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neueLu Juli/August 2009

"Wir sind gut aufgestellt"

Dr. Eva Lohse als OB bestätigt - Amtsinhaberin gewinnt im ersten Wahlgang

Dr. Eva Lohse (CDU) bleibt Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen. Die 53-Jährige Verwaltungsjuristin wurde im ersten Wahlgang in ihrem Amt bestätigt. Lohse setzte sich mit 53,7 Prozent gegen ihre Mitbewerber Wolfgang van Vliet (SPD, 37,6 Prozent), Bernhard Wadle-Rohe (unabhängig, 3,1 Prozent) und Udo Thümmel (Rep, 5,6 Prozent) durch. Wir fragten OB Eva Lohse, welche Schwerpunkte sie in den kommenden acht Jahren setzen will und welche Themen ihr besonders am Herzen liegen.

OB Dr. Eva Lohse

neue Lu: Frau Dr. Lohse, "Viel erreicht, noch viel vor", war Ihr Motto im Wahlkampf. Woran wollen Sie anknüpfen?
OB Lohse: Ich bin gebürtige Ludwigshafenerin und daher setze ich mich ganz besonders für meine Heimatstadt ein. Da ich hier groß geworden bin, kenne ich die Stadt in all ihren Facetten, kenne ihre Stärken und ihre Schwächen. Mein Ziel ist es, die Stärken weiter auszubauen und dort gegenzusteuern, wo sich Entwicklungen der letzten Jahrzehnte als nicht förderlich für unsere Stadt erwiesen. Wir haben daher die Wohnungsbau- und Stadtentwicklungspolitik neu ausgerichtet. Wir machen uns stark für Ansiedlungen, die Arbeitsplätze sichern und schaffen. Wir fördern gezielt den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern, haben schöne Neubaugebiete ausgewiesen, können attraktive Wohnlagen direkt in der Innenstadt und in unmittelbarer Nähe zum Rhein anbieten, locken mit attraktiven Angeboten junge Familien in die Stadt. Ludwigshafen soll eine Stadt sein, die Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen ein Zuhause bietet. Gleichzeitig stärkt eine ausgewogene Sozialstruktur die Einnahmesituation der Kommune, die ja im Gegenzug die direkte Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger vorhält.

neue Lu: Dabei ist die Finanzlage Ludwigshafens nicht wirklich rosig. Wo wollen Sie ansetzen?
OB Lohse: Bei der ganzen Diskussion muss man auch immer über den eigenen Tellerrand schauen. Das Finanzproblem, mit dem wir zu kämpfen haben, ist nicht das Problem Ludwigshafens, sondern das vieler großer Städte und vor allem ein Problem der Städte in Rheinland-Pfalz. Hier gibt es keinen unseren Aufgaben angemessenen kommunalen Finanzausgleich. Natürlich freuen wir uns darüber, wenn das Land uns mit Zuschüssen bedenkt. Das will ich auch nicht in Abrede stellen. Aber diese ersetzen keineswegs einen verlässlichen und angemessen interkommunalen Finanzausgleich für oberzentrale Aufgaben wie Schulen, Krankenhäuser, verkehrliche Infrastruktur, Sozialhilfe, Kosten der Unterkunft etc.. Darüber herrscht auch parteiübergreifend Einigkeit und deshalb machen wir uns gemeinsam mit anderen Städten stark für eine neue Regelung. Zum anderen betreiben wir eine aktive Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik, denn gute Wirtschaftspolitik ist gute Sozialpolitik, da sie Arbeitsplätze schafft und Beschäftigung sichert. Wir können allein nicht die Folgen der globalen Finanzkrise schultern, aber wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten gute Voraussetzungen für Ansiedlungen schaffen. Die Ansiedlung von ECE und Vögele sind dafür beste Beispiele. Gleichzeitig wollen wir als Stadt attraktiv sein für Menschen, die hier einkaufen und leben. Hier schließt sich auch der Kreis zur Wohnungsbaupolitik.

neue Lu: Ludwigshafen will gerade junge Familien ansprechen. Die Wohnungsbaupolitik ist das eine, das andere sicher die Bildungs- und Jugendpolitik. Wohin wollen Sie da steuern?
OB Lohse: Als OB setze ich mich für eine starke Familienförderung und ein zukunftsweisendes kommunales Bildungsprogramm ein. Mit der in meiner ersten Amtszeit vollzogenen Umstrukturierung der Dezernate haben wir die Weichen dafür gestellt, die komplexen Lebenslagen "Kind sein" und "Erwachsen werden" im Verwaltungshandeln zusammen zu führen und auch zusammen zu sehen. Dabei legen wir höchsten Wert auf Bildung: Bildung – und zwar in allen Bereichen – macht stark und unabhängig. Für uns als Großstadt ist es unumgänglich, ein differenziertes Bildungs- und Betreuungswesen vorzuhalten, das unterschiedlichen Familienentwürfen gerecht wird. Als Oberzentrum brauchen wir ein ausgewogenes und bedarfsorientiertes schulisches Angebot mit familienfreundlichen Betreuungsmöglichkeiten. Weil wir den Kindern unserer Stadt gute Chancen von Anfang an bieten wollen, bauen wir – angefangen bei den Kindertagesstätten – unser Betreuungsangebot in Ludwigshafen konsequent aus. Mit unserer Bildungsplanung 2013 sind die Weichen gestellt. Wir wollen nicht einfach nur auf Entwicklungen reagieren, sondern Veränderungen, die unsere Gesellschaft erlebt, möglichst antizipieren und aktiv begegnen. Wir wissen um die demografischen, sozial-, bildungs- und integrationspolitischen Fragen, auf die alle Städte in den kommenden Jahren Antworten geben müssen, wenn sie sich auch weiter positiv entwickeln wollen. In Ludwigshafen sind wir gut aufgestellt.

neue Lu: Ihr erklärtes Ziel ist es, Ludwigshafens Position als attraktive Stadt für Menschen und Unternehmen auszubauen. Eine solche Anziehungskraft muss erarbeitet werden und ist eine ständige Herausforderung. Wie soll sich Ludwigshafen präsentieren?
OB Lohse: Wir werben unermüdlich für den Standort Ludwigshafen auf ganz unterschiedliche Weise. Sei es direkt auf internationalen Messen, die sich an die Wirtschaft und Immobilienbranche richten, sei es aber auch direkt vor Ort beispielsweise durch ein ansprechendes kulturelles Angebot, das Menschen aus der ganzen Region nach Ludwigshafen lockt. Die Festspiele Ludwigshafen von Hansgünther Heyme, das Wilhelm-Hack-Museum mit dem jungen Team um Reinhard Spieler oder das Festival des deutschen Films sind echte Magnete. Solche Angebote sowie das Stadtfest, der Kultursommer, die privaten und Vereinsinitiativen, das Engagement der Sportvereine und die sportlichen Großereignisse sorgen für eine positive Wahrnehmung Ludwigshafens in einer breiten Öffentlichkeit. Ludwigshafen wird als gute Adresse dargestellt, das ist sehr wichtig. Wir stehen in einem Wettbewerb mit anderen Städten und Regionen. Daher müssen wir unsere Stärken betonen und uns profilieren.   ska

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