|
"Ein Talent kann uns nicht entgehen"

"Do-Re-Mi-Fa-So-La-Ti" - vom tiefen "Do" bis zum hohen "Ti" haben sich bereits Generationen von Kindern die Tonleiter hinauf- und wieder hinuntergeplagt. Manche setzen den Ton ein klein wenig daneben, singen aber trotzdem laut und gerne, andere spüren vielleicht schon ganz früh, dass in ihnen etwas reift, ein musikalisches Talent vielleicht, das zur Entfaltung gebracht werden will. In der Städtischen Musikschule wird daher die musikalische Erziehung junger Menschen seit 40 Jahren groß geschrieben.
Wohin nun mit einem Kind, das über die Pflichtstunden in der Schule hinaus eine musikalische Erziehung bekommen soll? Nun, die Eltern können das Kind dort unterrichten lassen, wo es seine Fähigkeiten ausprobieren kann, aufmerksam von Lehrern beobachtet wird und gleichzeitig das Zusammenspiel mit anderen lernt. Diese Lösung habe einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, meint Attila Deseö, seit 1990 Leiter der Städtischen Musikschule Ludwigshafen: "Bei uns können die Eltern sicher sein, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihr Handwerk gelernt haben, die Fähigkeiten eine Kindes ehrlich einstufen und darüber hinaus das pädagogische Geschick besitzen, ein Kind über die manchmal unvermeidliche Unlust-Strecke zu bringen." Zudem böte die Musikschule die Möglichkeit, sich teure Instrumente wie Harfen oder Fagott erst einmal zu leihen. Und, betont der Schulleiter, gemessen am Preis stimme die Leistung: "Bisher haben wir mit maßvollen Gebührenerhöhungen unseren Beitrag zum schwierigen städtischen Haushalt geleistet und meiner Meinung nach eine gute Balance zwischen familienfreundlichen Preisen und unseren Kostenrechnungen eingehalten. Dabei haben wir auch an die Familien gedacht, die mehr als ein Kind zu uns schicken." Erfahrung in der musikalischen Erziehung sammelt die Musikschule schon seit 40 Jahren. "Es ist die einzige Institution außerhalb der Schule, die den Kindern direkt einen Teil unserer Kultur vermittelt", betont Schul- und Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg, in deren Dezernat die Musikschule angesiedelt ist. "Daher ist es wichtig, dass gerade diese Möglichkeit, ein Kind zu fördern, für alle erhalten bleibt."

Die Sehnsucht, kulturelles Erbe zu erhalten und neu zu beleben, ist in der Stadt weit älter als die Geschichte der Musikschule, wie der Blick um 131 Jahre zurück zeigt: Der Cäcilienverein in Ludwigshafen bot 1873 erstmals "Gesangskurse für unbescholtene junge Männer" an. Hofopernsänger Starke aus Mannheim gab damals den Ton an. Immerhin acht Kreuzer kostete die Unterrichtsstunde, dennoch war der Erfolg so groß, dass acht Wochen später Kurse auch für Frauen eingerichtet wurden. Von der etwas altväterlichen Patina der zurückliegenden Jahre hat sich die Musikschule, wie sie heute als größte ihrer Art in Rheinland-Pfalz dasteht, gründlich entstaubt: Seit den Anfängen 1964 unter ihrem ersten Leiter Helmut Rebscher bis heute hat das Haus zwar seine klassische Wurzeln bewahrt, aber die musikalischen Bedürfnisse der jungen Menschen in das Angebot mit eingebaut - nicht zuletzt dank der Vielseitigkeit ihres heutigen Leiters Attila Deseö und seines Stellvertreters Volker Hafner. Deseö, der gebürtige Budapester, ist ausgebildeter Musikpädagoge und ein orchestererfahrener Klarinettist. Am häufigsten in seinem Leben hat er wohl Bachs Violinsolosonaten gehört, findet aber, auf sein Verhältnis zur gerade unter den Kids angesagten Musik angesprochen, auch Anastacia richtig gut. Folglich haben Deseö und Hafner offene Ohren nicht nur für die alten, sondern auch für ganz neuen Töne. In den Unterrichtsräumen der Zentrale am Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz 3, gegenüber der Tortenschachtel, und den 17 Außenstellen in den Stadtteilen wird weit weg vom anderweitig oft "zwangsverordneten" Blockflötenspiel einiges geboten. "Wir haben sogar eine Popularmusikabteilung, in der wir Kindern eine Ausbildung in den Bereichen Jazz - Pop - Rock anbieten. Ballett und moderner Tanz, als mit der Musik verwandter Kunstform werden auch angeboten." Genauso wichtig ist Deseö die Abteilung "Musiktherapie": "Dort erteilen wir behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern Instrumentalunterricht und freuen uns ganz besonders über Fortschritte."

Die so genannte musikalische Früherziehung beginnt schon mit vier Jahren. Deshalb wirbt die Musikschule für die Zusammenarbeit mit den hiesigen Kindergärten, in denen die Kleinen über das Spiel an die Musik herangeführt werden. Etwas älter geworden können sie dann einzeln oder in Gruppen ein Instrument lernen, singen und mit anderen musizieren. Was dabei herauskommen kann? Viele gute Namen, ein beachtliches Repertoire und ein hohes musikalisches Niveau. Begehrt bei festlichen und großen Anlässen sind nicht nur die kleineren Gruppen wie das Bläserquintett und Klarinettenquartett, sondern abend- und bühnenfüllend die Bigband, das Sinfonieorchester, die Rockband und die Jazzband - einige davon preisgekrönt und alle inzwischen auftrittserfahren. "Mit der Möglichkeit, bei vielen Veranstaltungen aufzutreten und Bühnenerfahrung zu sammeln, bieten wir etwas, das man eben nicht zu Hause lernen kann", weist Deseö auf die seit Jahren erfolgreich bestehende Praxis hin, die Schülerinnen und Schüler "in die Welt zu schicken". Die Welt, das kann der Pfalzbau sein, aber auch eine der Ludwigshafener Partnerstädte, wie in den vergangenen Jahren Lorient oder Sumgait

Uns kann kein Talent entgehen", meint Deseö. "Wir spüren jede noch so verborgene Begabung auf. Deshalb haben wir 1992 auch die Begabtenförderung eingerichtet." Der Beweis für die richtige Strategie: herausragende Platzierungen beim jährlich einmal stattfindenden Wettbewerb "Jugend musiziert", an dem Jugendliche aus der gesamten Vorderpfalz teilnehmen und der von der Ludwigshafener Musikschule organisiert wird. Bekannte Preisträgerinnen, wie die ehemalige Gesangsschülerin der Städtischen Musikschule, Anke Vondung, sind in Ludwigshafen entdeckt worden. Derzeit ist Vondung an der Semper-Oper in Dresden engagiert. Selbst für Babys hat die Städtische Musikschule einen besonderen Kurs eingerichtet, in dem sie gemeinsam mit ihren Eltern Klanganimation erfahren können. Nicht auszuschließen, meint Deseö, dass in einem der Winzlinge eine Anke Vondung schlummert: "Seit 1999 bieten wir diesen Kurs für Babys an. Musik empfinden ist ein Teil unseres Wesens, dessen heilende und beruhigende Wirkung wir nutzen können. Tatsächlich wurde schon vor längerer Zeit nachgewiesen, dass Musik, die nach Harmonie strebt, eine enorme Wirkung schon auf die Kleinsten ausübt."
Rund um die Musikschule
Konzerttermine: - Sonntag, 9. Mai, 11 Uhr, Pfalzbau, Konzertsaal, Matinée "Junge Solisten + Orchester",
Donnerstag, 13. Mai, 19 Uhr, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Gesangsabend, Sonntag, 6. Juni, 11 Uhr, Kammermusiksaal der Städtischen Musikschule, Preisträgerehrung "Jugend musiziert", Sonntag, 20. Juni, 11 Uhr, Pfalzbau, Kammermusiksaal, Lehrerkonzert, Freitag, 25. Juni, 19 Uhr, Gemeinschaftshaus Ruchheim, "Alte Musik" Mittwoch, 30. Juni, 19 Uhr, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Aula, Zupferabend, Freitag, 2. Juli, 17 Uhr, Festhalle Oggersheim, Kinderkonzert (1), Freitag, 9. Juli, 17 Uhr, "dasHaus", Kinderkonzert (2), Jetzt schon vormerken: 27. September 2004, großes Jubiläumsschulfest
Neue Kurse
Die neuen Kurse der Städtischen Musikschulen beginnen immer zum 1. September und 1. März. Anmeldungen sind bei allen Zweigstellen und für alle Fächer möglich.
Detaillierte Informationen können interessierte Eltern und künftige Schülerinnen und Schüler in den Sprechstunden der Fachlehrer oder bei der Verwaltung, Telefon 504-2568, erhalten.
In Schnupperstunden und am "Tag der offenen Tür" am Samstag, 27. November, können Interessenten zudem die verschiedenen Instrumente erleben und ausprobieren.
|
 |
|
|