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neue Lu Januar/Februar 2008

"Wir setzen auf das Ehrenamt"

Tierheim unter privater Regie spart Stadt Geld - Neue Öffnungszeiten

Der im Dezember 2006 gegründete Verein "Tierheim Ludwigshafen" leitet ab Jahresbeginn 2008 das Tierheim an der Wollstraße. Mit der Übergabe der Trägerschaft spart die Stadt Ludwigshafen, die seit 1989 das Heim betrieb, jährlich rund 69.000 Euro. "Unsere Mittel und Wege, die jährlichen Defizite zu minimieren, waren trotz aller Anstrengungen erschöpft", erklärt Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel. Wie die Mitglieder eines Vereins die schwierige Aufgabe, ein Tierheim zu betreiben, stemmen wollen, darüber sprach Ulrike Heinrich mit der Ersten Vorsitzenden, Pia Ternes.

neue Lu: Frau Ternes, wie kam es zu der Idee, der Stadt den Wechsel der Trägerschaft vorzuschlagen oder kam die Stadt auf Sie zu?
Ternes: Die Stadt Ludwigshafen war auf der Suche nach einem privaten Träger für das Tierheim. Die zunehmend angespannte Haushaltslage der Stadt war für uns der Anlass zu prüfen, inwieweit wir das Tierheim privat führen könnten. Wir – alles Leute, die schon seit Jahren im Ludwigshafener Tierheim ehrenamtlich aktiv sind – wollten eine tragfähige Lö­sung finden, da Tier­schutz im Heimtierbereich nicht ausschließlich von der Kom­mu­ne geleistet werden kann. Letztlich hätten wir unser An­gebot in der jetzigen Form aber ohne die finanzielle Rücken­dec­kung durch den Nachlass von Josefine Weimer und einen Betriebs­kosten­zuschuss der Stadt nicht machen können.

neue Lu: Welche Möglichkeiten hat ein Verein im Gegensatz zur Stadt?
Ternes: Wir haben mehr Möglichkeiten Drittmittel und Zuschüs­se einzuwerben. Weitere Einnahmen können wir durch Mit­glieds­­beiträge und Patenschaften erzielen. Attraktive­­re - weil in den Abend verschobene - Öffnungszeiten des Tierheims ermöglichen berufstätigen Ehrenamtlichen ein Engagement an Werk­ta­gen. Das wiederum hilft uns, die Personal- und Instandhaltungs­kosten niedriger zu halten.

neue Lu: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen den Verein und was sind ihre Aufgaben?
Ternes: Rund 30 ehrenamtliche Helfer und fünf Mitarbeiter teilen sich die Arbeit im Tierheim. Der größte Teil der Ehrenamt­li­chen führt Hunde aus. Andere helfen bei der Vermittlung, machen Öffentlichkeitsarbeit und Vereinsverwaltung, organisieren die Tierheimfeste und kümmern sich um die Spendendosen. Die tägliche Routine der Tierpflege, die Vermittlung und die Büro­arbeit sind überwiegend Aufgaben der hauptamtlichen Mitarbei­ter. Da gehört die Beschäftigung mit den Tieren, wie die Unterstützung bei der Rudelbildung von Hunden, beim Spielen und Trainieren dazu. Am Neujahrstag haben wir den ersten Testlauf für einen „Tag der Ehrenamtlichen im Tierheim“. An diesem Tag stemmen nur freiwillige Helfer den Tierheimbetrieb. Die Mitar­beiter haben dann alle frei. Das soll dem Personal die Möglich­keit geben, Überstunden abzubauen, und für die Freiwilligen ist es eine wichtige Erfahrung, die Ver­ständnis für die nicht immer einfache Situation der Tierheim­mit­arbeiter wecken kann. 

neue Lu: Was packen Sie als erstes an?
Ternes: Renovieren, reparieren, das ehemalige Wohnhaus umgestalten... Die Liste der anstehenden Aufgaben ist lang. Wir haben schon das Büro neu organisiert und die notwendigen Verträge und Versicherungen abgeschlossen. Dringend erforderlich ist außerdem die Einrichtung eines Quarantänebereichs für Hunde. 

neue Lu: Mit welchen weiteren Neuerungen dürfen die Bürge­rinnen und Bürger und auch die Tiere des Heimes rechnen?
Ternes: Es gibt neue Öffnungszeiten. Das Tierheim ist täglich von 8 bis 18 Uhr mit einer Mittags­pause von 12 bis 14 Uhr besetzt. Feste Zeiten für die Vermitt­lung der Tiere sind freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr. Kin­dern möchten wir die Mög­lichkeit bieten, einen Meer­schweinchen- oder Kaninchen­führer­schein zu machen. Die intensive Zu­sam­menarbeit mit Schulen ist für uns ein weiterer wichtiger Baustein, um Tier­elend zu vermeiden und die Kinder für die vielfältigen Auf­ga-ben im Tierschutz zu begeistern. Durch die verlängerte Be­treu­ungs­zeit ändert sich auch der Tierheimall­tag für die Tiere. Bei den Hunden möchten wir verstärkt die Vergesellschaf­tung im Zwinger und die stundenweise Rudelhaltung im Aus­lauf einführen. Eine dauerhafte Rudelhal­tung ist uns aus baulichen Gründen zurzeit nicht möglich.

neue Lu: Bleiben die Preise stabil?
Ternes: Die Preise für die Unterbringung von Tieren wurden gesenkt. Die Schutz- und Abgabegebühren bleiben unverändert.

neue Lu: Für welche Aufgaben benötigen Sie weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer?
Ternes: Wir suchen noch Tierheimbeauftragte für die Stadtteile Ruchheim, Maudach, Rheingönheim, Mitte - Süd, Nord und Mundenheim. Der Zeitaufwand für dieses Ehrenamt ist mit zirka acht Stunden im Monat recht überschaubar. Die Aufgaben sind: Spendendosen betreuen, Aushänge anbringen, das Tierheim auch mal bei Stadtteilfesten repräsentieren und Besuche bei vom Tierheim vermittelten Tieren machen. Was wir immer suchen, sind Leute, die werktags Hunde ausführen möchten.

neue Lu: Welche Sachspenden werden benötigt?
Ternes: Wir freuen uns über Futter, Decken, Spielzeug und Zube­hör für die Tiere. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einer Kü­che und einem großen Metallarbeitstisch.

Info:

Tierheim Ludwigshafen e.V., Wollstraße 135 b, 67065 Ludwigs­hafen, Telefon: 0621/553000, Fax: 0621/5398388, Spendenkonto: 19 10 93 582, Sparkasse Vorderpfalz, Bankleitzahl 545 500 10.

 

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