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neueLu März/April 2007

Siedler urbanisieren Schwemmland

Vor 75 Jahren entstand die Niederfeldsiedlung

In der Hoffnung in einem der Industriebetriebe ihr Brot verdienen zu können, zog es in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts unzählige Arbeiter nach Ludwigshafen. Bald zählten die Stadtväter über 8.000 Wohnungssuchende, die sozialen Probleme wurden immer größer, gerade im Hemshof, wo viele auf engstem Raum zusammenrückten. Um die Wohnungsnot, die sich durch die Weltwirtschaftskrise noch verstärkte, einzudämmen, gab die Stadt für Arbeitslose und Kinderreiche ein ehemaliges Schwemmland des Rheines zwischen der Blies und dem Maudacher Bruch zur Bebauung frei - dies war die Geburtsstunde der Niederfeldsiedlung.

Auf dem 143 Hektar großen Gelände wurden auf bis zu 500 Meter langen, gerade mal mit Lehm befestigten, parallel verlaufenden Straßen einstöckige Doppelhäuser mit steilen Satteldächern in genossenschaftlicher Selbsthilfe errichtet. Mehrere Familien bauten hierbei gemeinschaftlich Häuser gleichen Typs mit einer Grundfläche von 40 bis 50 Quadratmetern Wohnfläche und einem angrenzenden Stall für Kleintierhaltung. Hernach wurden sie unter den mitwirkenden Arbeitern zugelost. Für die Grundstücke wurde ein Erbpachtzins vereinbart.
Im Frühjahr 1932 erfolgte der erste Spatenstich in der heutigen Schreberstraße. Bis 1938 füllten sich nach dieser Methode bis auf den östlichen Teil der Fuggerstraße, wo sich private Bauherren niederließen, die Schreber-, Damaschke-, Wissmann-, Lüderitz-, Nachtigal-, Peters-, Siebenbürgen-, Zipser- und Batschkastraße mit insgesamt 450 Häusern. 28 davon waren 1937 in der Zipser- und Batschkastraße von der GAG erbaut worden. Zwischen 1949 und 1954 entstanden auf dem Gelände zwischen Nachtigal- und Batschkastraße östlich der Niederfeldstraße, das der katholischen Kirche gehörte, im Rahmen der "Siedlervereinigung Junges Volk" 80 zweistöckige Häuser.

Ende der sechziger Jahre schlossen die GAG-Häuser und das Moschhochhaus in der Karlsbader- beziehungsweise Kallstadter Straße das Baugebiet im Norden und im Nordwesten ab. Heute leben 3.889 Einwohnerinnen und Einwohner in 1.753 Wohnungen beziehungsweise in 770 Gebäuden zum Teil schon in der vierten Generation. Ihre Großeltern erinnern sich noch an die Anfangszeit: Auf den Lehmstraßen bildeten sich Pfützen, Kanäle wurden erst Mitte der sechziger Jahre gebaut, zuvor behalf man sich mit Jauche- und Sickergruben, der Müll wurde zu Kompost verarbeit oder im Garten verbrannt, Kinder erreichten ihre Schule in Hochfeld erst nach einem längeren Fußweg, es gab keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Busverbindung, keine Post und zur Kirche ging's in die Hochfeldsiedlung. Aber es gab einen 600 bis gar 1.000 Quadratmeter großen Garten und damit Äpfel, Birnen, Mirabellen, Zwetschgen, Kirschen, Stachel-, Johannis- und Erdbeeren. Zur Erntezeit war die ganze Familie im Einsatz, da wurde Marmelade gekocht, Obst zu Saft verarbeitet, Birnen und Sauerkraut eingelegt, Äpfel, Karotten und Kartoffeln im Keller gelagert.
Samstags war Bade- und Waschtag, sonntags gab's ein frisches Ei zum Frühstück und nachmittags stand je nach Saison ein Quetschekuchen oder Streuselkuchen auf dem Tisch, dazu Muckefuck für die Großen und ein Glas Milch für die Kleinen. Zu Festtagen wurde ein Huhn aus dem Stall geholt, gerupft und köstlich zubereitet.
Ansonsten lebte man bescheiden in der "Randsiedlung", erduldete im Jahre 1934 die Umbenennung in Adolf-Hitler-Siedlung und war froh, als sie 1945 den Namen „Niederfeldsiedlung” bekam. Heute ist der nördliche Teil der Gartenstadt ein begehrter Wohnort und die Anwohnerinnen und Anwohner schätzen die Ruhe und die Nähe zum "Bruch" und zur Großen Blies. rik
Literatur: Thomas Breier, "Eine Stadt wird gebaut", 1994; Reinhold Müller "Gartenstadt", 1989.

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