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Alles orientiert sich am Alltag

"Sprache macht stark" spricht Kinder und Eltern an

Naila Yilmaz ist vier Jahre alt und besucht seit September 2006 die Kindertagesstätte Langgewann in Oggersheim. Dreimal in der Woche nimmt die aufgeweckte Naila an einer Kleingruppe mit drei weiteren Kindern teil und wird intensiv gefördert und doch spielerisch an den Erwerb der deutschen Sprache herangeführt. Ihre Mutter Senay, 27, besucht gemeinsam mit Naila außerdem die wöchentlichen Treffen der Mutter-Kind-Gruppe. Hier erfahren beide, wie sie die Lernfortschritte bei der Sprachförderung im Kindergarten in den Alltag zu Hause integrieren können.

Naila und Senay Yilmaz nutzen die Angebote des Förderprogramms "Sprache macht stark", das im Rahmen der von der BASF unterstützten Offensive Bildung bis 2009 trägerübergreifend in 18 Kindertagesstätten in der Stadt eingesetzt werden soll. Zielgruppe sind Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren aus Familien mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien, die durch das Projekt beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützt werden.

Senay Yilmaz ist stolz darauf, welche Fortschritte Naila im ersten Halbjahr bei "Sprache macht stark" gemacht hat. „Sie hat sich schon einen richtig großen Wortschatz angeeignet und versteht schneller und besser, als ich das erwartet habe“, freut sich Senay Yilmaz über die Erfolge ihrer kleinen Tochter. Die junge Frau ist Deutsche türkischer Abstammung und in Ludwigshafen geboren. Verheiratet ist sie mit einem Türken. Ihr Mann, so erzählt sie im Gespräch mit der neuen Lu, spricht fast ausschließlich türkisch. Türkisch war daher Familiensprache, bis Naila in den Kindergarten kam. "Mittlerweile will sich Naila nur auf deutsch unterhalten. Deswe­gen spreche ich, seit sie im Kinder­garten ist, auch zu Hause mit ihr deutsch, mein Mann türkisch". Auf diese Weise kann Naila beide Sprachen erlernen. "Sprache macht stark" ist kein reiner Sprachunterricht. Alles orientiert sich am Alltagsleben der Kinder, Wortschatz, Gram­matik und Satzbildung werden in Themenfeldern eingeführt, die für Kinder im täglichen Le­ben von Bedeutung sind. "Als sich die Kinder mit dem Thema Wohnung beschäftigt haben, kam die kleine Gruppe mit der Erzieherin zu uns nach Hause, um ganz praktisch zu lernen, welche Gegenstände es da gibt und wie sie heißen. Das macht den Kindern natürlich viel mehr Spaß", schildert Senay Yilmaz. In den kleinen Gruppen sieht sie den Schlüssel zum Erfolg von "Sprache macht stark", weil die Kinder hier sehr früh und sehr intensiv gefördert werden könnten. "Naila macht es besonders viel Freu­de, dass wir soviel gemeinsam singen, auch in der MutterKind-Gruppe. Manchmal kann ich sie daheim dann gar nicht bremsen", erzählt sie. Senay Yilmaz ist davon überzeugt, dass Naila mit "Sprache macht stark" und der kontinuierlichen Sprachförderung in der Kindertagesstätte gut auf die Schule vorbereitet ist. "Ich spreche selbst gut deutsch und kann Naila also auch unterstützen. Besonders froh bin ich, dass durch die Sprachförderung, die Naila erhält, auch mein einjähriger Sohn Mert profitiert. Er wird wie selbstverständlich mit der deutschen Sprache vertraut, wenn ich mich mit Naila zu Hause auf deutsch unterhalte", ist Senay Yilmaz zuversichtlich. Das Projekt "Sprache macht stark" setzt daran an, dass für den Spracherwerb ein Sprachvorbild notwendig ist, das die jeweilige Sprache gut kann. Wo zu Hause die deutsche Sprache nicht die Familiensprache ist, erfolgt die Förderung in der Kindertagesstätte und die Fa­milie lernt, wie sie die Kinder beim Erwerb der neuen Spra­che unterstützen kann.

Neben der Förderung in Kleingruppen und der Arbeit mit den Eltern setzt "Sprache macht stark" außerdem darauf, Fachkräfte zu qualifizieren, die Teams der Kindertagesstätten zu schulen und die Sprachförderung in den Kindergartenalltag einzubinden. Nachdem die Erzieherinnen Schlüsselwörter spielerisch in den Kleingruppen eingeführt haben, begleiten sie die Kinder sprachlich zum Beispiel beim An- und Ausziehen, Vorbereiten des Frühstücks oder Bastel- und Malarbeiten. "Diese Vernetzung unterschiedlicher Ansätze macht ‚Sprache macht stark’ zu einem hoch innovativen Sprachförderprogramm, das Kinder in einem Alter anspricht, in dem sie besonders aufnahmefähig sind. Dies hat umso größere Bedeutung als Sprache der Schlüssel zum Bil­dungserfolg und zur Integra­tion in die Gesellschaft ist", zeigt sich Jugenddezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg vom Konzept überzeugt. Entwickelt wurde "Sprache macht stark" in Zusammenarbeit mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim. Projektträger ist die Stadt Ludwigshafen. Die Universität Mannheim hat die Projektleitung übernommen und begleitet das Programm wissenschaftlich. Informationen zu "Sprache macht stark" gibt es auch im Internet unter www. ludwigshafen.de.

"Sprache macht stark" ist eines von sieben Projekten der Offensive Bildung. Die Projekte haben zum Ziel, die frühkindliche Bildung in Kindertagesstätten zu fördern. Die innovativen Projekte wurden im Jahr 2005 von dem städtischen Träger sowie den evangelischen und katholischen Trägerorganisationen in Ludwigshafen aus der Praxis heraus entwickelt. Sie werden trägerübergreifend in rund 90 Kindertagesstätten umgesetzt und von anerkannten Bildungsexperten begleitet. Unterstützt werden die Projekte durch die BASF.   mü

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