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neueLu März/April 2009

"Eltern können auf Hilfe zählen"

Babykorb und frühe Hilfen unterstützen Familien von Anfang an

Frühe Hilfen für Kinder und ihre Eltern bieten seit mehreren Jahren das Stadtjugendamt und das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus an. "Guter Start ins Kinderleben" und der Babykorb am St. Marienkrankenhaus sollen unter anderem dazu beitragen, dass in der Stadt alle Kinder von Anfang an so gut wie möglich betreut werden.

Die Lage des Babykorbs

"Jährlich werden nach offiziellen Angaben mehr als 40 Babys in Deutschland ausgesetzt, da ihre Mütter keinen anderen Ausweg sehen. Betroffene Mütter befinden sich in einer Ausnahmesituation, oft stehen sie auch unter äußerem Druck oder unterliegen besonderen Zwängen, und neigen in dieser schwierigen Zeit zu Kurzschlusshandlungen. Die Hälfte dieser Kinder stirbt", berichtet Jürgen May, stellvertretender Leiter des Jugendamtes der neuen Lu.
Um Frauen in verzweifelten Situationen eine Möglichkeit zu geben, ihr neugeborenes Kind sicher und anonym abzugeben und so sein Leben zu schützen, wurde in Ludwigshafen am 21. November 2001 von der Stiftung für Mutter und Kind des Bistums Speyer ein Babykorb eingerichtet, einer von insgesamt sieben in Rheinland-Pfalz. Versteckt, aber gut ausgeschildert, ist er an einem Seitengebäude des St. Marienkrankenhauses in der Gartenstadt angebracht. Dreimal wurden bisher Kinder im Babykorb gefunden. Die Verknüpfung mit dem Krankenhaus und besonders die Nähe der Früh- und Neugeborenenintensivstation, auf der sich auch der Überwachungsmonitor für das Innere des Babykorbes befindet, bietet eine professionelle Betreuung des Babykorbes und sofortige medizinische Versorgung des Kindes. Träger des Babykorbes ist die St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH Ludwigshafen, die auch Träger des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses Ludwigs-hafen ist. Besonders wichtig für die ständige Funktionsbereitschaft der hochsensiblen technischen Ausrüstung ist die regelmäßige Wartung. Für die Sicherheit der Kinder ist darüber hinaus eine Überwachungsanlage des Inneren eingerichtet.
Nach der sofortigen Versorgung des Kindes durch das Personal der Früh- und Neugeborenenintensivstation und der Kinderklinik, wird das Kind in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt betreut. Ist der Säugling krank, wird er in der Kinderklinik St. Annastift versorgt. Ein gesunder Säugling wird in einer Bereitschaftspflegefamilie aufgenommen. Sein Wohlergehen hat oberste Priorität. Die Vormundschaft obliegt dem Jugendamt der Stadt. "Wenn sich eine Mutter, die ihr Kind in den Babykorb gelegt hat, bei uns meldet, werden wir sehr sorgfältig prüfen, welche Hilfen sie braucht, und sie im Einzelfall auch gemeinsam mit ihrem Kind betreuen. Oberstes Ziel ist das Wohl des Kindes", so Siegfried Böhn, Leiter des Jugendamtes. Alle drei im Ludwigshafener Babykorb gefundenen Kinder wurden von Ludwigshafener Eltern adoptiert.
Damit Mütter erst gar nicht in die Situation kommen, ihr Kind nach der Geburt einem Babykorb anzuvertrauen, haben Stadt und St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus am bundesweiten Modellprojekt "Guter Start ins Kinderleben" teilgenommen. Möglichst vor der Geburt besprechen besonders geschulte Ärztinnen und Familienhebammen des St. Marienkrankenhauses mit den werdenden Eltern, ob und inwieweit sie Hilfen benötigen. In einem Netzwerk "Kindeswohl" werden im Einzelfall Beratung aber auch konkrete Unterstützung zum Beispiel bei der Suche nach einer größeren Wohnung oder einem Kindergartenplatz angeboten. "Im Jahr 2008 haben wir 1.375 Geburten im St. Marienkrankenhaus gezählt. In rund sieben Prozent der Fälle haben wir gemeinsam mit dem Jugendamt weitergehende Hilfen angeboten oder Beratungsgespräche organisiert. Gerade die schnelle und abgestimmte Reaktion zeigt den Familien, dass sie auf unsere Hilfe zählen können", erläutert Dr. Barbara Filsinger, Chefärztin des Perinatalzentrums am St. Marienkrankenhaus.
Besonders hilfreich, so Barbara Filsinger, sei der Fachdienst "Guter Start ins Kinderleben", den die Stadt mit zwei Mitarbeiterinnen eingerichtet habe. Dieser Fachdienst koordiniert unter anderem die Hilfeangebote auch mit auswärtigen Jugendämtern, rund ein Viertel der Angebote richten sich an Familien, die nicht in Ludwigshafen wohnen. Die Modellphase von "Guter Start ins Kinderleben" endete am 31. Dezember 2008. Nachdem die weitere Finanzierung des Projektes über Leistungen der Krankenkassen noch nicht geklärt ist, haben sich die Stadt und das St. Marienkrankenhaus bereit erklärt, die Zwischenfinanzierung für 2009 sicherzustellen. "Wir wollen nicht, dass das Kindeswohl eine Worthülse bleibt, sondern aktiv dazu beitragen, Kindern in Ludwigshafen gute Lebensbedingungen zu schaffen. Der ‚Gute Start ins Kinderleben’ ist ein wichtiger Baustein auf diesem Weg", so Jugenddezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg.   hein/mü

Info:

Ansprechpartner für Eltern sind Maria Beck, Telefon 504-3653, und Traudel Schwamm-Bäppler, Telefon 504-3652, vom Fachdienst "Guter Start ins Kinderleben" der Stadt und Dr. Barbara Filsinger, Telefon 5501-2737, und Dorothee Conrad, Telefon 5501-3627, vom St. Marienkrankenhaus. Beratungen sind auch anonym möglich.

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