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Als Architekt, Oberbaudirektor und Vorstand des Wohnungsbauunternehmens GAG prägte Markus Sternlieb wie kein anderer das Stadtbild. In Erinnerung an den "Baumeister von Ludwigshafen" eröffnet am 9. November, 18.30 Uhr, der Reichspogromnacht, Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse im Stadtmuseum eine Ausstellung.

Bei der Vernissage sprechen außerdem der Ehrenbürger der Stadt und evangelische Dekan i.R., Dr. Dr. Friedhelm Borggrefe, sowie Peter Ruf, Leiter des Stadtmuseums. Bilder und Dokumente, Pläne und Entwürfe dokumentieren die Leistung des einst hoch angesehenen jüdischen Oberbaudirektors, der maßgeblich am Aufbau des heutigen städtischen Immobilienunternehmens GAG beteiligt war. Das Straßenbahndepot mit seiner Jugendstilfassade, das gerne als Ludwigshafener "Stadtschloss" bezeichnete Stadthaus Nord, der Ebertpark, aber auch die so urban wie keine anderen Gebäude in Ludwigshafen wirkenden "Franzosenhäuser" im Stadtteil Süd sind durch seine Planung beziehungsweise unter seiner Leitung entstanden. Seit 1905 war er in der Ludwigshafener Bauverwaltung tätig, kümmerte sich zunächst um menschenwürdiges Wohnen in den Arbeiterquartieren des Hemshofs, ergriff aber bald die Initiative im gesamten städtischen Bauwesen, ab 1920 schließlich als Oberbaudirektor. Parallel dazu übernahm er zunächst ehrenamtlich in Personalunion mit Bruno Körner die Leitung des Wohnungsbauunternehmens GAG.

Das Amt des Oberbaudirektors bei der Stadt gab er 1926 auf, um sich ausschließlich den Aufgaben als Technischer Vorstand bei der GAG zu widmen. In dieser Funktion setzte er ebenfalls bauplanerische und städtebauliche Maßstäbe. Erwähnt sei nur die Ebertsiedlung, die für damalige Verhältnisse äußerst komfortabel - unter anderem mit Bädern, Einbauküchen und Zentralheizung - ausgestattet war. Diese Siedlung wurde ganzheitlich geplant, sie umfasste das komplette Wohnumfeld der Bewohnerinnen und Bewohner. Durch viele Verkaufsflächen, Malerateliers, eine Polizeistation, einen Kindergarten, Spielhöfe mit Planschbecken, eine Zentralwäscherei und ein Fernheizkraftwerk zeichnete sich diese Vorzeige-Anlage unter anderem aus. "Aus gesundheitlichen Gründen", so die offizielle Version, trat der 55-jährige Sternlieb zum Jahreswechsel 1932/ 33 in den Ruhestand. Er starb am 23. Oktober 1934, im Alter von 57 Jahren. Seine Urne ist auf dem israelitischen Friedhof in Ludwigshafen beigesetzt. Sternliebs Familie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt. Seine Ehefrau Selma deportierten die Nazis 1940 mit anderen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in das südfranzösische Lager Gurs. Mit Hilfe ihrer beiden Töchter gelang es der Witwe Sternliebs in die USA zu emigrieren. Mit der Ausstellung, die bis zum 11. Januar 2009 dauert, wird an eine große Persönlichkeit der Stadt Ludwigshafen gedacht. Bereits 2002 war auf Initiative des Ehrenbürgers Dr. Dr. Friedhelm Borggrefe ein Gedenkstein im Hof der Rheinschule errichtet worden. Stifter dieses 90 Zentimeter hohen Granitquaders ist der Oggersheimer Steinmetz Heinz Münch. Gestaltet haben "die steinerne Erinnerung wider das Vergessen" das Bildhauerehepaar Barbara und Professor Gernot Rumpf.
1910: Straßenbahndepot, 1913: Stadthaus Nord, 1914: Rheinschule, 1922 und 1923: in der Gartenstadt "Kriegerheimstätten" und die ersten Wohnsiedlungen für Arbeiterfamilien "Roter und Grüner Hof", 1924 bis 1926: Finkennest in Friesenheim, 1925: Ebertpark im Rahmen einer Gartenausstellung, 1927 bis 1930: Friedrich-Ebert-Siedlung, 1929/1930: Westend-Siedlung am neuen Messplatz, 1931: Christian-Weiß-Siedlung im Stadtteil Süd, Shellhaus und Stadthaus Lutherstraße. tim/ruf
Öffnungszeiten im Stadtmuseum, Rathaus-Center: Dienstag, 10 bis 17 Uhr, Donnerstag, 10 bis 19 Uhr, und Sonntag, 10 bis 17 Uhr.
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