ener­gieeffizienz­projekten jedes Jahr 7.500 Tonnen Kohlen­dioxid einsparen. Also werden 20 Prozent weniger emittiert. Unser Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren weitere zehn Pro­zent CO2 zu reduzieren. Wir sind also auch beim Klimaschutz – zusammen mit TWL, GAG und LUWOGE - auf einem guten Weg.

neue Lu: Ob Ebertpark, Wildpark oder Tierheim - viele wichtige Einrichtungen werden von Ehrenamtlichen unterstützt oder getragen. Wie wichtig ist Ihnen dieses Engagement?
Merkel: Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern ginge aufgrund der leeren Kasse vieles nicht mehr in der Stadt. Gerade die Angebote, die unter die „freiwilligen Leis­tungen“ einer Kommune fallen, müssen leider immer mehr aufgrund der Finanzen reduziert werden. Daher bin ich sehr, sehr dankbar, dass sich hier kompetente und engagierte Menschen gefunden haben, die zum Teil in eigener Regie - das Tierheim ist seit dem 1. Januar 2008 in den Händen des Tierheimvereins - zum Teil in sehr enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung im Dienste einer guten Sache wirken. Besonders freue ich mich über die beiden Fördervereine für den Wildpark und den Ebert­park! Hervorheben möchte ich aber auch den unermüdlichen Ein­satz des „Grünen Kreises“ für mehr Grün in der Stadt. Darü­ber hinaus unterstützen viele Menschen als Patinnen und Paten für Bäume, Tiere im Wildpark, Grünflächen und Spiel­plätze mit ihrem persönlichen Engagement unsere Arbeit. Das ist großartig und ich freue mich über jede Patenschaftsurkunde, die ich neu unterschreiben darf.

neue Lu: Welche ist Ihre liebste Baustelle in Ludwigshafen?
Merkel: Die liebste Baustelle ist mir die, die Ludwigshafen in ihrer städtebaulichen Entwicklung kräftig voran bringt. Dazu zähle ich alle Baumaßnahmen im Zuge des Stadtumbaus und des Zoll­hofhafens. Selbst wenn es dabei in der Innenstadt manche Ver­kehrseinschränkungen und Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner geben wird, freue ich mich auf diese Baustellen, weil sie zusammen mit dem Einkaufcenter am Zollhofhafen Ludwigshafen für die nächsten 50 bis 100 Jahre ein neues, und ich hoffe, attraktives Gesicht geben werden.

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