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neueLU September/Oktober 2007

Fest verbunden mit der Stadt

Älteste Vereine schlagen die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Die junge Stadt Ludwigshafen kann mittlerweile auf 154 Jahre Stadtentwicklung und -geschichte zurückblicken. Heute ist die ehemalige Rheinschanze eine Großstadt mit allem, was dazu gehört: einer lebendigen Bevölkerung, einer pulsierenden Wirtschaft und einem florierenden kulturellen Leben. Zu alldem tragen Vereine und Verbände einen wichtigen Teil bei. Heute existieren mehrere hundert Vereinigungen in Ludwigshafen. Derart ausgeprägt war das Vereinswesen nicht immer. In den Jahren der Stadtgründung gab es nur wenige solcher Zusammenschlüsse, aber einige davon bestehen bis heute.

 

 

Als am 15. April 1853 die Gemeindeverwaltung die Arbeit aufnahm und Ludwigshafen damit offiziell gegründet war, existierte schon ein Verein auf dem neuen Stadtgebiet, die Schützengesellschaft von 1851. Vereine wurden in dieser Zeit fast ausschließlich in den damals noch selbstständigen Stadtteilen gegründet. Viele dieser Zusammenschlüsse verschwanden allerdings auch wieder. Neben der Schützengesellschaft bestehen heute noch weitere Vereine, die zwischen der Bildung der Gemeinde Ludwigshafen 1853 und der nationalstaatlichen Einigung durch das Kaiserreich 1870/71 oder noch früher gegründet wurden. Der älteste davon ist der Singverein Oggersheim aus dem Jahr 1842. Daneben entstanden eine Reihe weiterer Gesangvereine. Der Liederkranz Edigheim (1845) und der Liederkranz Oppau (1843). Zudem die Männergesangvereine Mundenheim (1856), später Liederkranz (1872), und Rheingönheim (1865). Die Chorgemeinschaft Friesenheim hat ihren Ursprung im Singverein von 1858. Ebenfalls aus dieser Zeit datieren sowohl der Verein Frohsinn aus Oggersheim (1860) als auch die Gesangvereine Ruchheim (1862) und Maudach (1864). Die Stadt Ludwigshafen selbst erscheint erst ab 1860 als Gründungsort, beispielsweise beim Verein Frohsinn und dem Liederkranz Ludwigshafen, der nur sechs Jahre nach seiner Entstehung im Cäcilienverein aufging. Beide Vereinigungen bestehen, im Gegensatz zur Liedertafel Bavaria Ludwigshafen (1861), heute nicht mehr. Schließlich kam noch der Turnverein 1861 hinzu, der heute den Namen Turn- und Fechtclub 1861 trägt. Ähnlich alt sind einige Kirchenchöre, die allerdings keine "eingetragenen Vereine" sind.

"Freiheit im Reich der Töne" - Der Singverein Oggersheim

 

Vereinsgründungen sind stets ein charakteristischer Spiegel ihrer Zeit. Die königlich bayerische Regierung untersagte die meisten Vereinigungen, da diese unter dem Verdacht standen, politisch gegen den König zu arbeiten. Gesangvereine erschienen als eine weniger verfängliche Form der Zusammenkunft. Diesem Zweck widmeten sich deswegen die meisten Neugründungen. So auch Ludwigshafens ältester Verein, der Singverein aus Oggersheim. 1842 traten 13 Gründungsmitglieder mit dem Wahlspruch "Treu unser Herz – wahr unser Wort – frei unser Lied – Gott unser Hort" an. Aufgenommen wurden damals nur Männer von gutem Ruf. Singen war zwar die unverfänglichste Form der Vereinigung, dennoch durften Singstunden nur in Schulsälen und teilweise unter polizeilicher Aufsicht abgehalten werden. Der Verein erlangte in den folgenden Jahrzehnten durch die erfolgreiche Durchführung verschiedenster Konzertveranstaltungen großes Ansehen in der Region. So bekam der Verein 1957 auch die "Zelterplakette" für besondere Verdienste um die Chormusik verliehen. Heute werden in der wöchentlichen Singstunde Volkslieder, deutsche Schlager oder Operetten gesungen. Trotz allen Ansehens hat der Verein mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Noch 273 Mitglieder und 34 Sänger zählt der Singverein aktuell. Aber gerade die Rekrutierung neuer Mitglieder bereitet wegen des veränderten Freizeitverhaltens der Menschen Probleme. Die größere Mobilität bietet heute mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung als früher. Mitte der 90er Jahre scheiterte zudem der Versuch einen Frauenchor zu gründen. "Ein reiner Männerchor hat wohl weniger Chancen zu bestehen als ein gemischter oder ein jugendlich-moderner Chor", mutmaßt der Vorsitzende des Vereins, Karl Heinz Ohler, und hofft, zumindest noch das 175. Vereinsjubiläum feiern zu können. In der näheren Zukunft lädt der Verein am 22. September 2007 zu einem großen Operettenkonzert in der Oggersheimer Festhalle ein.

Breites Sportangebot trägt zur Selbstverwirklichung bei

Solchen Problemen sieht sich der Turn- und Fechtclub 1861 Ludwigshafen nicht gegenüber. Im Gegenteil: In den letzten zehn Jahren sind die Mitgliedszahlen deutlich gestiegen. Heute hat der Verein etwa 700 Mitglieder, die meisten davon in der Hockeyabteilung, dem Aushängeschild des Vereins. Bei seiner Gründung als Turnverein 1861 gehörten dem Verein lediglich 60 Turner an. Damals standen vor allem Turnvereinigungen wegen der "Jahnbewegung" unter dem Verdacht, politisch gegen das Königtum zu arbeiten. Dennoch gelang es dem Club, sich zu vergrößern. 1937 schloss man sich mit weiteren Vereinen zu einem Großverein zusammen. Dieser nannte sich fortan TSG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein zunächst unter demselben Namen wieder gegründet. Bald darauf wurde er jedoch in seinen heutigen Namen umbenannt. Dabei macht der Verein diesem erst seit kurzem wieder alle Ehre. 2007 wurde die Fechtabteilung neu gegründet, nachdem sie eine Weile nicht existierte. "Der TFC erweitert die Vielfalt des Freizeitangebotes in Ludwigshafen. Das trägt zur Selbstverwirklichung der Bürgerinnen und Bürger und zur Bindung an die Stadt bei", zeigt sich Hermann Ballosch, Vorsitzender des Vereins, stolz auf das familiäre Umfeld und das breite Angebot des Clubs. Denn es werden neben Hockey und Fechten auch Kampfsport, Tischtennis, Turnen und mitgliedschaftsfreie Tae-Bo-, Bauch-Beine-Po- und Nordic-Walking-Kurse angeboten. Auch wegen der stabilen finanziellen Lage blickt er positiv in die Zukunft. So haben die Planungen für das 150-jährige Jubiläum 2011 bereits begonnen. "So eine Veranstaltung muss Hand und Fuß haben", betont Ballosch. Bis dahin soll auf dem Vereinsgelände auch ein neues Clubheim entstehen.

Erfolgreiche Tradition: Schützengesellschaft Ludwigshafen

Die Schützengesellschaft gehört von Beginn an zu Ludwigshafen. 1851 wurde sie als zwanglose Vereinigung zur Ausbildung im Schießen gegründet. Da die bayerische Re-gierung gestattete, die "Freiheit mit der Waffe verteidigen" zu können, wie man damals sagte, wurde diese Vereinigung nicht wieder aufgelöst. Sie war ein bedeutsamer Treffpunkt für das gehobene Ludwigshafener Bürgertum. Für die städtischen Honoratioren war die Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft Ehrensache. Einige spätere Bürgermeister übernahmen das Amt des Oberschützenmeisters, darunter Josef Hoffmann, Georg Kutterer oder Carl Grünzweig. War der Verein früher noch das Aushängeschild der Stadt, stellt das Schützenwesen heute nur noch eine Randerscheinung dar. Die Sportschützen belegen bei Meisterschaften regelmäßig die vorderen Plätze. "Doch trotz dieser Erfolge und dem Ansehen, das der Verein in der Branche genießt, ist es schwer neue Sponsoren zu finden", zeigt sich Oberschützenmeister Wolfgang Hautz enttäuscht über diesen Zustand. Dennoch sind die Mitgliedszahlen zwischen 800 und 900 Mitgliedern seit Jahren konstant und der Verein sieht sich keinen großen finanziellen Problemen gegenüber. Kapital ist vor allem die 5,6 Hektar große und gut ausgestattete Schießanlage, die der Verein seit 1967 größtenteils in Eigenleistung aufgebaut hat. Die Kapazitäten der Anlage erlauben die Durchführung etlicher Meisterschaften. Im mehrmaligen Wechsel des Vereinsgeländes sieht Hautz den größten Beitrag der Schützengesellschaft zur Stadtentwicklung, denn so konnte sich die damals junge Stadt weiter ausdehnen. Die aktuelle Anlage soll jedoch die letzte bleiben. In die Zukunft sieht Hautz positiv. Die Sportschützen sind nach wie vor erfolgreich und von der Neueröffnung des 100-Meter-Schießstandes 2008 erhofft man sich, neue Mitglieder zu gewinnen. Interessenten sind zu den Schießzeiten eingeladen, den Umgang mit der Waffe unverbindlich zu testen.
Trotz aller Probleme wie wirtschaftlicher Krisen oder Kriege bestehen Ludwigshafens älteste Vereine über anderthalb Jahrhunderte und sind somit teilweise älter als die Gemeinde selbst. "Nicht nur die ´alten´ Vereine wie der TFC, die Schützengesellschaft oder der Singverein leisten viel für Ludwigshafen. Ein ausgeprägtes Vereinswesen ist wichtig für eine Großstadt. Es sind eben auch die vielen hundert Vereine, die Ludwigshafen zu einer liebens- und lebenswerten Stadt machen", betont Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse.   Karlein

 

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