Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Vorfreude: Auch bei den Kindern im Kinderhaus am Ebertpark wächst die Spannung, denn schon traditionell kommt um Nikolaus das Kindertheater KiT’z zu einer Aufführung in die Kindertagesstätte. Kinder, Eltern und Erzieherinnen tauchen dann gemeinsam in eine andere Welt ein. Theater, Musik, Literatur und Malerei spielen überhaupt eine große Rolle im Jahresablauf der Einrichtung.
Der Auftritt von KiT’z ist das alljährliche Weihnachtsgeschenk der Kindertagesstätte an die 186 Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren, die die neungruppige Einrichtung besuchen. Die Theateraufführung ist einer der Höhepunkte des Kindergartenjahres, in dessen Verlauf die Kinder mit ganz unterschiedlichen Themen vertraut werden.
Dabei reden die Mädchen und Jungen regelmäßig mit, wenn es darum geht, welche Themen in den Gruppen aufgegriffen werden. Jede der neun Gruppen setzt so ihre eigenen Schwerpunkte, sei es die Erkundung des eigenen Stadtteils, sei es Mathematik oder Biologie. Oft stehen Kulturprojekte im Mittelpunkt: Der "Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe gehört genauso dazu wie die Malerei Vincent van Goghs. So vertraut sind die Jungen und Mädchen mit dem Künstler, dass sie von "Vincent" sprechen, als wäre er ein lieber Freund. Eine eigene Ausstellung mit Kinderbildern zu Van Goghs "Sonnenblumen" mit Vernissage war ein besonderes Highlight für die Kinder und Erzieherinnen.
"Wir arbeiten nach dem so genannten Situationsansatz, das heißt, die Erzieherinnen nehmen in den Gruppen sehr genau wahr, welche Themen die Kinder interessieren und dann überlegen wir gemeinsam, wie wir mit den Kindern etwas erarbeiten können. Wichtig ist, dass die Kinder dabei merken, dass wir sie mit ihren Wünschen ernst nehmen", erläuterte die Leiterin des Kinderhauses, Eva Fleischer-Harjung im Gespräch mit der neuen Lu. Auch Regeln für das Verhalten im Kinderhaus oder im großzügigen Freigelände direkt am Ebertpark werden gemeinsam festgelegt. "Wir können uns da ganz auf die Kinder verlassen und ihnen vertrauen. Schlechte Erfahrungen haben wir noch nie gemacht. Wir merken vielmehr, dass die Kinder aus diesem demokratischen Miteinander viel Selbstbewusstsein mitnehmen in den Alltag", so Fleischer-Harjung.
Schon die Kleinsten sind beispielsweise mit Musik zu begeistern. Mozarts Zauberflöte gehört im Kinderhaus regelmäßig zu den Lieblingsstücken der Kinder. Dabei wird nicht nur in der Kindertagesstätte selbst Musik gehört, gesungen oder der Inhalt der Oper in Bilder umgesetzt. Auch ein Besuch in der Kindervorstellung der "Zauberflöte" im Mannheimer Nationaltheater steht auf dem Programm. Einige der Jungen und Mädchen waren danach noch mit ihren Eltern in der Erwachsenenvorstellung. "Für uns ist es erstaunlich, wie die Kinder die Themen auch mit nach Hause nehmen. Sie erwarten regelrecht, dass sich ihre Eltern auch für das interessieren, was sie gerade lernen und fordern das auch ein", schildert Marlitt Reichenbach, die stellvertretende Leiterin des Kinderhauses. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist den Erzieherinnen besonders wichtig. Ein Wandbild zum Projekt Zauberlehrling entstand in einer Gemeinschaftsaktion mit den Eltern und ganz stolz zeigen die Kinder Besuchern, was ihre Mütter und Väter geleistet haben.
Auch beim Vorlesen sind die Eltern aktiv dabei. Im dritten Jahr organisiert der Elternausschuss in diesem Herbst Vorlesenachmittage. Eltern, Erzieherinnen und große Hortkinder lesen dann in stimmungsvoller Atmosphäre Geschichten vor, die sich die Kinder zuvor herausgesucht haben. Wenn die Kleinen dann aktiv mitmachen, gespannt lauschen, was die Helden der Geschichten erleben und später in ihren Gruppen nacherzählen was sie gehört haben, ist das für die Erzieherinnen Beleg dafür, dass im Kinderhaus der Bildungsauftrag an die Kindertagesstätten ernst genommen und erfüllt wird.