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neueLu März/April 2010

Ort der kulturellen Begegnung

Für Ludwigshafen und weit darüber hinaus zweifellos ein Gewinn

Die kulturellen Einrichtungen der Stadt Ludwigshafen am Rhein haben zum Teil eine lange Tradition. Im Vergleich dazu ist das Ernst-Bloch-Zentrum, das in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen feiert, ein junges Angebot. Die neue Lu sprach mit Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg über Ernst Bloch und das überregional etablierte Kultur- und Wissenschaftszentrum.

neue Lu: Welche Bedeutung hat Ernst Bloch für Ludwigshafen heute?
Reifenberg: Der Name Bloch und seine Philosophie der Hoffnung bürgen für eine hohe Aufmerksamkeit, auch auf internationaler Ebene. Sein Hauptwerk ‚Das Prinzip Hoffnung‘ gehört zu den einflussreichsten philosophischen Werken des 20. Jahrhunderts – was nicht zuletzt daran abzulesen ist, dass die titelgebende Wendung längst sprichwörtlich geworden ist. Das Verhältnis von Bloch zu seiner Geburtsstadt war jedoch nicht immer unproblematisch. Gleichwohl hat die damals oft triste Gegenwart der Arbeiterstadt das Denken des jungen Blochs auf das Paradigma der Zukunft gerichtet. Bloch selbst hat diesen Einfluss der Heimat auf seine Philosophie immer betont. Sein Diktum von Ludwigshafen als der ersten "Seestadt auf dem Lande…" ist heute in aller Munde, mitunter sogar Programm.

neue Lu: Wie äußert sich der Bezug der Menschen in Ludwigshafen zu Bloch?
Reifenberg: Das Ernst-Bloch-Zentrum ist zweifellos ein Gewinn. Viele Bürgerinnen und Bürger besuchen die vielfältigen Veranstaltungen. Gruppen und Schulklassen informieren sich in der Ausstellung, im Arbeitszimmer und anhand der Themensatelliten, die wichtige Themen aus Blochs Werk präsentieren.

neue Lu: Was sind die Aufgaben des seit 1997 bestehenden Ernst-Bloch-Zentrums?
Reifenberg: Das Zentrum leistet unter der Regie des Gründungsleiters Dr. Klaus Kufeld und seines Teams mit seinen Kultur- und Bildungsangeboten einen unerlässlichen Beitrag für die urbane Struktur von Ludwigshafen. Die Autorenlesungen, Ausstellungen und Vortragsreihen erfüllen eine wichtige Funktion für die Stadt. Der Stadtrat hat mit der Gründung des Ernst-Bloch-Zentrums einen bedeutenden kultur- und wissenschaftspolitischen Akzent gesetzt, der nicht nur für Blochs Geburtsstadt, sondern mittlerweile auch für die Metropolregion Rhein-Neckar Früchte trägt. In der Tat wurde das Zentrum als Institution schon 1997 gegründet. Von großer Bedeutung ist allerdings besonders der Einzug in die Direktorenvilla der Walzmühle im Jahr 2000 - heute ein Ort der kulturellen Begegnung am Rhein.

neue Lu: Welche Rolle spielt dabei das Ernst-Bloch-Archiv?
Reifenberg: 1998 wurde der Wissenschaftliche Nachlass von Bloch erworben. Tausende Seiten Originalmanuskripte, Briefe und Fotografien werden seitdem gesichtet und katalogisiert. Daraus ergibt sich für das Zentrum neben seinen kulturellen Dienstleistungen für die Bürgerschaft auch ein wissenschaftlicher Auftrag – nämlich den Nachlass von Ernst Bloch zu sichern, zu erweitern und der internationalen Forschung zur Verfügung zu stellen. Erst dadurch begründet sich die Reputation als Wissenschaftszentrum.

neue Lu: Wie sehen Sie die Zukunft des Ernst-Bloch-Zentrums in Zeiten einer angespannten Finanzlage?
Reifenberg: Das Ernst-Bloch-Zentrum als Kulturveranstalter und Wissenschaftszentrum ist heute eine bundesweit und international anerkannte Institution. Seit 1985 zeichnet die Stadt Ludwigshafen mit dem Ernst-Bloch-Preis herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung aus. Das ist nicht einfach beliebig oder verzichtbar, sondern ein harter Standortfaktor.

neue Lu: In welcher Form ist die Stiftung ‚Ernst-Bloch-Zentrum‘ an diesem dreistufigen Konzept beteiligt?
Reifenberg: In der gemeinnützigen ‚Stiftung Ernst-Bloch-Zentrum‘ engagieren sich neben der Stadt Ludwigshafen, als Gründungsinstitutionen die Sparkasse Vorderpfalz (ehemalige Stadtsparkasse Ludwigshafen), die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, die Stiftung der Landesbank Rheinland-Pfalz. Diesen Stiftern und Förderern sei an dieser Stelle herzlich gedankt, da ohne diese Unterstützung viele der hochwertigen Veranstaltungen nicht zu realisieren wären. Über eine Blochstiftung werden zirka 80 Prozent des Programms finanziert. Dieses Zusammenwirken von Öffentlicher Hand also der Stadt Ludwigshafen, der ‚Stiftung Ernst-Bloch-Zentrum’, von Unternehmen, ehrenamtlichem und privatem Engagement macht das Ernst-Bloch-Zentrum zu einem Modell für Public Private Partnership.

neue Lu: Was wünschen Sie dem Ernst-Bloch-Zentrum für die Zukunft?
Reifenberg: Ich würde mir viel lieber etwas vom Ernst-Bloch-Zentrum wünschen: Nämlich auch in den nächsten zehn Jahren zu demonstrieren, dass es sich lohnt, nicht ins Scheitern, sondern „ins Gelingen verliebt“ zu sein. Das wäre auch ein passendes Motto für Ludwigshafen – mindestens für die nächsten 125 Jahre. 

Ernst Bloch: Zur Person

Ernst Bloch wurde am 8. Juli 1885 in der Maxstraße 11 des damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren. Nach dem Abitur studierte er in München und Würzburg Philosophie. 1918 erschien das Frühwerk ‘Geist der Utopie’. In den zwanziger Jahren lebte Bloch als freier Autor in Berlin. 1933 wurde er ins Exil gezwungen und lebte ab 1938 in den USA. Dort entstanden zahlreiche Manuskripte, vor allem sein großes Hauptwerk ‘Das Prinzip Hoffnung’. Nach dem Krieg lehrte Bloch an der Universität Leipzig und ab 1961 in Tübingen. Dort starb er 1977, bis zuletzt aktiv, im Alter von 92 Jahren. Ernst Bloch gilt als einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

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