Der im Dezember 2006 gegründete Verein "Tierheim Ludwigshafen" leitet ab Jahresbeginn 2008 das Tierheim an der Wollstraße. Mit der Übergabe der Trägerschaft spart die Stadt Ludwigshafen, die seit 1989 das Heim betrieb, jährlich rund 69.000 Euro. "Unsere Mittel und Wege, die jährlichen Defizite zu minimieren, waren trotz aller Anstrengungen erschöpft", erklärt Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel. Wie die Mitglieder eines Vereins die schwierige Aufgabe, ein Tierheim zu betreiben, stemmen wollen, darüber sprach Ulrike Heinrich mit der Ersten Vorsitzenden, Pia Ternes.
neue Lu: Frau Ternes, wie kam es zu der Idee, der Stadt den Wechsel der Trägerschaft vorzuschlagen oder kam die Stadt auf Sie zu?
Ternes: Die Stadt Ludwigshafen war auf der Suche nach einem privaten Träger für das Tierheim. Die zunehmend angespannte Haushaltslage der Stadt war für uns der Anlass zu prüfen, inwieweit wir das Tierheim privat führen könnten. Wir – alles Leute, die schon seit Jahren im Ludwigshafener Tierheim ehrenamtlich aktiv sind – wollten eine tragfähige Lösung finden, da Tierschutz im Heimtierbereich nicht ausschließlich von der Kommune geleistet werden kann. Letztlich hätten wir unser Angebot in der jetzigen Form aber ohne die finanzielle Rückendeckung durch den Nachlass von Josefine Weimer und einen Betriebskostenzuschuss der Stadt nicht machen können.
neue Lu: Welche Möglichkeiten hat ein Verein im Gegensatz zur Stadt?
Ternes: Wir haben mehr Möglichkeiten Drittmittel und Zuschüsse einzuwerben. Weitere Einnahmen können wir durch Mitgliedsbeiträge und Patenschaften erzielen. Attraktivere - weil in den Abend verschobene - Öffnungszeiten des Tierheims ermöglichen berufstätigen Ehrenamtlichen ein Engagement an Werktagen. Das wiederum hilft uns, die Personal- und Instandhaltungskosten niedriger zu halten.
neue Lu: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen den Verein und was sind ihre Aufgaben?
Ternes: Rund 30 ehrenamtliche Helfer und fünf Mitarbeiter teilen sich die Arbeit im Tierheim. Der größte Teil der Ehrenamtlichen führt Hunde aus. Andere helfen bei der Vermittlung, machen Öffentlichkeitsarbeit und Vereinsverwaltung, organisieren die Tierheimfeste und kümmern sich um die Spendendosen. Die tägliche Routine der Tierpflege, die Vermittlung und die Büroarbeit sind überwiegend Aufgaben der hauptamtlichen Mitarbeiter. Da gehört die Beschäftigung mit den Tieren, wie die Unterstützung bei der Rudelbildung von Hunden, beim Spielen und Trainieren dazu. Am Neujahrstag haben wir den ersten Testlauf für einen „Tag der Ehrenamtlichen im Tierheim“. An diesem Tag stemmen nur freiwillige Helfer den Tierheimbetrieb. Die Mitarbeiter haben dann alle frei. Das soll dem Personal die Möglichkeit geben, Überstunden abzubauen, und für die Freiwilligen ist es eine wichtige Erfahrung, die Verständnis für die nicht immer einfache Situation der Tierheimmitarbeiter wecken kann.
neue Lu: Was packen Sie als erstes an?
Ternes: Renovieren, reparieren, das ehemalige Wohnhaus umgestalten... Die Liste der anstehenden Aufgaben ist lang. Wir haben schon das Büro neu organisiert und die notwendigen Verträge und Versicherungen abgeschlossen. Dringend erforderlich ist außerdem die Einrichtung eines Quarantänebereichs für Hunde.
neue Lu: Mit welchen weiteren Neuerungen dürfen die Bürgerinnen und Bürger und auch die Tiere des Heimes rechnen?
Ternes: Es gibt neue Öffnungszeiten. Das Tierheim ist täglich von 8 bis 18 Uhr mit einer Mittagspause von 12 bis 14 Uhr besetzt. Feste Zeiten für die Vermittlung der Tiere sind freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr. Kindern möchten wir die Möglichkeit bieten, einen Meerschweinchen- oder Kaninchenführerschein zu machen. Die intensive Zusammenarbeit mit Schulen ist für uns ein weiterer wichtiger Baustein, um Tierelend zu vermeiden und die Kinder für die vielfältigen Aufga-ben im Tierschutz zu begeistern. Durch die verlängerte Betreuungszeit ändert sich auch der Tierheimalltag für die Tiere. Bei den Hunden möchten wir verstärkt die Vergesellschaftung im Zwinger und die stundenweise Rudelhaltung im Auslauf einführen. Eine dauerhafte Rudelhaltung ist uns aus baulichen Gründen zurzeit nicht möglich.
neue Lu: Bleiben die Preise stabil?
Ternes: Die Preise für die Unterbringung von Tieren wurden gesenkt. Die Schutz- und Abgabegebühren bleiben unverändert.
neue Lu: Für welche Aufgaben benötigen Sie weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer?
Ternes: Wir suchen noch Tierheimbeauftragte für die Stadtteile Ruchheim, Maudach, Rheingönheim, Mitte - Süd, Nord und Mundenheim. Der Zeitaufwand für dieses Ehrenamt ist mit zirka acht Stunden im Monat recht überschaubar. Die Aufgaben sind: Spendendosen betreuen, Aushänge anbringen, das Tierheim auch mal bei Stadtteilfesten repräsentieren und Besuche bei vom Tierheim vermittelten Tieren machen. Was wir immer suchen, sind Leute, die werktags Hunde ausführen möchten.
neue Lu: Welche Sachspenden werden benötigt?
Ternes: Wir freuen uns über Futter, Decken, Spielzeug und Zubehör für die Tiere. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einer Küche und einem großen Metallarbeitstisch.
Info:
Tierheim Ludwigshafen e.V., Wollstraße 135 b, 67065 Ludwigshafen, Telefon: 0621/553000, Fax: 0621/5398388, Spendenkonto: 19 10 93 582, Sparkasse Vorderpfalz, Bankleitzahl 545 500 10.