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neueLu Juli/August 2009

Start frei für Realschule plus

Neue Schulform löst Haupt- und Realschulen zum Schuljahr 2010/11 ab

Die Schullandschaft in Ludwigshafen wird sich verändern. Die Realschule plus löst auf Beschluss der rheinland-pfälzischen Landesregierung die bisherigen Haupt- und Realschulen ab. In Ludwigshafen wird die Realschule plus mit dem Schuljahr 2010/11 eingeführt. Außerdem entsteht im Stadtteil Edigheim die dritte Integrierte Gesamtschule. Die neue Lu sprach darüber mit Schuldezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg.

Prof. Dr. Cornelia Reifenberg

neue Lu: Die Realschule plus wird zu Beginn des Schuljahres 2010/11 starten. Warum wurde dieser einheitliche und frühe Starttermin gewählt?
Reifenberg: Wir wollen die neue Schulform sinnvoll in das bestehende Schulangebot einfügen. Die Anmeldungen an den Hauptschulen gehen seit Jahren zurück. In diesem Jahr sind die Zahlen regelrecht eingebrochen. Bevor Engpässe bei den Realschulen auftreten und Hauptschulen leer stehen, ist es aus meiner Sicht der einzig sinnvolle Weg, die Reform zeitgleich und schnell zum Schuljahr 2010/11 umzusetzen. Damit haben Eltern und Schülerinnen und Schüler Klarheit über das zukünftige Schulangebot.

neue Lu: Die Einführung der Realschule plus ist eine Entscheidung des Landes. Die Stadt als Schulträgerin ist verpflichtet, die Voraussetzungen für den Start zu schaffen. Wo lagen die besonderen Probleme?
Reifenberg: In der Realschule plus bestehen die Klassen aus 25 statt bisher 30 Schülerinnen und Schülern. Außerdem gibt es für die Realschule plus ein kostenintensives Rahmenraumprogramm des Landes. Dadurch benötigt sie etwa ein Drittel mehr an Schulräumen, als die bisherigen Haupt- und Realschulen. Es war deswegen besonders anspruchsvoll, die räumlichen Gegebenheiten mit diesen Anforderungen in Einklang zu bringen. Wir haben in einem komplexen Prozess die vorhandenen Bauten und die zukünftige Nutzung verglichen und eine möglichst optimale Raumnutzung erstellt. Insgesamt ergibt sich ein Ausbaubedarf von rund 4.800 Quadratmetern an Unterrichts-, Fach- und Funktionsräumen.

neue Lu: Wie wird das in der Praxis umgesetzt?
Reifenberg: Bei den meisten Schulstandorten bestehen Erweiterungs- und Umbaumöglichkeiten. Ein Neubau ist für die Wittelsbachgrundschule erforderlich. Sie soll ausgelagert und in der Nähe, möglichst mit dem in Süd notwendigen Neubau einer Kindertagesstätte, errichtet werden. Die Stadt als Schulträgerin ist mit der vom Land geforderten Dreizügigkeit, ein Zug steht für jeweils eine Klasse je Klassenstufe, wenig glücklich. Wegen dieser Vorgabe ist eine eigenständige Lösung für die bislang zweizügige Wilhelm-Leuschner-Schule nicht machbar. Da aber auch deren Räume für die Realschule plus unbedingt benötigt werden, streben wir eine Lösung mit der Kopernikus-Realschule an. Auch sie wäre ohne Ausbau für eine dreizügige Realschule plus zu klein. An diesen beiden Standorten wird nun eine gemeinsame vierzügige Realschule plus entstehen: der Grundschulzweig sowie die Orientierungsstufe (Klassenstufe 5 und 6) werden in der Leuschner-Schule und die Klassenstufen 7 bis 10 in der Kopernikus-Schule geführt. Die notwendigen Baumaßnahmen an allen Schulen werden sich über mehrere Jahre erstrecken. Wir können so auch auf die tatsächliche Nachfragesituation reagieren.

neue Lu: Es gibt die kooperative und die integrierte Realschule plus. Wo liegt der Unterschied und wo werden die beiden Schulformen realisiert?
Reifenberg: Beide Schulformen führen eine gemeinsame Orientierungsstufe für alle Schülerinnen und Schüler. Im integrativen Modell bleibt der Klassenverband weiter erhalten. Es gibt Kurse zur Leistungsdifferenzierung, wie in einer Integrierten Gesamtschule, die entweder nach neun Schuljahren zur Berufsreife oder nach zehn Schuljahren zur Mittleren Reife führen. Im kooperativen Modell werden ab Klasse 7 abschlussbezogene Klassen gebildet. Die kooperative Schulform soll an der Adolf-Diesterweg-Schule, der Anne-Frank-Schule, Kopernikus-Schule/Wilhelm-Leuschner-Schule und in der Haupt- und Realschule des Schulzentrums Mundenheim umgesetzt werden. Die integrative Realschule plus soll an der Ernst-Reuter-Schule, der Pestalozzischule und der Wittelsbachschule entstehen.

neue Lu: Wie läuft das ab? Was geschieht mit den bisherigen Haupt- und Realschülerinnen und -schülern?
Reifenberg: Der Aufbau erfolgt nach Jahrgängen. Die Realschulen plus beginnen mit der fünften Klasse. Die höheren Klassen werden zwar formal in die neue Schule integriert, aber wie bisher weitergeführt als Haupt- oder Realschulklassen. Für diese Schülerinnen und Schüler ergeben sich keine Veränderungen.

neue Lu: In Edigheim startet 2010/11 auch die dritte Integrierte Gesamtschule. Wo sehen Sie insgesamt die Vorteile der Schulstrukturreform?
Reifenberg: Wir wollen das Schulangebot in unserem Sinn gestalten. Damit können wir unser breit gefächertes Bildungsangebot stärken und den besonderen demografischen und bildungsstrukturellen Herausforderungen gerecht werden. Wir erwarten eine Reihe von Verbesserungen: Es entstehen mehr integrierte Angebote mit durchlässigeren Bildungsebenen. Wir erhalten ein kleinräumig noch weiter verbessertes Angebot mit mehr Standorten, an denen der Erwerb von Berufsreife, Mittlerer Reife und Abitur möglich ist. Damit sprechen wir besonders Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Außerdem ist für Familien mit Kindern ein gutes Schulangebot ein wichtiger Standortfaktor.

neue Lu: Die Einführung der Realschule plus wird voraussichtlich einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern. 60 Prozent dieser Kosten trägt das Land. Trotzdem ein Kraftakt für die Stadt?
Reifenberg: Uns liegen noch keine abschließenden Schätzungen vor, dennoch ist abzusehen, dass die Stadt insgesamt einen Millionenbetrag aufbringen muss, trotz sechzigprozentiger Landesförderung. Dies ist natürlich ein Kraftakt. Ich bin froh, dass der Stadtrat mit großer Mehrheit diese Investitionen mit trägt. Nur Bildung eröffnet der jungen Generation Zukunftschancen und Lebensperspektiven.   mü/ma

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