Weniger schwere Kost bietet die von Philip Tiedemann inszenierte Aufführung von Brechts bekanntestem Einakter, der "Kleinbürgerhochzeit", am 6. Dezember um 19.30 Uhr. Brecht rechnete in dem Schauspiel, das er 1919 im Alter von 21 Jahren schrieb, mit dem deutschen Spießertum ab. Die Kulisse bildet die Hochzeit in kleinbürgerlichem Hause. Nach und nach brechen die heimgewerkelten Möbel unter den Menschen zusammen und damit die Fassade aus Heuchelei.
Am Ende der Weltwirtschaftskrise schrieb Brecht die "Heilige Johanna der Schlachthöfe". Die von Claus Peymann inszenierte Parabel wird am 8. und 9. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, aufgeführt. Johanna Dark, Leutnant der Heilsarmee, versorgt verarmte und arbeitslos gewordene Arbeiter vor den Schlachthöfen Chicagos. Es ist ihr unverständlich, dass die elenden und hungernden Menschen nichts von Gott hören möchten.
Johanna sucht den Verantwortlichen für diese Tragödie und findet den Fleischkönig Mauler. Dieser versucht Johanna davon zu überzeugen, dass die Armen ohnehin schlechte Menschen sind und ihr Leiden selbst verschuldet haben. Doch Johanna erkennt, dass die Unmoral der Armen nicht angeboren ist, sondern von ihrer Armut herrührt.
Unbeirrt setzt sich Johanna weiter für die Arbeiter ein. Doch bald muss sie erkennen, dass ihr Idealismus missbraucht und sie zum Spielball der kühl kalkulierenden Kapitalisten wird. höc