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neueLu März/April 2009

Geburtstag im neuen Haus

Wiedereröffnetes Wilhelm-Hack-Museum Modellprojekt für ganz Deutschland


Reichlich Anlass zum Feiern gibt es im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen: Pünktlich zum 30. Geburtstag, nach 17 Monaten Bauzeit, öffnet die bedeutende Kultureinrichtung unter der neuen Leitung von Dr. Reinhard Spieler am Samstag, 7. März, wieder ihre Pforten. Zum Auftakt zieht das Markenzeichen der Stadt kompromisslos Bilanz – und zeigt "alles.". Nach der Baumaßnahme ist das Haus ein Vorzeigeobjekt für energieeffizientes Modernisieren im Museumsbereich für ganz Deutschland.

Das Wilhelm-Hack-Museum zeigt "alles."

Mit der Eröffnungs-Ausstellung "alles.", die vom 7. März bis 26. April dauert, widmet sich das Wilhelm-Hack-Museum ganz der eigenen Sammlung. Der Gesamtbestand umfasst derzeit 9.236 Werke – rund 1.000 Gemälde, über 300 Skulpturen und zahlreiche Fotografien, grafische Werke, Objekte und Mappenwerke. Wohl erstmals in der jüngeren Museumsgeschichte legt ein Museum seine komplette Sammlung offen, darunter viele Kunstwerke, die sonst im Depot schlummern und selten oder noch nie präsentiert wurden.
Auf allen Ausstellungsebenen des Hauses, die rund 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassen, finden die Werke einen Platz und werden bewusst ohne jede Ordnung in "Petersburger Hängung" gezeigt – das heißt in enger Reihung bis an die Decke. Mit dieser ungewöhnlichen Präsentation und seiner Fülle an Werken möchte das Museum die Neugier und den Stolz auf seine Sammlung wieder wecken, zugleich aber auch die eigene Arbeit für das Publikum transparent machen. Erstmals werden Besucher die Gelegenheit erhalten, die spätere Auswahl der Museumskuratoren bei der Sammlungspräsentation selbst zu beurteilen: Auf welcher Grundlage erfolgt die Präsentation der Sammlung eigentlich? Aus welchem Werkpool kann gewählt werden, welche Zusammenstellungen und Themenkontexte werden dabei getroffen? In welchem Zustand befinden sich die Arbeiten überhaupt? Die konservatorische und wissenschaftliche Arbeit, die ein Museum zu leisten hat und die meist hinter den Kulissen abläuft, wird so nachvollziehbar.
Diese besondere Form der Ausstellung des gesamten Kunstbestandes des Hauses ist Ausgangspunkt für die weitere Konzeption der Sammlungspräsentation, die sich in zwei aufeinander folgenden Schritten widerspiegeln wird. Mit "simply the best" vom 29. Mai bis 2. August wird der vorher erlebten Fülle eine Ausstellung ausgewählter Highlights bewusst entgegengesetzt. Diese Konzentration auf Eckpfeiler der eigenen Sammlung soll den Blick des Betrachters für die darauf folgende Neupräsentation schärfen, die unter dem Titel "hackordnung # I" vom 15. August 2009 bis 16. August 2010 eine jährlich variierende Reihe von Szenenwechseln im Sammlungsbereich eröffnet. Neu präsentiert wird auch die Sammlung mittelalterlicher Sakralkunst, die neben Metall- und Elfenbeinarbeiten, Buch- und Glasmalerei vor allem Skulpturen und Tafelmalerei von hervorragender Qualität umfasst. Mit der Ausstellung "Gegen jede Vernunft. ­ Paris – Prag", die ab 14. November in Zusammenarbeit mit der BASF SE und dem Kunstverein Ludwigshafen zu sehen ist, setzt das WHM außerdem auch im Jahr der Neu-Eröffnung einen publikumswirksamen Akzent. "Das Wilhelm-Hack-Museum ist ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft in Ludwigshafen. Mit dem anspruchsvollen Programm für die kommenden Monate setzt das Team um Museumsleiter Reinhard Spieler herausragende Akzente", freut sich Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg.
Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung "alles." wird die Freie Internationale Tankstelle (FIT) des Berliner Künstlers Dida Zende zum Tanken spiritueller Energie vor dem WHM aufgebaut sein. Führungen der Kuratoren und des Restaurators des Wilhelm-Hack-Museums vermitteln vielfältige Einblicke in die Museumsarbeit, und eine Podiumsdiskussion unter dem Motto "Hat das Sammeln noch Zukunft" mit namhaften Vertretern aus der Kunstszene findet am 2. April um 18 Uhr statt. Workshops und Kunstkurse für Jung und Alt laden außerdem zum Mitmachen und zur Neuentdeckung des Museums ein.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wilhelmhack.museum.de. Ab 7. März ist das Museum wie folgt geöffnet:
Dienstag, Mittwoch, Freitag: 11 bis 18 Uhr, Donnerstag, 11 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr. Montag ist geschlossen.   weiss

Modernisierung zahlt sich aus

Vorbildlich energieeffizient nach der Modernisierung

Voraussetzung dafür, dass Kunstliebhaber nun wieder Werke im Wilhelm-Hack-Museum besichtigen können, war eine grundlegende energetische Modernisierung des 30 Jahre alten Hauses. Das Energie-Konzept, das von der LUWOGE consult in Zusammenarbeit mit den Technischen Werken im Auftrag der Stadt Ludwigshafen entwickelt und umgesetzt wurde, setzt Maßstäbe im Bereich der Energietechnik.
"Das Projekt im Rahmen unserer Initiative ’heute für morgen’ wurde zum Vorzeigeobjekt für energieeffizientes Modernisieren im Museumsbereich in ganz Deutschland", so Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse. "Die Energiekosten des Museums werden künftig um bis zu 60 Prozent gesenkt. Nach der Sanierung wurde sogar ein energetisches Niveau erreicht, das 40 Prozent unter den staatlichen Vorschriften der Energieeinsparverordnung für Neubauten liegt. Damit konnte die Maßnahme in das Förderprogramm der deutschen Energie-Agentur aufgenommen werden, was zur Folge hatte, dass allein mit dieser Einsparung die Stadt die Kreditzinsen für die 4,6 Millionen Euro teure Modernisierung finanzieren kann", erläutert Bau- und Umweltdezernent Ernst Merkel. Die Kreativität von Stadtkämmerer Wilhelm Zeiser habe dazu beigetragen, dass die Baumaßnahme durchgeführt werden konnte, so Merkel.
"Für das Konzept haben wir uns einiges einfallen lassen, denn Standardlösungen zur Energieeinsparung – wie beispielsweise eine Nachtkühlung – waren von Beginn an ausgeschlossen. Vor allem Klima sowie Luftfeuchtigkeit im Museum und Lagerraum dürfen nur geringen Schwankungen unterliegen, da die Kunstwerke sonst in ihrer Substanz beschädigt werden. Das Zusammenspiel der Technik bei Kühlung, Beleuchtung und Lüftung musste deshalb optimal durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen aufeinander abgestimmt sein", erklärt Heike Haracska, Projektleiterin der LUWOGE consult.
An allen nicht gedämmten Betonfassaden wurde ein Wärmedämmverbundsystem angebracht. Das bisherige Flachdach wurde mit einem Leichtdach mit 34 Zentimeter Dämmung überspannt. So können auch dort Wärmeverluste vermieden werden und bei Undichtigkeiten gibt es eine doppelte Sicherung. Auf der Südseite befindet sich jetzt eine Photovoltaik-Anlage, die die Stromkosten mindert. Zudem wurden alle Fenster erneuert. Die bisherige Beleuchtung im Museum wurde komplett ausgetauscht. Das Licht kann nun je nach Lichtverhältnissen und Bedarf in Szenarien gesteuert werden, jede Leuchte ist auch einzeln dimmbar. Allein mit der Beleuchtung wird damit eine immense Energieeinsparung erreicht. Der ursprüngliche Verbrauch wird so auf zirka ein Drittel gesenkt. Auch Kühlung und Entfeuchtung hatten in der Vergangenheit erhebliche Kosten verursacht. Das ändert sich mit dem neuen Konzept: Eine regenerative Wärme- und Feuchterückgewinnung sowie Sprühdüsenbefeuchter anstelle der elektrischen Dampfbefeuchter sorgen künftig für die richtige Luftfeuchtigkeit und Kühlung der Räume. Luftqualitätsfühler im Raum messen beispielsweise Temperaturschwankungen oder Feuchtigkeit. Sie können auf Außenein-wirkungen, wie zum Beispiel Sonneneinstrahlung, direkt reagieren beziehungsweise auch kunstwerkbezogen reguliert werden. Die Raumlufttechnik sucht automatisch die richtige und jeweils energetisch günstigste Variante an Außen- und Umluft beziehungsweise Zu- und Abluft. Damit konnten auch hier die Kosten erheblich minimiert werden. Das Sanierungskonzept schuf demnach optimale Bedingungen für Ausstellungen auf höchstem Niveau und für unterschiedliche Events oder stilvolle Empfänge. Vermietet werden künftig Foyer, Vortragsbereich und Sonderausstellungsraum.   rik

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