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Unter dem Thema "Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma" findet anlässlich des Nationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus im Stadtmuseum Ludwigshafen, Rathaus-Center, eine Ausstellung statt. Zur Eröffnung am 27. Januar, 19 Uhr, sprechen Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg sowie Jacques Delfeld, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz im Verband Deutscher Sinti und Roma. Die Veranstaltung wird mit Sinti-Musik umrahmt. In einem Konzert ab 20 Uhr spielen Romeo Franz (Violine) und Unge Schmidt (Gitarre) Musik ihres Volkes. Anita Awosusi liest aus Texten Überlebender.

Die bisher in über 50 Städten der Bundesrepublik gezeigte Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg), die bis zum 15. März 2009 dauert, zeichnet erstmals anhand von konkreten Einzelschicksalen die Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus nach: Die Dokumentation reicht von der stufenweisen Ausgrenzung und Entrechtung im Deutschen Reich bis hin zur systematischen Vernichtung im nationalsozialistisch besetzten Europa. Ziel der Ausstellung ist es, die Ebene der Verfolgung und Entmenschlichung von der Perspektive der persönlich Betroffenen auch gestalterisch abzuheben. Den menschenverachtenden Dokumenten der Täter werden die Berichte der Überlebenden und ihre Familienbilder gegenübergestellt, welche die Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma sichtbar machen. Durch das besondere Spannungsverhältnis dieser beiden Ebenen – Normalität und Alltag der Minderheit einerseits, Terror und Verfolgung andererseits – wird einem Besucher zugleich bewusst, dass sich hinter den abstrakten Dokumenten der bürokratisch organisierten Vernichtung unzählige zerstörte Lebenswege verbergen. Auf 80 Tafeln wird das Schicksal der Sinti und Roma beschrieben: Sinti und Roma als "Fremdrassige", die totale Erfassung durch die "Rassenhygienische Forschungsstelle", die kommunalen Konzentrationslager (KZ), Formen der Ausgrenzung, die Entwicklung des KZ-Systems, die Verfolgung der österreichischen Sinti und Roma, Deportationspläne zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, verfasst vom Reichssicherheitshauptamt, der so genannte Festschreibungserlass 1939 und die "Maideportation" 1940, Sinti und Roma in den Ghettos und KZs im besetzen Polen, Massenerschießungen in der Sowjetunion und in Serbien, Massenerschießungen in Polen, Himmlers Auschwitz-Erlass vom 16. Dezember 1942, der Lagerabschnitt B II im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, medizinische Versuche, die Vernichtung durch Arbeit, das Schicksal der Frauen und Kinder sowie das Kriegsende und die Befreiung der Konzentrationslager. Öffnungszeiten: Dienstag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von 10 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Telefon (0621) 504 2574. Der Eintritt zum Konzert ist frei, um eine Spende wird gebeten.
"Sinti" und "Roma" sind Begriffe aus der Minderheitensprache Romanes. Sie wird von den Familien neben der jeweiligen Landessprache verwendet. "Sinti" bezeichnet die in Mitteleuropa, "Roma" die in Südosteuropa beheimateten Angehörigen der Volksgruppe. Seit dem 14. Jahrhundert leben sie auf deutschsprachigem Gebiet. Die Zahl deutscher Sinti und Roma wird heute auf zirka 80.000 geschätzt, etwa 8.000 wohnen in Rheinland-Pfalz.
- 5. Februar 2009, 19 Uhr:
Vortrag: "Die Verfolgung der Sinti und Roma in der Pfalz während des Dritten Reiches", Jacques Delfeld, Landesverband Rheinland-Pfalz im Verband Deutscher Sinti und Roma. - 12. Februar 2009, 18 Uhr:
Führung durch die Ausstellung mit Anita Awosusi vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Weitere Führungen nach Vereinbarung). - 5. März 2009, 19 Uhr:
Lesung mit Michael Krausnick: "Elses Geschichte". Führungen für Schulklassen nach vorheriger Anmeldung.
Zum Gedenktag am 27. Januar legt Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse um 12 Uhr im Hof der Maxschule, Eingang Schulstraße, einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nieder. Von diesem Schulhof aus wurden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger am 22. Oktober 1940 nach Gurs in Südwestfrankreich deportiert. Die meisten von ihnen starben später in den Vernichtungslagern. Der Gedenktag wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog auf den 27. Januar festgelegt, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg legt um 18.45 Uhr an der Gedenkstele für die Sinti und Roma am Rathaus einen Kranz nieder.
Bis zum 11. Januar 2009 ist auch noch die Ausstellung "Markus Sternlieb: Baumeister von Ludwigshafen" im Stadtmuseum zu sehen.
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