Verantwortlich für das Angebot ist der Fachdienst Jugendhilfe im Jugendstrafverfahren im JuReLu unter Leitung des Sozialarbeiters Emil Ohliger. Insbesondere im Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch haben straffällig gewordene Jugendliche in den vergangenen Monaten viele Arbeitsstunden eingebracht. Der Holzsteg im Feuchtbiotop, der Besucherinnen und Besuchern dieses für Ludwigshafen einmalige Naturerlebnis erschließt, konnte in Kooperation mit der Interessen- und Fördergemeinschaft Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch, IFLM, von den Jugendlichen saniert werden. Unterstützung hatten sie dabei auch von Mitarbeitern einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter Anleitung von Thomas König vom Bereich Grünflächen und Friedhöfe.
"Wir gehen damit deutlich sichtbar einen neuen Weg in der Jugendstrafrechtspflege. Pädagogischer Hintergrund unserer Maßnahmen ist es, den Jugendlichen zu verdeutlichen, dass sie durch Arbeitsleistungen im öffentlichen Raum der Gesellschaft etwas zurückgeben, um für ihre Straftaten eine Wiedergutmachung zu erbringen", erläuterte Ohliger im Gespräch mit der neuen Lu. Er dankte vor allem vielen ehrenamtlich im Naturschutz tätigen Bürgerinnen und Bürgern, die die zahlreichen Projekte tatkräftig unterstützen. So konnte im März 2007 eine Gruppe Jugendlicher aus dem JuReLu aktiv bei der Pflanzungsaktion im Ebertpark den Ehrenamtlichen helfen.
Lange Tradition hat die Kooperation mit dem Ornithologischen Arbeitskreis unter der Leitung von Franz Stalla. Beispielhaft waren unter anderem die Anlage eines Pflanzstreifens am Schleusenloch in der Pfingstweide und die Schaffung von Totholzinseln als natürlicher Rückzugs- und Brutraum für heimische Vögel. Derzeit bauen die Jugendlichen unter fachlicher Anleitung der Ehrenamtlichen 150 Nistkästen, die im Maudacher Bruch und an anderen Stellen im Stadtgebiet aufgehängt werden.
"Die jungen Menschen erfahren durch die Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaften und Fördervereine oft zum ersten Mal in ihrem Leben Anerkennung und menschliche Zuwendung. Eine Erfahrung, die wesentlich ist, sie zu befähigen, ihr künftiges Leben straffrei zu führen", erklärte Ohliger die besondere Bedeutung der Kooperation. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Jugendhilfe im Strafverfahren nehmen hier ihre Vorbildfunktion deutlich wahr, indem sie aktiv mit den Jugendlichen körperliche Arbeit verrichten. Gleichzeitig können die Jugendlichen bei den Arbeitseinsätzen im persönlichen Zweiergespräch mit den Sozialarbeitern ihre Situation reflektieren. Diese ungewöhnliche Beratungssituation ist oftmals zielführender als die klassische Beratung im Amt", so Ohliger. Durch die gute Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft und Pfälzischem Verein für Straffälligenhilfe im JuReLu nehmen auch Polizeibeamtinnen und -beamte an diesen Aktionen außerhalb der üblichen Arbeitszeit teil.
Ziel sei es, dass junge Menschen erleben, dass sie für ein begangenes Unrecht einstehen müssten, aber nicht ausgegrenzt würden und Hilfestellung auf dem Weg in ein straffreies Leben erhielten.
Erfolg versprechend gestaltet sich diese Arbeit auch im Rahmen eines Kunstprojektes mit der Schule mit dem Förderschwerpunkt motorische Entwicklung am Körperbehindertenzentrum Oggersheim, bei dem unter Anleitung von Ernst Blickensdörfer vom Fachdienst Jugendhilfe im Strafverfahren ein hölzernes Krokodil als Sitzmöglichkeit für Kinder geschaffen wurde. Dies ist der Einstieg in ein längerfristig angelegtes Projekt bei dem straffällig gewordene Jugendliche für körperbehinderte Kinder ein Klassenzimmer im Freien schaffen. Erst kürzlich hat der Soroptimist Club Ludwigshafen für dieses Projekt eine Spende in Höhe von 1.400 Euro an Jugenddezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg übergeben.
Die langjährige gute Zusammenarbeit des Arbeitskreises "Generationentreff im Quartierspark Krongasse" in Mundenheim zeigte sich bei einer Spendenübergabe von 500 Euro in der ornithologischen Beobachtungsstation an Franz Stalla, Hans und Erika Ritthaler und Emil Ohliger. Die ehrenamtlichen Spielplatzpaten aus Mundenheim, die seit vielen Jahren mit dem Fachdienst Jugendhilfe im Jugendstrafverfahren kooperieren, konnten die für den ausgefallenen Adventsmarkt 2006 geplanten Investitionskosten zur Unterstützung der Naturschutzprojekte im Maudacher Bruch sinnvoll weitergeben. mü