Mit dem Ende der Spielzeit 2006/2007 geht das Theater im Pfalzbau in eine 16-monatige Sanierungspause. In dieser Zeit wird der Pfalzbau, der das Theater sowie die Tagungsräume der Lukom beherbergt, für rund 25 Millionen Euro saniert. Die Technik wird auf den erforderlichen aktuellen Stand gebracht und die Funktionalität des Hauses grundlegend verbessert. Auch architektonisch erfährt das Gebäude aus dem Jahr 1968 eine erhebliche Aufwertung.
Während der Arbeiten bleibt das Theater als Veranstaltungshaus geschlossen. Eine Spielzeit 2007/2008 wird es daher nicht im gewohnten Umfang geben. Alternative Spielstätten, wie ein großes Zelt, sind zu teuer und aus dem schmalen Theateretat nicht zu bezahlen. Wie es weitergeht mit dem Theater im Pfalzbau und was die aktuelle Entwicklung für die Kultur in der Stadt bedeutet, wollte die neue Lu von Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg wissen.
neue Lu: Frau Prof. Reifenberg, es gab in den vergangenen Wochen eine sehr heftige Diskussion um das Theater im Pfalzbau und dessen Finanzierung. Wie haben Sie das empfunden?
Reifenberg: Es ist richtig, dass es eine Diskussion ums Theater gab, vor allem um die Finanzen. Auch ist richtig, dass es 2005 eine Überschreitung des Budgets gab. Über diese Entwicklung wurden die Gremien frühzeitig informiert. Das Problem ist doch, dass niemand die zu erwartenden Einnahmen aus Eintrittsgeldern bei einer so jungen Veranstaltung wie den Festspielen passgenau voraussagen kann. Das hieße ja, man wüsste bereits heute exakt, wie viele Zuschauer im Herbst ins Theater gehen.
neue Lu: Wie geht es jetzt weiter?
Reifenberg: Da sich bei den Prognosen für 2006 wieder eine ähnliche Überziehung andeutete, haben wir uns gemeinsam im Stadtvorstand für eine Lösung entschieden, die eine – zumal mangels Spielstätte – tatsächlich sehr abgespeckte Spielzeit 2007/2008 vorsieht, an deren Ende aber eine bereinigte Finanzsituation steht. Mit der Wiedereröffnung des dann sanierten Pfalzbaus im Herbst 2008 wollen wir unvorbelastet einen echten kulturellen Paukenschlag zum Auftakt der dann dritten Festspiele Ludwigshafen setzen. Festzuhalten gilt es aber auch: Die 2. Festspiele Ludwigshafen, die jetzt am 21. Oktober beginnen, werden wie geplant und ohne irgendwelche Einschnitte über die Bühne gehen!
neue Lu: Muss während der Sanierungsphase ganz auf Theater verzichtet werden?
Reifenberg: Auch während der Sanierungsphase gibt es viel Arbeit. Selbst wenn wir auf die Festspiele verzichten müssen, soll es doch keine "theaterfreie" Zeit geben. Ich gehe fest davon aus, dass Intendant Hansgünther Heyme schon Ideen im Hinterkopf hat. Wir müssen aber auch politisch sehr ernsthaft darüber diskutieren, welche Kultur sich Ludwigshafen leisten will. Wie steht die Großstadt Ludwigshafen zu ihrem Theater? Diese wirklich grundsätzlichen Fragen kamen bei der Finanzdiskussion der vergangenen Wochen zu kurz. Ich bin der Meinung, dass Theater ein ganz wesentliches Merkmal einer Großstadt ist, weil es Prozesse in Gang setzt, Diskussionen entfacht und mit all seinen ästhetischen Möglichkeiten unseren Horizont weitet für das Schöne, uns sensibilisiert für Problemlagen, für die aktuellen Fragen des Jetzt und Hier. Denken Sie doch einmal an die Festwochen Türkei. Natürlich betreten wir hier Neuland, aber wir müssen solche Schritte wagen, sonst treten wir auf der Stelle. Ich plädiere ganz entschieden für ein solches Theater, wie es Hansgünther Heyme realisiert. Folgerichtig ist, dass wir auch über eine Erhöhung des Theateretats diskutieren müssen.
neue Lu: Für wie realistisch halten Sie das?
Reifenberg: Wir müssen darum kämpfen. Eine Erhöhung des Theateretats meint nicht zwangsläufig eine Erhöhung allein des städtischen Zuschusses. Auch darüber muss man reden. Aber man muss auch schauen, woher wir weitere Unterstützung bekommen. Ich hoffe da sehr auf das Land Rheinland-Pfalz, das auch die Theater in Kaiserslautern und Mainz oder die Nibelungenfestspiele in Worms, die ja nur zwei Wochen im Jahr zu sehen sind, großzügig unterstützt. Ich erhoffe mir hier letztendlich eine Quergerechtigkeit, so dass auch Ludwigshafen, die zweitgrößte Stadt im Land, mit mehr Geld als bisher bedacht wird. Aber natürlich bemühen wir uns darum, noch mehr Sponsorengelder einzuwerben.
neue Lu: Haben Sie nicht Sorge, Abonnenten zu verlieren, wenn Sie im Frühjahr 2007 für 16 Monate schließen?
Reifenberg: Natürlich treibt uns diese Sorge um. Aber wir hatten vor dem Hintergrund der Finanzlage und der Tatsache, dass es keinerlei Zugeständnisse gab, keine andere Wahl. Es macht auch keinen Sinn, Abstriche bei der künstlerischen Qualität in Kauf zu nehmen. Wir bleiben dem hohen künstlerischen Standard, den das Haus unter Hansgünther Heyme ganz zweifelsfrei gewonnen hat, treu und konzentrieren uns mit aller Kraft auf die Wiedereröffnung des Pfalzbaus 2008. Selbstverständlich wird es da auch besondere Anreize für unsere treuen Abonnenten geben.