Wenn ältere Menschen stürzen, ist dies oftmals mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen verbunden. Stürze gefährden die Selbstständigkeit und bei einer Verletzung geht die ursprüngliche Beweglichkeit verloren, im schlimmsten Fall tritt eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit ein. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts betreffen 90 Prozent aller Hüftfrakturen Menschen über 65 Jahre. Der Bereich Sport der Stadt bietet ab Januar ein neues sporttherapeutisches Programm für Seniorinnen und Senioren an, das helfen soll, Stürze zu vermeiden.
Geleitet wird das Programm von Sporttherapeutin Andrea Spies, die sich zum Thema Sturzprophylaxe beim Institut für Sportwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg weitergebildet hat. "Ein Sturz und seine gesundheitlichen Folgen haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität älterer Menschen. Der typische Alltagssturz sollte nicht als gegeben oder gar als Normalität ab einem gewissen Alter hingenommen werden. Mit entsprechender Verhaltensänderung kann man lernen, standfest älter zu werden. Genau das wollen wir mit unserem neuen Angebot erreichen", so Spies, die seit 17 Jahren Sporttherapiegruppen leitet.
Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geht Andrea Spies den möglichen Ursachen für einen Sturz auf den Grund: Beleuchtet wird dabei die häusliche Umgebung genauso wie die Benutzung riskanter Hilfsmittel und altersbedingte Veränderungen in der körperlichen Leistungsfähigkeit. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann das Sturzrisiko erhöhen. Das konkrete Training hat vier Schwerpunkte: Krafttraining zur Stabilisierung der Fußmuskulatur, der Beine und Oberschenkel, des Beckenbodens, des Rückens und der Arme; Ausdauertraining und Gangschule in Form eines Herz-Kreislauftrainings; Koordinationsübungen zur Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit, der Reaktions- und Orientierungsfähigkeit und der Konzentration sowie Übungen zur geteilten Aufmerksamkeit und der Schritttherapie; Verhaltenstraining nach einem Sturz. Bei einem Hausbesuch werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf gefährliche Hindernisse in ihren Wohnungen aufmerksam gemacht, zum Beispiel auf Stolperfallen wie hochstehende Teppiche oder freiliegende Kabel.
Am Interventionsprogramm teilnehmen können mit Einverständnis ihres Hausarztes ältere Menschen, die selbständig leben und keine schweren körperlichen Einschränkungen haben. Vor Gruppenbeginn und nach Ende des Programms werden ein Fragebogen ausgefüllt und drei Eingangs- und Abschlusstests durchgeführt.
Angeboten wird der Kurs zunächst im Stadtteil Niederfeld. Hier sind 30 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Beginn ist am Montag, 8. Januar 2007, im Gymnastikraum des Postsportvereins, Bayreutherstraße 3. Enden wird der Kurs am 23. Mai 2007. Die Gruppe trifft sich in dieser Zeit zweimal pro Woche, montags von 14.30 bis 15.30 Uhr und mittwochs von 15.15 bis 16.15 Uhr. Teilnehmen können bis zu zwölf Personen. Die Kosten belaufen sich für die 38 Trainingsstunden auf 190 Euro pro Person. Derzeit finden Gespräche mit den Krankenkassen wegen einer Kostenbeteiligung statt.
Nach Abschluss des Kurses werden die Daten ausgewertet und die Effektivität des Angebotes überprüft. Begleitet wird das Programm vom Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg.
"Mit ‚Standfest älter werden’ gehen wir einen neuen Weg. Wir bieten praktische Lebenshilfe und Gesundheitsvorsorge in einem. Damit wollen wir älteren Menschen helfen, Risiken zu vermeiden, Kraft und Ausdauer zu erhalten und so länger gesund leben zu können. In einer Gesellschaft, die immer älter wird, ist ein solches Angebot doppelt sinnvoll. Seniorinnen und Senioren erhalten sich ihre Lebensqualität und wir vermeiden gleichzeitig Folgekosten für unser Gesundheitssystem, die die Allgemeinheit zu tragen hätte", erläuterte Sozialdezernent Wolfgang van Vliet im Gespräch mit der neuen Lu.
Interessierte können sich an Andrea Spies wenden, Bereich Sport der Stadt, Telefon 504-3317. Mü