"Der Name von Werner Ludwig war so sehr mit Ludwigshafen verbunden, dass man fast meinen konnte, die Stadt hieße wegen ihm so". Mit diesen Worten beschreibt der langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetags, Manfred Rommel (CDU), die Verdienste seines Kollegen um unsere Stadt. Der Ludwigshafener Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Werner Ludwig vollendet am 27. August 2006 sein 80. Lebensjahr.
28 Jahre lang, vom 1. Juli 1965 bis zum 30. Juni 1993, war Dr. Werner Ludwig Ludwigshafener Oberbürgermeister. In seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Amtszeit entstand das "neue Ludwigshafen mit seiner umgestalteten City, den Fußgängerzonen, dem neuen Pfalzbau, dem Wilhelm-Hack-Museum und dem Rathaus-Center. Die Sanierung des Hemshofs bildete ein herausragendes Beispiel gelungener Städtebaupolitik. Unter Werner Ludwigs Ägide wurde aus der tristen grauen Stadt im Schatten ihrer Fabriken und Schornsteine eine "Stadt im Grünen". Der populäre Oberbürgermeister war Ansprechpartner für alle - für die Wirtschaft ebenso wie für die Gewerkschaften, für die Vereine und Verbände, für jede Bürgerin und für jeden Bürger. Seinen Standpunkt in der Sache vertrat er klar, als Vorsitzender des Stadtrates war er aber immer um den Konsens bemüht. Alle für die Stadt entscheidenden Fragen sind vom Stadtrat mit überwältigenden Mehrheiten in der Ära Ludwig beschlossen worden. Auch 13 Jahre nach seinem Abschied aus dem Amt genießt Werner Ludwig hohes Ansehen bei den Menschen unserer Stadt und der Region.
Politik war Werner Ludwig quasi in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern waren schon früh zur Arbeiterbewegung gestoßen. Sein Vater Adolf Ludwig wurde 1932 in den Bayrischen Landtag gewählt, war nach dem Krieg DGB-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz und Bundestagsabgeordneter. Er musste vor den Nazis fliehen. So verbrachte Werner Ludwig einen Teil seiner Kindheit und Jugend in der Emigration in Frankreich. Dort studierte er auch Rechtswissenschaften. Das gleiche Studium absolvierte er noch einmal in Mainz. Seine berufliche Laufbahn führte ihn über Stationen beim Deutschen Gewerkschaftsbund, die Landesversicherungsanstalt in Speyer nach Ludwigshafen. Hier war er von 1956 bis 1958 Leiter des Ausgleichsamts und Justiziar des Sozialdezernats. 1958 wählte ihn der Stadtrat zum Sozialdezernenten.
Neben Ludwigshafen spielte im politischen Wirken des gebürtigen Pirmasensers die Pfalz eine besondere Rolle. Von 1964 bis 1998 gehörte er dem Bezirkstag Pfalz an. Den Vorsitz hatte er von 1964 bis 1974 und von 1979 bis 1996 inne. So sehr sein Herz für seine Pfälzer Heimat schlug und viele Initiativen des Bezirksverbandes von ihm ausgingen, vernachlässigte er nie den Brückenschlag über den Rhein. Zu den Oberbürgermeistern der Schwesterstadt Mannheim pflegte er gute Beziehungen, vor allem zu Gerhard Widder, mit dem er auf so mancher Sonntagswanderung durch den Pfälzer Wald Absprachen traf.
Zeitzeugen wie der ehemalige SPD-Vorsitzende Dr. Hans-Jochen Vogel und andere haben Werner Ludwig die Befähigung für Ämter auf der Länder- oder Bundesebene bescheinigt. Außer dem zweijährigen Zwischenspiel von 1963 bis 1965 im rheinland-pfälzischen Landtag hat es Werner Ludwig nie von der kommunalen Basis weggezogen. Als langjähriger Vorsitzender des SPD-Bezirks Pfalz (1962 bis 1980) fühlte er sich in besonderer Weise seiner Stadt Ludwigshafen und der Pfalz verpflichtet. Selbst sein einstiger Kontrahent im Ludwigshafener Stadtrat, der Fraktionsvorsitzende der CDU Dr. Helmut Kohl, lobt seine Heimatverbundenheit: "Seine pfälzische Heimat ist - jeder spürt dies - ein wichtiger Bezugspunkt seines Lebens, und die Pfalz verdankt ihm viel", ist im Beitrag des ehemaligen Bundeskanzlers zu dem Buch "Werner Ludwig - zum Abschied aus dem Amt" zu lesen.
Werner Ludwig ist ein Familienmensch. In seiner Familie hat er die Kraft gefunden für seine vielfältigen Aktivitäten im Amt des Oberbürgermeisters und der vielen anderen Führungsfunktionen an der Spitze von Institutionen und Aufsichtsräten. Seine Frau Lucia gab ihm den Rückhalt und die Treffen mit der Familie, den beiden Töchtern, dem Sohn und den Enkelkindern, sind für Werner Ludwig auch heute noch ein besonderes Ereignis. Dabei kommt dann sein musisches Talent zum Vorschein. Zum 80. wird er sich sicherlich gemeinsam mit Frau, Kindern und Enkeln ein "Ständchen" bringen. Werner Ludwig wird dann selbst zur Geige greifen.
Dr. Werner Ludwig war ein ungemein populärer und erfolgreicher Oberbürgermeister. Wenn man mit ihm durch die Stadt ging, wurde er von vielen Menschen angesprochen. Er konnte zuhören, versprach Hilfen und setzte sich für die Menschen ein. Das war "Bürgersprechstunde live". Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte er an der "langen Leine". Ernst Ruppert, über viele Jahre Leiter des Personalamts der Stadt Ludwigshafen, hat das so ausgedrückt: "Er war keine Autorität des Amtes, die sich über die Macht der Hierarchie definiert, sondern ein Chef, der durch sein Vorbild zu überzeugen wusste."
Bürgernähe war über einen langen Zeitraum hinweg ein geflügeltes Wort für politisches Handeln. Werner Ludwig hat sie praktiziert. Sie war das Geheimnis seines Erfolges, von dem die SPD, in die er 1946 eingetreten war, profitiert hat. Mit Werner Ludwigs Abschied aus dem OB-Amt sank der Stern der Ludwigshafener Sozialdemokraten. "Nahe bei den Menschen" ist die Losung des heutigen SPD-Bundesvorsitzenden und rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck. Dr. Werner Ludwig hat sie schon gelebt, lange bevor sie "erfunden" wurde.
Ulrich Gaißmayer
Der Autor ist gelernter Journalist. Er leitete vom 1. Februar 1990 bis 30. Juni 1994 das Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ludwigshafen. Er ist heute Geschäftsführer der LUKOM, Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft mbH.