Wenn am 11. Mai Karl Heinz Ries auf der Jahreshauptversammlung des Ludwigshafener Sportverbandes (LSV) nicht mehr für die Position des Vorsitzenden kandidieren wird, geht ohne Zweifel eine Ära zu Ende, ist doch Ries seit 1972 Mitglied im Vorstand. Im Jahr 1974 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1983 zum Vorsitzenden gewählt. Seine Leistungen spiegeln sich in zahlreichen Ehrungen wider: So bekam Ries im Jahr 1992 den Wappenteller der Stadt verliehen, drei Jahre später folgte das Bundesverdienstkreuz, 1997 die Sportplakette des Landes Rheinland-Pfalz, 2002 die Bürgerschaftsmedaille und 2005 schließlich der Maximilianstaler der Stadt Ludwigshafen. Die neue Lu unterhielt sich mit Karl Heinz Ries über seine Arbeit im LSV und die Position des Sports in Ludwigshafen und der Region.
neue Lu: Herr Ries, wissen Sie eigentlich schon, was Sie mit Ihrer freien Zeit anfangen werden?
Karl Heinz Ries: Gar nichts tun möchte ich auf keinen Fall. Außerdem bin ich ja auch noch Mitglied des Sportausschusses und Vorsitzender des Sportförderkreises. Da gibt es also doch noch Aufgaben für mich. Allerdings freue ich mich darauf, auch einmal spontan etwas tun zu können, wie zum Beispiel Spaziergänge oder Rad fahren.
neue Lu: Der Sportfunktionär Karl Heinz Ries wäre ohne den Sportler Ries wohl nicht denkbar gewesen. Was verbindet beide?
Karl Heinz Ries: Das ist jetzt wirklich keine Phrase: Der Sport hat mir unheimlich viel gegeben, gerade als ich noch jung war. Da habe ich Freunde getroffen, die mir geholfen haben. Gerade deshalb habe ich mich auch schon früh in die Pflicht nehmen lassen und nach meiner sportlichen Laufbahn in anderen Funktionen weiter gearbeitet.
neue Lu: Sie waren lange Zeit beim LSV. Was hat sich im Laufe der Zeit geändert?
Karl Heinz Ries: Alles zu seiner Zeit sage ich da immer. Als ich im Jahr 1983 das Amt des Vorsitzenden von Dr. Robert Eicher übernahm, war das schon ein Generationswechsel. Dr. Eicher hatte immer den Sport in seiner gesellschaftlichen Funktion betont, was damals auch wichtig war. In den letzten Jahren haben wir im LSV eher an Veranstaltungen gedacht, wie unter anderem den Stadtlauf und das Fußball-Hallenmasters. Ich glaube, dass in die heutige Zeit solche Events passen.
neue Lu: Auf welche Ergebnisse, die in Ihre Zeit als Vorsitzender fallen, sind Sie besonders stolz?
Karl Heinz Ries: Da gibt es keinen konkreten Einzelfall. Horst Konzok, jetziger Sportchef der Rheinpfalz, hat einmal geschrieben, dass es sich beim LSV um einen "schlafenden Riesen" handele. Wenn ich diesen Riesen geweckt habe, ist es gut. Und im Ernst: Wir haben in den letzten Jahres einiges bewegt und sind als Sportverband für die Vereine, Politik und Verwaltung ein Partner auf Augenhöhe und das Verhältnis ist bestens.
neue Lu: Anders als der Breitensport hat es der Leistungssport eher schwer in Ludwigshafen. Warum? Woran liegt es, dass im Hinblick auf den Leistungssport auch das Zuschauerinteresse nicht so gegeben ist?
Karl Heinz Ries: Das muss man relativieren. Wir haben Spitzensport in Ludwigshafen, nur in den publikumswirksamen Sportarten nicht so sehr. Aber es stimmt, es ist schwer nachzuvollziehen, warum das Zuschauerinteresse nicht so gegeben ist. Wenn auch die Stadt besser als ihr Ruf ist, so ist es vielleicht doch so, dass in Ludwigshafen keine Identität zur Stadt gegeben ist, man sich eben doch eher als Maudacher oder Mundenheimer fühlt.
neue Lu: Ist dies auch ein Grund dafür, weshalb sich in der Stadt und Umgebung kaum Sponsoren aus der Wirtschaft finden lassen?
Karl Heinz Ries: Auch hier muss man differenzieren. Mit unter anderem der BASF, der Sparkasse und der VR Bank hat der Sport schon Sponsoren aus der Wirtschaft. Im bescheidenen Rahmen versucht auch der Sportförderkreis zu helfen. Doch ganz klar: Obwohl sogar Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse geholfen hatte, Sponsoren anzuschreiben, haben wir das ganz große Sponsoring nicht. Die Gründe hierfür sind schwer zu benennen. Mangelt es auch bei potentiellen Sponsoren an der Identifikation mit der Stadt? Ich weiß es nicht.
neue Lu: Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Rolle der Metropolregion Rhein-Neckar?
Karl Heinz Ries: Da ich auch Mitglied des Expertenteams der Sportregion Rhein-Neckar bin, kann ich sagen, dass sich diese Initiative sehr positiv auf die Region ausgewirkt hat. Zu nennen wäre hier unter anderem die Kooperation des ABC Ludwigshafen und der MTG Mannheim, die sich gut entwickelt hat. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar Ludwigshafen nicht unter die Räder kommt. Mannheim ist doppelt so groß wie Ludwigshafen und Heidelberg ist weltweit bekannt. Ludwigshafen muss hier ganz klar seine Stärken als ein Oberzentrum der Region herausstellen!
neue Lu: Als LSV-Vorsitzender wird man mit unterschiedlichen Interessenslagen konfrontiert. Welche Eigenschaften benötigt man hier besonders und welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger?
Karl Heinz Ries: Man muss eine Linie verfolgen und die ist, dass die Vereine in der Lage sein sollen, finanziell gut ausgestattet gute Arbeit zu leisten. Dennoch muss man bereit sein zum Kompromiss und Realitäten wahrnehmen. Wenn die Stadt sparen muss, muss eben auch der Sport seinen Teil hierzu beitragen. Erfreulich ist hierbei, dass es die Vereine in Ludwigshafen trotzdem besser haben als in anderen Gemeinden. Der städtische Bereich Sport war und ist hier ein guter Partner für den LSV - und zum Beispiel bei Veranstaltungen geben dies die Vereine mit hohem Engagement an Ludwigshafen zurück. som