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NeueLu Mai / Juni 2004

Kulinarisches geht um die Welt

Sie erfreuen den Gaumen von Engländern, Spaniern, Tschechen und natürlich stillt auch die Ludwigshafener Bevölkerung ihren Appetit mit den Erzeugnissen, die auf 2.300 Hektar ihres Stadtgebietes produziert werden. In diesem Jahr kann Ruchheim auf 30 Jahre Eingliederung zurückblicken, und allein dort werden noch 650 Hektar von 22 Landwirten bewirtschaftet. Insgesamt sind in Ludwigshafen 30 Prozent des Stadtgebietes landwirtschaftlich genutzt.

"Wir hier in Ruchheim haben uns auf Gemüse und Salate spezialisiert", erzählen Hermann Reber, Ulrich Kreiselmaier und Thorsten Schuch im Gespräch mit der neuen Lu. Über die Großmärkte Maxdorf und Mutterstadt gelangt die Ware in alle europäischen Länder. "Der Blumenkohl findet seinen Absatz zumeist im Norden bis nach Skandinavien, die bunten Salate sind in den südlichen Ländern sehr gefragt und natürlich finden sich alle Produkte in den Lebensmittelläden von ganz Deutschland." Der Strukturwandel, weg von der Viehhaltung hin zum Gemüseanbau, setzte in den 60er-Jahren ein und verstärkte sich 1976, als Ruchheim an den Beregnungsverband angeschlossen wurde. Die Produktpalette reicht bei den Salaten von Kopf-, Feld- und Eichblattsalat über Lollo Rosso zu Endivien und beim Gemüse vom Blumen-, Chinakohl, Kohlrabi, Lauch, Radieschen, Broccoli, Fenchel bis hin zur noch immer hoch im Kurs stehenden Kartoffel. Zwei Betriebe haben sich ganz auf die berühmte "Pälzer Grumbeere" spezialisiert, zwei Landwirte konzentrieren sich auf die Anzucht von Jungpflanzen, die ab Mitte Februar ausgesetzt werden. Bis Dezember heißt es dann in einem steten Rhythmus säen, setzen, ernten, die Ware beim Großmarkt abliefern. "Die Arbeitszeit, zumindest für die Betriebsleiter, geht von Sonnenaufgang bis abends 22 Uhr, in Spitzenzeiten arbeiten wir bis zu 100 Stunden in einer sechseinhalb-Tage-Woche. Schnee, Regen oder Sturm - das darf keine Rolle spielen. Urlaub ist nur Ende Dezember oder im Januar möglich", berichtet Ulrich Kreiselmaier. Und wie bei den Vätern geht auch heute fast alles noch per Hand. "Froh sind wir", ergänzt Schuch, "um die Unterstützung von 20 festen Arbeitskräften und der Saisonarbeiter, die alljährlich vom Arbeitsamt vermittelt werden. Natürlich packt auch die ganze Familie mit an."

Mit ihren Spenden zum Blumenkohl- und Grumbeerfest unterstützen die Ruchheimer Landwirte auch das gesellschaftliche Leben in Ruchheim, unter anderem den Turnverein. Die Landwirte führen zwar ein Kräfte zehrendes und entbehrungsvolles, doch im Gegenzug zu manch einem 40-Stunden-Arbeitnehmer wohl zufriedenes, Leben. Die Familie kann versorgt werden und hat ihr Auskommen. Doch die Ruchheimer Bauern wären keine gestandenen "Kerle", wenn sie nicht auch direkt sagen würden, wo der Schuh ein wenig drückt und das ist gut so: "Wir haben nichts gegen Hunde, aber sie verunreinigen das Gemüse mit ihren Hinterlassenschaften. Dieses ist dann natürlich nicht mehr zu verkaufen, muss mit der Schaufel entfernt oder untergemulcht werden. Außerdem beschädigen die Vierbeiner die Folien, was recht Kosten aufwändig ist, wenn diese wieder repariert werden müssen", berichten Schuch und Kreiselmaier. Reber, der Klaus Kreiselmaier zu Beginn des Jahres als Vorstand des Bauer- und Winzerverbandes, 0rtsgruppe Ruchheim, ablöste, bittet daher, die Hunde auch auf dem Spaziergang am Feld angeleint zu lassen. Ein weiterer Wunsch wären ausgebaute Wirtschaftswege. "Dann hätten wir in Ruchheim saubere Straßen und müssten mit unseren Fahrzeugen nicht durch den engen Ort fahren." Mit ein wenig gegenseitiger Rücksichtnahme und Verständnis, so ist sich auch Ortsvorsteher Dr. Günter Heil sicher, wird es in Ruchheim weiterhin ein gutes Miteinander geben. "Froh wäre ich", so Heil, "wenn sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe halten könnte. Gerade diese nach wie vor vorhandene dörfliche Struktur macht den Charme von Ruchheim aus und zieht sicherlich noch den ein oder anderen Neubürger an."

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