Ende der sechziger Jahre schlossen die GAG-Häuser und das Moschhochhaus in der Karlsbader- beziehungsweise Kallstadter Straße das Baugebiet im Norden und im Nordwesten ab. Heute leben 3.889 Einwohnerinnen und Einwohner in 1.753 Wohnungen beziehungsweise in 770 Gebäuden zum Teil schon in der vierten Generation. Ihre Großeltern erinnern sich noch an die Anfangszeit: Auf den Lehmstraßen bildeten sich Pfützen, Kanäle wurden erst Mitte der sechziger Jahre gebaut, zuvor behalf man sich mit Jauche- und Sickergruben, der Müll wurde zu Kompost verarbeit oder im Garten verbrannt, Kinder erreichten ihre Schule in Hochfeld erst nach einem längeren Fußweg, es gab keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Busverbindung, keine Post und zur Kirche ging's in die Hochfeldsiedlung. Aber es gab einen 600 bis gar 1.000 Quadratmeter großen Garten und damit Äpfel, Birnen, Mirabellen, Zwetschgen, Kirschen, Stachel-, Johannis- und Erdbeeren. Zur Erntezeit war die ganze Familie im Einsatz, da wurde Marmelade gekocht, Obst zu Saft verarbeitet, Birnen und Sauerkraut eingelegt, Äpfel, Karotten und Kartoffeln im Keller gelagert.
Samstags war Bade- und Waschtag, sonntags gab's ein frisches Ei zum Frühstück und nachmittags stand je nach Saison ein Quetschekuchen oder Streuselkuchen auf dem Tisch, dazu Muckefuck für die Großen und ein Glas Milch für die Kleinen. Zu Festtagen wurde ein Huhn aus dem Stall geholt, gerupft und köstlich zubereitet.
Ansonsten lebte man bescheiden in der "Randsiedlung", erduldete im Jahre 1934 die Umbenennung in Adolf-Hitler-Siedlung und war froh, als sie 1945 den Namen „Niederfeldsiedlung” bekam. Heute ist der nördliche Teil der Gartenstadt ein begehrter Wohnort und die Anwohnerinnen und Anwohner schätzen die Ruhe und die Nähe zum "Bruch" und zur Großen Blies. rik
Literatur: Thomas Breier, "Eine Stadt wird gebaut", 1994; Reinhold Müller "Gartenstadt", 1989.