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"Mögest Du in interessanten Zeiten leben." Dieser chinesische Fluch ist im Leben des 1894 geborenen Ludwigshafener Bürgermeisters Ludwig Reichert wahr geworden. Die Umbrüche der deutschen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegeln sich in seinem Handeln und Denken.

Zwei Weltkriege, die in ihrer Existenz stets bedrohte Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Ruinen der Nachkriegszeit hat er durchlebt, ist mehrfach nur knapp dem Tod entronnen, geriet als Demokrat und kompromissloser Gegner der Nazis ins Fadenkreuz der Gestapo. Seinen politisch und rassisch verfolgten Freunden und Bekannten hielt er dennoch die Treue. 1945 wurde er Bürgermeister Ludwigshafens. Bereits seit 1925 hatte er dort als Grundstücksreferent gearbeitet. Ihm verdankt die Stadt neben der Erhaltung des Ebertparks und der Ansiedlung des Kaufhofs viel von der heutigen baulichen Gestalt der Innenstadt. Der überzeugte Christ und Verfechter offenen Denkens und modernen künstlerischen Schaffens hat als Kulturdezernent das Kulturleben Ludwigshafens nach 1945 wesentlich geprägt. Er war Gründer oder Neugründer des Kunstvereins, der Kunstsammlung und der Volkshochschule. Reichert, der schon in der Weimarer Zeit als Vorsitzender des Zentrums in Ludwigshafen für die Erhaltung der Demokratie kämpfte, war nach 1945 Gründer und erster Vorsitzender der örtlichen CDU. Er engagierte sich in der Europa- und Länderneugliederungsbewegung. Auch gehörte er zu den Verfassungsvätern von Rheinland-Pfalz, war Präsident der Beratenden Landesversammlung in Koblenz. Die Eröffnung des von ihm bis in Details geplanten Kultur-(heute Bürgermeister-Ludwig-Reichert)Hauses war ein Höhepunkt seines Schaffens. Eine tückische Krebserkrankung riss ihn 1957 mitten aus seiner Arbeit, die "weit über das übliche Maß" hinausging, wie Beobachter lobten. Aus Anlass des 50. Todestages Reicherts am 6. Dezember 2007 veröffentlicht das Stadtarchiv eine Biographie. Das etwa 300-seitige Werk ist mit über 130 Abbildungen versehen und wird circa 20 Euro kosten. mö
Am 6. Dezember findet auch um 11.30 Uhr ein Festakt zu Ehren von Ludwig Reichert statt. Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse wird eine Tafel und eine Portraitbüste enthüllen, die vom Künstler Karlheinz Oswald gestaltet wurde.
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