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neueLu November/Dezember 2006

Bertolt Brecht zu Ehren

Berliner Ensemble gastiert mit Inszenierungen von Peymann und Tiedemann

Dem deutschen Dramatiker Bertolt Brecht, der am 14. August 1956 starb, widmen sich die II. Festspiele Ludwigshafen mit einer eigenen Brechtwoche. Das Berliner Ensemble führt vom 4. bis zum 9. Dezember "Mutter Courage und ihre Kinder", "Die Kleinbürgerhochzeit" und die "Heilige Johanna der Schlachthöfe" im Theater im Pfalzbau auf.

Mit "Mutter Courage" beginnt die Brechtwoche. Claus Peymanns Inszenierung des Stückes wird sowohl am 4. als auch am 5. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr gezeigt. Der Dreißigjährige Krieg bildet den Schauplatz für das 1939 geschriebene Drama. "Mutter Courage" reist mit ihren drei Kindern in der Hoffnung auf Profit dem Krieg hinterher. Ihr blindes Beharren kostet sie zum Schluss ihr Vermögen, ihren Liebhaber und ihre Kinder. "Mutter Courage", die im Stück auch als "Hyäne des Schlachtfeldes" tituliert wird, stellt dabei ihre ökonomischen Interessen über zwischenmenschliche Beziehungen und Gefühle.

Claus Peymann hütet sich in seiner Inszenierung vor Anklängen an die berühmte Inszenierung Erich Engels und Brechts mit Helene Weigel in der Hauptrolle. Er verzichtet auf Aktualisierungen und setzt vor allem auf die Hauptdarstellerin Carmen-Maja Antoni. "Am stärksten ist Antoni als Komödiantin, als gewitzte Überlebenskünstlerin mit dem Herz auf dem rechten Fleck."

Weniger schwere Kost bietet die von Philip Tiedemann inszenierte Aufführung von Brechts bekanntestem Einakter, der "Kleinbürgerhochzeit", am 6. Dezember um 19.30 Uhr. Brecht rechnete in dem Schauspiel, das er  1919 im Alter von 21 Jahren schrieb, mit dem deutschen Spießertum ab. Die Kulisse bildet die Hochzeit in kleinbürgerlichem Hause. Nach und nach brechen die heimgewerkelten Möbel unter den Menschen zusammen und damit die Fassade aus Heuchelei.

Am Ende der Weltwirtschaftskrise schrieb Brecht die "Heilige Johanna der Schlachthöfe". Die von Claus Peymann inszenierte Parabel wird am 8. und 9. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, aufgeführt. Johanna Dark, Leutnant der Heilsarmee, versorgt verarmte und arbeitslos gewordene Arbeiter vor den Schlachthöfen Chicagos. Es ist ihr unverständlich, dass die elenden und hungernden Menschen nichts von Gott hören möchten.

Johanna sucht den Verantwortlichen für diese Tragödie und findet den Fleischkönig Mauler. Dieser versucht Johanna davon zu überzeugen, dass die Armen ohnehin schlechte Menschen sind und ihr Leiden selbst verschuldet haben. Doch Johanna erkennt, dass die Unmoral der Armen nicht angeboren ist, sondern von ihrer Armut herrührt.

Unbeirrt setzt sich Johanna weiter für die Arbeiter ein. Doch bald muss sie erkennen, dass ihr Idealismus missbraucht und sie zum Spielball der kühl kalkulierenden Kapitalisten wird.  höc

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