neue Lu: Im Programm der III. Festspiele steht wieder eine Inszenierung von Hansgünther Heyme. Wie sind die Proben angelaufen?
Heyme: Ja, wir sind endlich wieder vor Ort in Ludwigshafen und arbeiten an einem ganz, ganz neuen Text. Wir haben sogar die Uraufführung. Keine Bühne in Frankreich spielt das sehr aggressive Material. Nach Ludwigshafen (und dem Co-Produktions-Partnertheater in Kaiserslautern) wird erst am Nationaltheater in Jerusalem im Frühjahr 2008 eine zweite Inszenierung erarbeitet werden. Eine Radiofassung lief übrigens mit riesigem Erfolg in Frankreich, denn das Stück ist eben auch sehr komisch, neben allem Grauen, aller Tragik. Man lebt, wenn man nicht gerade von einer Bombe zerrissen wurde, nun ja, wie man vielleicht in Ludwigshafen leben würde, wenn man nicht im "Heiligen Land" beheimatet wäre. Die Proben haben toll begonnen. Brigitte Horn kenne ich seit zwanzig Jahren, Dieter Laser aus zwei Produktionen, Sungar Weineck aus deren drei. Die zwei ganz Jungen sind neu - insofern eine toll zusammengewürfelte Gruppe. Die Produktion ist ein sehr großes Abenteuer. Was dabei herauskommt? Wir alle hoffen großes, wahres Theater. Und wie man an einen solch extremen Text herangeht? Wir wissen es nicht. Wir werden ihn gemeinsam erkunden. Sehr unsicher. Sehr produktiv.
neue Lu: "Heiliges Land" ist eine Uraufführung. Was hat Sie bewogen, ein Stück von Mohamed Kacimi zu inszenieren?
Heyme: Die Textqualität. Das Stück ist gemeinsam mit Schauspielern entstanden - so kamen sehr gute Rollen zustande, sehr gute, packende, berührende Szenen. Zum Heulen und zum Lachen. Der Text diskutiert die grauenvolle Situation Israel-Palästina. Er nimmt radikal Stellung. Nicht für Israel - nicht für die Palästinenser. Viele Bühnen in Deutschland wollten das Stück haben. Wir haben die Rechte bekommen. In Frankreich ist Kacimi, der in Algerien geborene Franzose, ein wichtiger, junger Autor. Hier kennt man ihn noch nicht.
neue Lu: Das Programm der diesjährigen Festspiele ist politischer, aktueller als das der Vorjahre. Stimmt der Eindruck?
Heyme: Ja.
neue Lu: Eine weitere Besonderheit im Programm sind die Diskurse im Corso, bei denen Sie Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft zum Gespräch laden. Welche Themenschwerpunkte setzen Sie?
Heyme: Wir wollen sprechen über den Nahen Osten, Afrika, den Fremdenhass allerorten, also über die Themen, über die es nachzudenken gilt. Wenn wir das Problem "Afrika" nicht lösen, nicht als das unmittelbar "unsere" angehen, werden wir bald keine Probleme mehr haben. Andere werden sie "gelöst" haben - zur Katastrophe von Europa.
neue Lu: Das Corso Film Theater – sowie für die großen Tanzveranstaltungen die Friedrich-Ebert-Halle – sind einmalige Ausweichquartiere für die III. Festspiele während der Sanierung des Pfalzbaus. Was ist das besondere an der Location?
Heyme: Die Eberthalle wurde ja schon des Öfteren vom Theater im Pfalzbau bespielt, das Corso Film Theater ist ein ganz besonderer Raum. Man dürfte, sollte ihn nach diesem Herbst nicht aufgeben. Wir werden sehen, wie er funktioniert. Das Corso hat eine sehr eigene Atmosphäre. Ich hoffe, wir können diese trotz aller Theater -"Einbauten" erhalten, steigern. Elf mal elf Meter Bühnengröße, wie wir es im Corso haben werden, ist auch für modernes Tanztheater noch respektabel. Man sieht eben toll wegen des steilen Zuschauerraums, man sitzt ganz nah "inmitten" der Handlung. Anfang Dezember machen wir dort ja auch im Anschluss an die III. Festspiele Ludwigshafen einen fließenden Übergang zum Kinder-Theater. Eigentlich bin ich sicher, alles wird klappen: Ab 11. Oktober bis Weihnachten wird es hoch hergehen im Corso. Und irgendwie im Zentrum liegt natürlich die Eigeninszenierung von Kacimis "Heiligem Land". Nach "Pessach", "Elektra", "Orestes" und "Die Hose" der fünfte Wurf. Hoffentlich wird es ein solcher. ska