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neueLu März/April 2010

Magie und Realität

Im Theater im Pfalzbau neben Märchen auch Revue über "Ossis" und "Wessis"

Körper von hypnotischer Sinnlichkeit und wunderbar organische Bewegungen - mit derartigen eindrucksvollen Bildern stellt sich die "Compagnie Preljocaj" auf der Bühne dar. Die faszinierende Tanzproduktion "Blanche Neige (Schneewittchen)", aufgeführt am Dienstag, 30. März, und Mittwoch, 31. März, im Theater im Pfalzbau, glänzt außerdem durch die extravaganten Kostüme des Modemachers Jean-Paul Gaultier.

Es ist ein ganz neuer Blick, den die Zuschauer mit "Preljocaj" auf die Geschichte von der verhexten Königstochter werfen, die mit modernem Bewegungsdesign versehen durch die unheimliche Szenerie des Märchenwaldes tanzt. Der französische Choreograph schuf mit seiner Compagnie eine moderne und begeisternde Adaption des Balletts.

Einerseits deutet er die Märchenhandlung als rabenschwarzes Familiendrama, inszeniert aber auch gekonnt die magischen Elemente des Märchens und vertraut dabei ganz auf die Zauberkraft des Theaters. Die sieben Zwerge etwa klettern spektakulär in Bergarbeiterkluft aus den Spalten einer riesigen Felswand und vollführen dabei ein lustiges Luftballett. Schneewittchen ist ein anmutiges Geschöpf voll unschuldiger Sinnlichkeit, das vom Prinzen innig begehrt wird. Und die böse Stiefmutter taucht in Lederkluft und Lackstiefeln als bitterböse Rächerin ihres Schicksals auf, die die jugendlich-charmante Konkurrenz ihrer Stieftochter gnadenlos ausschaltet. Einen weiteren Reiz machen die extravaganten Kostüme aus, deren Schnitte auf raffinierte Weise die Bewegungen der Tänzer unterstreichen. So hält das Ballett souverän die Schwebe zwischen schwärmerischer Romantik und irdischer Bodenständigkeit.
Keineswegs märchenhaft muten die Verhältnisse bei dem Schauspiel von Tennessee Williams "Treppe nach Oben" an.

Die Inszenierung von Roberto Ciulli, dargeboten vom Theater an der Ruhr Mülheim am Montag, 12. April, 19.30 Uhr, erzählt die Geschichte von Benjamin Murphy. Das Leben des Arbeiters in einer Hemdenfabrik, der entlassen werden soll, entspricht nicht den Träumen, die ihn einst bewegten. Um der Monotonie des Alltags zu entfliehen, sucht er mit seiner Alice das Wunderland in der Nacht, das sich bei Tag betrachtet als Illusion entpuppt. Zurück an seinem Arbeitsplatz, steigt Murphy eine Treppe herauf, die aufs Dach führt. Ob er in ein neues Leben oder den Tod springt – Angestellte folgen ihm – lässt Tennessee Williams offen.

Eine differenzierte Rückschau auf deutsch-deutsche Befindlichkeiten nach zwanzig Jahren Wiedervereinigung liefert das Jugendstück "Mandy – Im Tal der Ahnungslosen" am Montag, 22. März, 11 und 19 Uhr. Jörg Menke-Peitzmeyer schafft in seinem Stück, das er eigens für das Junge Ensemble Stuttgart (JES) geschrieben hat, einen Mikrokosmos in einem schwäbischen Dorf, in dem die achtziger Jahre mit all ihren Albernheiten vorherrschen: Sonja mag Lila, schaut Dallas und macht Aerobic, Zappa hat eine Kneipe, trägt Cowboystiefel und schräge Hawaiihemden. In dieser "gepflegten Langeweile" wirkt  Mandy mit ihren schwarz bemalten Katzenaugen, knallrotem Lippenstift und Lederjacke wie eine Exotin. Sie ist die vermeintlich verlorene Schwester, die es einst, als die Familie aus dem Osten geflohen ist, nicht mehr über die Grenze geschafft hat. Die hochexplosive Begegnung kulminiert darin, dass Mobiliar zertrümmert wird, Stühle fliegen und Ohrfeigen klatschen, weil die Jungs einfach nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen.

Das temporeiche Stück ist eine schrille und witzige Revue darüber, was Deutschland vor 20 Jahren bewegt hat. Anders als eine Unterrichtsstunde in deutsch-deutscher Geschichte vermittelt es auf seine Weise, wie zementiert die Grenzen immer noch sind, die in den Köpfen der so genannten "Ossis" und "Wessis" bestehen.

Festwoche Türkei im Mai

Auch in diesem Jahr veranstaltet das Theater im Pfalzbau vom 6. bis zum 12. Mai wieder eine Festwoche Türkei. Die Termine werden demnächst in einem Flyer bekannt gegeben. Abrufbar sind dann diese Termine und weitere im Internet unter www.theater-im-pfalzbau.de.  

 

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