|
Umwelt-Info: Es piept und zwitschert
Einheimische Vogelarten stehen im Stadtvogeljahr 2009 im Mittelpunkt
Die Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein, ORBEA, und der Bereich Umwelt der Stadt machen 2009 mit dem Jahr der Stadtvögel auf die gefiederten Bewohner der Stadt aufmerksam. In diesem Umwelt-Info stellt die neue Lu die zehn häufigsten Vogelarten vor und erläutert, wie ihre Lebensbedingungen in der Stadt verbessert werden können. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können außerdem bei der Wahl des Stadtvogels 2009 mitmachen und interessante Preise gewinnen.
Vögel sind für viele Menschen ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der erlebten Natur. Ihr Gesang im Frühjahr, ihr munteres Treiben am winterlichen Futterplatz und ihre Bedeutung als Schädlingsvertilger im Naturhaushalt sind nur einige Gründe, weshalb die Tiere und ihre Lebensräume schützenswert sind. In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl der Vögel reduziert. Auch in Ludwigshafen ist der Vogelbestand nach Erhebungen der ORBEA zurückgegangen. Das deckt sich in etwa mit dem Trend für Deutschland, den das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgemacht hat. Demnach ist der Bestand der meisten Arten zurückgegangen, im Einzelfall um bis zu 40 Prozent. Insgesamt wurden seit 1960 durch die Vogelkundler der Volkshochschule Ludwigshafen, die die Vogelwelt der Stadt weitgehend erforscht und dokumentiert haben, 153 Vogelarten registriert. Die zehn häufigsten Ludwigshafener Vogelarten sind Amsel, Buchfink, Kohlmeise, Star, Blaumeise, Rabenkrähe, Ringeltaube, Stieglitz, Haussperling und Grünling.
Man findet aber auch "Neubürger" wie die Graugans, die Kanadagans, die Nilgans und in neuerer Zeit den Halsbandsittich. Die Gründe für den Rückgang heimischer Vogelarten und den Zuzug neuer Arten sind vielfältig: In den 80er-Jahren führte häufig die Flurbereinigung zu einem Rückgang der Arten. Heute gehören die fortschreitende Einschränkung der ursprünglichen Lebensräume durch Gewerbe, Wohnen und Verkehr, die ausgedehntere Freizeitnutzung von Naturflächen und die damit verbundenen Störungen zu den Hauptgründen. Insbesondere Bewohner von anspruchsvollen Lebensräumen wie Feuchtgebiete, Magerrasen und Feldern sind hier besonders bedroht. Vor allem Zugvögel leiden außerdem unter einer Verschlechterung der Bedingungen in ihren Überwinterungsgebieten, meist südlich des Äquators durch die Umwandlung von naturnahen Gebieten in Kulturland.
Vögel werden insbesondere im Mittelmeerraum noch immer direkt verfolgt, um letztlich im Kochtopf oder als Trophäe zu enden. Daneben verändern sich auch die Lebensbedingungen bei uns, ihren angestammten Brutgebieten, derart, dass einige früher häufige Arten wie Nachtigall, Grasmücken und Laubsänger zunehmend seltener werden. Andere Arten wie die Amsel ziehen so gut wie gar nicht mehr im Winter fort und sind zu ganzjährigen Stadtvögeln geworden. Die Konkurrenz durch zugewanderte Arten stellt ein weiteres Problem für die einheimischen Vögel dar. So konkurrieren beispielsweise Vogelarten mit ähnlichen Ansprüchen um die Nistplätze. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Lebensbedingungen der Stadtvögel in Ludwigshafen zu verbessern.
Naturnahe Gärten bieten Schutz
Je störungsfreier der Lebensraum, desto eher besteht die Chance, dass sich Bodenbrüter wie Rotkehlchen, Laubsänger oder Grasmücken, Baum- und Buschbrüter, wie Amsel, Singdrossel, Buchfink, Grünling, Stieglitz oder Girlitz, und Höhlenbrüter, dies sind beispielsweise Meisen, Star und Sperlinge, auch in der Stadt ansiedeln. Naturnahe, artenreiche, strukturreiche Gärten sind reichgedeckte Tische und bieten Nahrung, Deckung, Schlaf- und Nistmöglichkeiten.
Lebensräume sind Wiesen, einheimische nahrungsspendende Sträucher und Beerengehölze, Hecken, Bäume und bodendeckende einheimische Pflanzen. Wenn möglich, sollten auf Wiesen Fruchtstände und Gräser stehen bleiben.
Geeignete Bäume und Heckenpflanzen sind zum Beispiel Vogelbeere, Feldahorn, Hainbuche, Mehlbeere, Weißdorn, Salweide, Speierling, Holzapfel, Schwarzer Holunder und Traubenkirsche. Reisighaufen und Totholz sollten im Garten belassen werden. Abgestorbene Baumstämme bieten wertvolle Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter wie Baumläufer, Spechte und Meisen. Auch bei Häusern ohne Gärten lässt sich an Fassaden Lebensraum schaffen, etwa durch die Pflanzung von Efeu, Kletterrosen oder wildem Wein, in denen dann Amseln und weitere Vogelarten brüten können. Zum Trinken und Baden brauchen Vögel flache Wasserstellen oder Teiche mit flacher Uferzone. Sandige Stellen werden gerne zur Gefiederpflege angenommen, Lehmpfützen zum Nestbau für Schwalben. Einfluglöcher am Gebäude können weitere Arten anlocken.
Nistkästen beenden Wohnungsnot
Viele der einheimischen Vogelarten sind Höhlenbrüter. Sie nisten in Baumhöhlen, unter Dachpfannen und in Mauernischen von Häusern, finden aber zunehmend weniger Nistgelegenheiten. Mit künstlichen Nisthilfen kann man die Wohnungsnot mindern. Jede Art hat dabei andere Wohnungsansprüche. Der Innenraum der künstlichen Nisthilfe sollte mindestens zwölf Zentimeter im Kreis oder Quadrat groß sein. Das Einflugloch für die kleinen Höhlenbrüter wie Meisen, Kleiber, Trauerschnäpper, Feldsperling und Gartenrotschwanz, sollte 32, für Stare 45 Millimeter groß sein. Die im Handel befindlichen Nistkästen aus Holzbeton haben sich dank ihrer isolierenden Eigenschaften bewährt. Kunststoffkästen sind ungeeignet, da sie zu glatt sind und nicht isolierend wirken. Zum Selberbauen eignet sich sägeraues unbehandeltes Holz.
Bauanleitungen gibt es bei Naturschutzgruppen und im Buchhandel.Nistkästen und Futterhäuschen sind zum Beispiel in Baumärkten, Gartencentern und im Wildpark Rheingönheim erhältlich. Gerne angenommen werden störungsfreie Stellen an Haus- und Garagenwänden oder an Bäumen. Die Nistkästen sollten auf der südöstlichen, der Wetter abgewandten Seite, hängen.
Im Spätherbst ab Mitte Oktober, spätestens aber vor der nächsten Brutsaison Anfang März, sollten die Nistkästen gründlich ausgefegt werden, dann kann die Nisthöhle im Winter auch als Schlafplatz genutzt werden. Ein Abstand von künstlichen Nisthilfen von zehn mal zehn Metern empfiehlt sich, so dass sich Vögel der gleichen Art nicht bei der Futtersuche und beim Brutgeschäft stören.
Richtiges Füttern ist wichtig
Auch die sachgemäße Fütterung gilt als wichtiger Beitrag zum Vogelschutz. Diese Aussage ist aber nicht völlig unumstritten: Einerseits machen es immer mildere Winter zunehmend überflüssig den Vögeln helfen zu müssen. Andererseits stellt die Vogelfütterung gerade für Kinder in Großstädten eine der wenigen Möglichkeiten dar, auf Vogel- und Naturschutz aufmerksam zu werden. Wichtig ist, dass nur artgerechtes Vogelfutter verwendet wird. Zu beachten sind auch die Ernährungsgewohnheiten der Arten und die Futterzusammensetzung. Die unterschiedliche Ernährungsart ist an der Schnabelform erkennbar. Weichfresser (Insekten- und Würmerfresser) haben spitzere Schnäbel als Samenfresser, die robustere Schnäbel aufweisen. Samenfresser knacken Nüsse, Kerne oder Sämereien. So haben ein Rotkehlchen, oder eine Amsel im Gegensatz zu einem Grünling einen zarteren, spitzen Schnabel und nehmen aus diesem Grunde lieber weiches Futter, meist vom Boden, auf. Dieses Futter lässt sich einfach selbst herstellen, in dem gutes Speiseöl heiß über Haferflocken gegossen wird. Nach wenigen Stunden ist das Futter verzehrfertig. Wer will, kann noch getrocknete Wildbeeren dazugeben. Amseln picken gerne Äpfel. Für Vögel, die sich eher am Boden aufhalten, kann Weichfutter auch auf einem trockenen Platz auf dem Boden gefüttert werden. Es sollten nur solche Futterhäuschen gewählt werden, die für alle Arten geeignet sind. Kriterien sind zum Beispiel freie Sicht nach vorne mit Anflug- und Sitzmöglichkeit oder der Schutz vor Schnee und Regen.
Manche nachfüllbare Futterautomaten bieten nicht allen Arten diese Möglichkeiten. Wichtig ist außerdem, dass frisches Futter verwendet wird. Bei Meisenknödeln sollte auf das Verfallsdatum geachtet werden. Hilfreich ist es auch, wenn die Futterstellen nach Bedarf mit heißem Wasser gereinigt werden. Die Gewöhnung an die Futterstelle sollte vor dem ersten Frost erfolgen. Die Futterstelle sollte immer gefüllt sein, denn gerade morgens brauchen die Vögel nach einer kalten Nacht besonders viel Energie. Im Sommer aber auch im Winter brauchen die Tiere frisches Wasser in flachen Wassertränken zum Baden und Trinken. Im beginnenden Frühjahr sollte die Fütterung langsam beendet, eventuelle Wetterrückschläge aber eingeplant werden. Spätestens, wenn die Vögel mit dem Nestbau beginnen, sollte die Fütterung eingestellt werden, sonst besteht die Gefahr, dass die Altvögel Körner an die Jungvögel verfüttern und diese dann sterben.
Beobachten statt stören
Hecken sollten möglichst nur zwischen Oktober und Februar geschnitten werden, um Vögel nicht zu stören und ihnen nicht die Deckung zu nehmen. Störungen, vor allem während der Brutzeit, verhindern eine gute Aufzucht der Jungtiere.
Glasscheiben können zu Todesfallen werden
Verglaste Fassaden, große Scheiben und Glasflächen, Wartehäuschen an Bus- und Bahnhaltestellen und verglaste durchsichtige Lärmschutzwände können tödliche Fallen für Vögel sein. Jährlich sterben hunderttausende von Vögeln in Deutschland auf diese Weise. Vögel erkennen keine durchsichtigen Hindernisse. Spiegelt sich ein Baum oder Busch also in einer Glasfront, fliegen sie auf den vermeintlichen Baum zu und prallen gegen die spiegelnde Fläche. Wenn die Tiere dabei keinen schnellen Tod durch Genickbruch erleiden, verenden sie am Boden liegend mit gebrochenen Flügeln und inneren Verletzungen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu verhindern. Vögel sind "Augentiere", das heißt, ihr Sehsinn ist ausgeprägt. Vögel erkennen Bewegungen, Formen und Farben. Wenn Scheiben für den Vogel sichtbar gemacht werden, signalisieren sie ein "Hindernis". Eine einfache Methode ist es, eine helle Gardine oder Jalousie vorzuziehen. Auch die Verwendung von Milchglasscheibenfolien oder geriffeltgestreiften hellen Strukturfolien kann helfen. Bewährt hat es sich auch, Pflanzen außen auf das Fensterbrett zu stellen und vom Rolladenkasten herabhängende, vom Wind bewegte Dekoartikel, Windspiele oder Stanniolstreifen anzubringen. Bei großen Fenstern und Glasfronten sollten solche "Hindernisse" im Abstand von 80 Zentimetern platziert werden, weil die Vögel sonst versuchen könnten, hindurchzufliegen. Auch Scheibenaufkleber aller Art können verwendet werden, wenn folgende Tipps beachtet werden: Ist der Raum hinter der Scheibe dunkel, sollten eher helle Aufkleber verwendet werden, ist es hinter der Scheibe hell oder ermöglicht sie sogar die Durchsicht durch das Gebäude, ist es sinnvoll, dunkle oder farbige "Hindernisse" aufzukleben. Die oft verwendeten Greifvogelsilhouetten, aber auch beliebige Figuren oder Streifen sollten ebenfalls im Abstand von je rund 80 Zentimeter angebracht werden. Die Vögel werden nicht durch die Ansicht der Greifvogelform abgeschreckt, sondern dadurch lediglich auf das Hindernis aufmerksam gemacht. Die Form des Aufklebers ist also egal. Es kann auch ein so genannter Birdpen verwendet werden. Mit diesem Filzstift kann ein für Menschen nahezu unsichtbares Muster auf die Glasflächen aufgebracht werden. Als besonders wirkungsvoll haben sich senkrechte Streifen im Abstand von zirka acht Zentimetern erwiesen.
Schutz der Vögel ist rechtlich geregelt
Das Bundesnaturschutzgesetz regelt in Paragraf 42 den Schutz besonderer Arten, unter die auch die einheimischen Stadtvögel fallen. So dürfen beispielsweise Brut-, Nist-, Wohn- und Zufluchtsstätten nicht der Natur entnommen werden, die Tiere nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch Bauherren müssen gegebenenfalls bei Dachausbauten, Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen besondere Vorschriften beachten. Auskünfte hierzu erteilt Marian Siedlec von der Unteren Naturschutzbehörde beim Bereich Umwelt der Stadt, Bismarckstraße 29, Telefon 504 – 2955, E-Mail: umwelt@ ludwigshafen.de.
Veranstaltungen im Stadtvogeljahr 2009
Vogelexperte Franz Stalla von ORBEA bietet Vogelkundliche Exkursionen an: am 26. April ist Treffpunkt um 7 Uhr am Haupteingang des Ebertparks, am 10. Mai geht es ins Landschaftsschutzgebiet Stadtpark, Treffpunkt ist um 7 Uhr bei der Pegeluhr, am 31. Mai führt die Exkursion ins Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch, Treffpunkt ist um 7 Uhr am Parkplatz an den Sportanlagen in der Riedstraße in Maudach, das Landschaftsschutzgebiet Rehbachtal ist am 14. Juni, 7 Uhr, Ziel der Exkursion, Treffpunkt ist der Parkplatz am Wildpark Rheingönheim. Mitgebracht werden sollen Fernglas, Bestimmungsbuch, wetterfeste Kleidung und feste Schuhe. Der Teilnahmebeitrag beläuft sich auf jeweils 2 Euro. Die Exkursionen dauern zirka zwei Stunden. Informationen gibt es bei Franz Stalla, Telefon 698838. Über "Die Erhaltung der Artenvielfalt – ist unsere Natur noch zu retten?" referiert Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz, am 24. März, 19.30, Uhr in der Volkshochschule. Weitere naturkundliche Veranstaltungen auch im Wildpark und in der VHS werden im Veranstaltungskalender der Stadt Ludwigshafen unter www.ludwigshafen.de und auf der Internetseite der VHS www.VHS-lu.de bekanntgegeben. Zum "Vogelfest zur Stunde der Gartenvögel" lädt der Naturschutzbund, NABU, am 9. Mai, 14 Uhr, ins Maudacher Bruch ein. Treffpunkt ist die Hütte am Friesenheimer Weg.
Anlaufstelle für Vogelfreunde
Die ORBEA im Maudacher Bruch ist sowohl als Beobachtungs- als auch als Kommuni-kationszentrum für Natur- und damit für den Vogelschutz in der Region bekannt. Gegründet wurde ORBEA durch den "Arbeitskreis für Ornithologie und Naturschutz" an der Volkshochschule, den es seit 1960 gibt. Seit dieser Zeit wird Vogelkunde und Naturschutzarbeit in Ludwigshafen systematisch betrieben. Prominenter, für seine langjährigen Verdienste mehrfach ausgezeichneter Vertreter ist Franz Stalla, der durch Bücher, zahllose Seminare und Führungen in die faszinierende Vogelwelt einer breiten Öffentlichkeit, nicht nur in Ludwigshafen, bekannt geworden ist. Zusammen mit den engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern veranstaltete er viele Tage der offenen Tür und zahlreiche andere Aktionen. Ein großes Projekt war beispielsweise die Beringung von mehr als 60.000 Vögeln in mehr als hundert Arten im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Institutes. Die Gruppe ist außerdem führend in der erfolgreichen Ansiedlung von Schwalben in Kunstnestern und ständig aktiv, etwa bei der Bepflanzung und Renaturierung von Flächen.
Verantwortlich für die Inhalte des Umwelt-Infos sind Tanja Rehberger vom Bereich Umwelt, Telefon 504-3455, E-Mail umwelt@ludwigshafen.de und Franz Stalla.
|
 |
|
|