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neueLU September/Oktober 2007

"Idealer Nährboden für Kunst"

Dr. Reinhard Spieler zur Zukunft des Wilhelm-Hack-Museums

In Ludwigshafen übernimmt ab 1. September Dr. Reinhard Spieler die Leitung des renommierten Wilhelm-Hack-Museums. Der Gründungsdirektor des im schweizerischen Burgdorf (bei Bern) gelegenen museums franz gertsch, geboren 1964 in Rotenburg an der Fulda, will neue Zeichen setzen. Auch die 4,5 Millionen teure Sanierung des Hauses möchte der promovierte Kunsthistoriker für eine Änderung nutzen. Seine konkreten Vorstellungen formulierte Dr. Reinhard Spieler in einem Interview mit der neuen Lu.

neue Lu: Herr Spieler, Sie treten nun die Stelle als Leiter eines Museums an, das fast ein Jahr komplett geschlossen ist. Was wollen Sie in dieser Zeit in Angriff nehmen?
Reinhard Spieler: Zunächst einmal steht die Sanierung des Hauses im Mittelpunkt, die sicherlich viel Zeit und Energie erfordern wird. Auch personell müssen die Weichen für die Zukunft gestellt und einige Stellen, die frei geworden sind, neu besetzt werden. Dann steht natürlich die Programmplanung für die Zeit nach der Wiedereröffnung an – auch wenn es erstaunlich klingen mag, aber die Leihfristen sind für wichtige Werke so lang, dass wir zum Teil schon wirklich spät dran sind. Das Programm der Scharpf-Galerie läuft weiter und wird von uns mit betreut, zudem haben wir eine Kooperation mit dem Kunstverein vereinbart und werden dort ein gemeinsames Projekt durchführen. Schließlich gilt es, die Zeit zu nutzen um Kontakte zu anderen Häusern und zu möglichen Sponsoren zu knüpfen – Arbeit gibt es also auch während der Schließzeit genug!

neue Lu: Sie sehen doch in der Sanierung auch eine große Chance, die Architektur zu verändern?
Reinhard Spieler: Das ist in erster Linie eine Frage des Budgets, und wir werden sehen, was letztlich wirklich umgesetzt werden kann. Mir ging es zunächst einmal darum, erfahrene Architekten in die Sanierungsplanung mit einzubeziehen. Grundsätzlich möchten wir die Architektur wieder etwas mehr auf den ursprünglichen Geist zurückbringen, das heißt, die Großzügigkeit und Offenheit des Raumes betonen.

neue Lu: Wie viele Ausstellungen werden jährlich zu sehen sein?
Reinhard Spieler: Geplant sind drei „kuratierte“ Ausstellungen pro Jahr, die noch von einer Preisträger-Präsentation oder ähnlichem ergänzt werden können. In der Regel wird es zwei monographische und eine thematische Ausstellung geben.

neue Lu: Haben Sie schon konkrete Pläne für Ihre erste Ausstellung im Museum?
Reinhard Spieler: Wir werden das Haus mit einem programmatischen Bekenntnis zur Sammlung wiedereröffnen – mit einer sehr ungewöhnlichen Präsentation der Sammlung. Mehr möchte ich aber dazu noch nicht verraten.

neue Lu: Wie möchten Sie das Haus in der Metropolregion positionieren?
Reinhard Spieler: Ich habe in der ersten Vorstellungsrunde von einem Kraftort für die zeitgenössische Kunst gesprochen – das ist weiterhin meine Vision für das Museum. Eine sinnvolle und fruchtbare Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst heißt aber für mich auch, sie in historische Kontexte einzubinden – sei es in thematischen Ausstellungen oder im Wechsel mit der Präsentation historischer Positionen des 20. Jahrhunderts. Das ist die Aufgabe des Museums im Unterschied etwa zum Kunstverein, der diese Anbindung nicht so suchen muss. Das Museum hat mit seiner Sammlung auf alle Fälle ein hervorragendes Potenzial, um auch überregional eine viel beachtete Rolle zu spielen.

neue Lu: Während der Sanierungszeit werden Sie mit dem Kunstverein kooperieren. Soll dies auch nach der Wiedereröffnung fortgeführt werden?
Reinhard Spieler: Auf alle Fälle. Wir sind bereits im konkreten Gespräch für ein großes gemeinsames Projekt.

neue Lu: Bleibt der Schwerpunkt geometrisch-abstrakte Kunst internationaler Prägung?
Reinhard Spieler: Für die Sammlung auf alle Fälle, wobei man dazu sagen muss, dass mit dem derzeitigen Ankaufsbudget ohnehin kein strategischer Ausbau der Sammlung in nennenswertem Umfang möglich ist. Was das Ausstellungsprogramm betrifft, möchte ich aber schon neue Akzente setzen. Das Museum hat im Bereich der konkreten Kunst viele ausgezeichnete Ausstellungsprojekte realisiert – das lässt sich nicht beliebig wiederholen, und ich möchte das Programm nicht allein darauf verengen. Die Sammlung besteht nicht nur aus konkret-konstruktiven Positionen, sondern hat auch herausragende Werke im Bereich des deutschen Expressionismus, der Pop Art oder Fluxus, aus denen sich ein Programm entwickeln lässt.

neue Lu: Was geschieht mit der Rudolf-Scharpf-Galerie?
Reinhard Spieler: Die Scharpf-Galerie führt ihr Programm auch während der Schließzeit des Museums weiter fort und soll auch in Zukunft – in enger Absprache mit dem Kuratorium – vom Museum mitbetreut werden. Ich würde die Ausstellungen gerne etwas aufwerten, indem jeweils ein kleiner Katalog den Präsentationen mehr Nachhaltigkeit verleiht. Dafür suchen wir noch einen Paten, der uns finanziell unterstützt.

neue Lu: Und nun noch eine Frage zu Ihrer neuen Wirkungsstätte. Wenn Sie Ludwigshafen beschreiben müssten, welches Bild würden Sie von der Stadt am Rhein zeichnen?
Reinhard Spieler: Ludwigshafen ist sicherlich kein Ort für Luxusspielereien, kein Ort, an dem Kunst als Statussymbol oder Schickeria-Zeitvertreib funktionieren würde. Hier sieht die Realität härter aus und wird nicht in Watte gepackt – eigentlich ein idealer Nährboden für eine Kunst, die das Existenzielle im Dasein sucht. Im Verbund mit Mannheim, Heidelberg und der Pfälzer Weinstraßen-Gegend bildet Ludwigshafen insgesamt einen außerordentlich spannenden und vielfältigen Kulturraum!    tim

 

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