Die Diplom-Sozialpädagogin weiß aus langer Erfahrung, dass viele Jugendliche nach der Schule "nirgends ankommen". Gabi Diehm war sowohl in der offenen Kinder- und Jugendarbeit als auch beim Sozialamt tätig, in den vergangenen drei Jahren war sie Fallmanagerin bei der Gesellschaft für Arbeitsmarktintegration, GfA. Als Jugendscout soll sie die berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen. Zielgruppe sind junge Menschen von 15 bis 25 Jahren. "Zu mir kommen die jungen Leute dann, wenn sie anderswo gescheitert sind. Sei es, weil sie die Schule ohne Abschluss verlassen haben, eine Ausbildung abgebrochen oder es erst gar nicht mit einer richtigen Bewerbung versucht haben", schildert Diehm im Gespräch mit der neuen Lu.
Kontakte zu den Jugendlichen bekommt Gabi Diehm auf ganz unterschiedliche Art und Weise: entweder durch die Fallmanager der GfA, die Berufsberatung der Arbeitsagentur, durch Straßensozialarbeiter oder Kollegen aus den Jugendfreizeitstätten. Als Jugendscout geht Gabi Diehm zudem vor Ort, um sich mit jungen Menschen zu treffen, auf die sie aufmerksam gemacht wurde. Damit soll der Zugang zu dieser besonderen Form der Beratung erleichtert werden. Und natürlich können sich junge Menschen auch direkt an den Jugendscout wenden.
Bei ihrem ersten Gespräch versucht Gabi Diehm auch, die Stärken ihres neuen Schützlings herauszufinden. "Es gibt Jugendliche, die schon so viele Misserfolge hinter sich haben, dass sie absolut kein Vertrauen mehr in ihre eigenen Fähigkeiten haben. Da sitzt dann eine 16-Jährige bei mir im Büro und erzählt mir, dass sie gar nichts kann. In diesem Glauben wird sie von ihrer Familie und ihren Freunden noch bestärkt. Da ist viel Geduld und Zeit erforderlich, damit sich wieder eine Perspektive auftut", erzählt Gabi Diehm. Ihre Arbeit besteht daher vor allem darin, herauszufinden, was bisher im Leben der Jugendlichen schiefgelaufen ist und warum. So versucht Gabi Diehm auch zu klären, wie die Lebensumstände sind, ob vielleicht weitere Probleme wie Verschuldung oder Krankheit eine Rolle spielen. Zeit ist dabei ein entscheidender Faktor: "Druck haben die Jugendlichen vorher von vielen Seiten erfahren, ohne dass sich ein Erfolg eingestellt hätte. Ich versuche sehr intensiv mit den Einzelnen zu arbeiten und zunächst eine Vertrauensbasis zu finden", erläutert Diehm. Dann gehe sie daran, die tatsächlichen Neigungen und Ressourcen im Einzelfall zu klären und eine realistische Planung mit den Jugendlichen aufzustellen. "Manche haben einfach keine Vorstellung, was sie eigentlich in ihrem vermeintlichen Wunschberuf leisten müssen. Da klaffen oft große Lücken zwischen den persönlichen Voraussetzungen und den tatsächlichen Anforderungen. Klar, dass es dann schnell zu Frustrationen kommen kann. Deswegen will ich auch realistische Möglichkeiten aufzeigen. Oft ist dabei ein Praktikum hilfreich", so Gabi Diehm. Entscheidend bei ihrer Arbeit sei, dass jeder Schritt eng mit den Jugendlichen abgestimmt werde. Zu Beginn der Betreuung werde vereinbart, welche Schritte umgesetzt werden sollen und in welchem Zeitrahmen. "Es ist ganz wichtig, dass die Jugendlichen merken, dass sie als Partner ernst genommen werden. Sie sollen lernen, ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Dazu gehört auch das Einhalten von Terminen oder das Schreiben von Bewerbungen. Das machen wir Schritt für Schritt, damit niemand überfordert wird. So soll es gelingen, Verweigerungshaltungen aufzubrechen und zu zeigen, dass es für jeden eine Chance im Leben geben kann, wenn sie ergriffen wird", sagt Diehm.
Als Jugendscout steht sie in engem Kontakt zur GfA und zur Arbeitsagentur. Es gehört auch zu ihren Aufgaben, beispielsweise über die gesetzlichen Fördermöglichkeiten auf dem Laufenden zu sein, um in ihren Beratungsgesprächen die richtigen Hilfen anbieten zu können. Deshalb nimmt Gabi Diehm regelmäßig an Sitzungen bei der GfA teil. Außerdem ist sie gerade dabei, sich allen Trägern von Berufsfördermaßnahmen in Ludwigshafen vorzustellen, um sich so ein Netzwerk zu schaffen, mit dem sie ihre Jugendlichen unterstützen kann. Zu den Jugendscouts in anderen Städten und Kreisen hat sie bereits Kontakt aufgenommen, um einen Erfahrungsaustausch einzuleiten.
Die Stelle des Jugendscouts ist im Bereich Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt angesiedelt. Dort sind neben Gabi Diehm zwei weitere Kollegen tätig, die sich um verbesserte Berufschancen für Jugendliche kümmern. Ihr Aufgabenschwerpunkt ist zum einen die Unterstützung von Hauptschülern beim Übergang ins Berufsleben und die weitere berufsorientierte Qualifizierung an den Berufsbildenden Schulen. Die Stelle des Jugendscouts wird finanziell gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, ESF, des Landes Rheinland-Pfalz und der GfA. 15 Prozent der Kosten trägt die Stadt Ludwigshafen. mü