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neueLu September/Oktober 2008

Als Partner ernst nehmen

Jugendscout kümmert sich seit 1. Juli um Jugendliche ohne Berufsperspektive

Kein Schulabschluss, ein Praktikum abgebrochen, Termine bei der Berufsberatung nicht wahrgenommen und zu allem Überfluss Stress mit den Eltern, weil das Kindergeld gestrichen wurde: Damit das Be­rufsleben nicht schon endet, bevor es richtig angefangen hat, können sich junge Leute bis 25 Jahre seit 1. Juli an Jugendscout Gabi Diehm wenden.

Die Diplom-Sozialpädagogin weiß aus langer Erfahrung, dass viele Jugendliche nach der Schule "nirgends ankommen". Gabi Diehm war sowohl in der offenen Kinder- und Jugendarbeit als auch beim Sozialamt tätig, in den vergangenen drei Jahren war sie Fall­managerin bei der Ge­sell­schaft für Arbeitsmarkt­in­te­­gra­tion, GfA. Als Jugend­scout soll sie die berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen. Ziel­gruppe sind junge Menschen von 15 bis 25 Jah­ren. "Zu mir kommen die jungen Leute dann, wenn sie anderswo gescheitert sind. Sei es, weil sie die Schule ohne Abschluss verlassen haben, eine Ausbildung abgebrochen oder es erst gar nicht mit einer richtigen Bewerbung versucht haben", schildert Diehm im Gespräch mit der neuen Lu.
Kontakte zu den Jugendli­chen bekommt Gabi Diehm auf ganz unterschiedliche Art und Weise: entweder durch die Fall­manager der GfA, die Be­rufs­beratung der Arbeitsagen­tur, durch Straßensozialar­bei­ter oder Kollegen aus den Jugendfreizeitstätten. Als Ju­gendscout geht Gabi Diehm zudem vor Ort, um sich mit jungen Menschen zu treffen, auf die sie aufmerksam gemacht wurde. Damit soll der Zugang zu dieser besonderen Form der Beratung erleichtert werden. Und natürlich können sich junge Menschen auch direkt an den Jugendscout wenden.
Bei ihrem ersten Gespräch versucht Gabi Diehm auch, die Stärken ihres neuen Schütz­lings herauszufinden. "Es gibt Jugend­liche, die schon so viele Miss­erfolge hinter sich haben, dass sie absolut kein Vertrau­en mehr in ihre eigenen Fähig­keiten haben. Da sitzt dann eine 16-Jährige bei mir im Büro und erzählt mir, dass sie gar nichts kann. In diesem Glau­ben wird sie von ihrer Familie und ihren Freunden noch bestärkt. Da ist viel Geduld und Zeit erforderlich, damit sich wieder eine Perspektive auftut", erzählt Gabi Diehm. Ihre Ar­beit besteht daher vor allem darin, herauszufinden, was bisher im Leben der Jugend­lichen schiefgelaufen ist und warum. So versucht Gabi Diehm auch zu klären, wie die Lebensum­stände sind, ob vielleicht weitere Probleme wie Verschuldung oder Krankheit eine Rolle spielen. Zeit ist dabei ein entscheidender Fak­tor: "Druck haben die Jugendlichen vorher von vielen Seiten erfahren, ohne dass sich ein Erfolg eingestellt hätte. Ich versuche sehr intensiv mit den Einzel­nen zu arbeiten und zunächst eine Ver­trauensbasis zu finden", erläutert Diehm. Dann gehe sie daran, die tatsächlichen Neigun­gen und Ressour­cen im Einzel­fall zu klären und eine realistische Planung mit den Jugend­lichen aufzustellen. "Manche haben einfach keine Vorstel­lung, was sie eigentlich in ihrem vermeintlichen Wunsch­beruf leisten müssen. Da klaffen oft große Lücken zwischen den persönlichen Voraus­setzungen und den tatsächlichen Anfor­de­rungen. Klar, dass es dann schnell zu Frus­trationen kommen kann. Des­we­gen will ich auch realistische Möglichkei­ten aufzeigen. Oft ist dabei ein Prakti­kum hilfreich", so Gabi Diehm. Entscheidend bei ihrer Arbeit sei, dass jeder Schritt eng mit den Jugendlichen abgestimmt werde. Zu Beginn der Be­treu­ung werde vereinbart, welche Schritte umgesetzt werden sollen und in welchem Zeitrah­men. "Es ist ganz wichtig, dass die Jugend­lichen merken, dass sie als Part­ner ernst genommen wer­den. Sie sollen lernen, ihr Leben selbst in den Griff zu bekommen. Dazu gehört auch das Einhalten von Terminen oder das Schreiben von Bewer­bun­gen. Das machen wir Schritt für Schritt, damit niemand überfordert wird. So soll es gelingen, Verweigerungs­hal­tungen aufzubrechen und zu zeigen, dass es für jeden eine Chance im Leben geben kann, wenn sie ergriffen wird", sagt Diehm.
Als Jugendscout steht sie in engem Kontakt zur GfA und zur Arbeitsagentur. Es gehört auch zu ihren Aufgaben, beispielsweise über die gesetzlichen Fördermöglichkeiten auf dem Laufenden zu sein, um in ihren Beratungsgesprächen die richtigen Hilfen anbieten zu können. Deshalb nimmt Gabi Diehm regelmäßig an Sitzungen bei der GfA teil. Außerdem ist sie gerade dabei, sich allen Trägern von Berufs­fördermaßnahmen in Ludwigs­hafen vorzustellen, um sich so ein Netzwerk zu schaffen, mit dem sie ihre Jugendlichen unterstützen kann. Zu den Ju­gendscouts in anderen Städten und Kreisen hat sie bereits Kontakt aufgenommen, um einen Erfahrungsaustausch einzuleiten.
Die Stelle des Jugendscouts ist im Bereich Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt angesiedelt. Dort sind neben Gabi Diehm zwei weitere Kollegen tätig, die sich um verbesserte Berufschancen für Jugendliche kümmern. Ihr Aufgabenschwerpunkt ist zum einen die Unterstützung von Hauptschülern beim Übergang ins Berufsleben und die weitere berufsorientierte Qualifizie­rung an den Berufsbildenden Schulen. Die Stelle des Jugend­scouts wird finanziell gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, ESF, des Landes Rheinland-Pfalz und der GfA. 15 Prozent der Kosten trägt die Stadt Ludwigshafen.   mü

Kontakt

Gabi Diehm hat ihr Büro im Stadthaus Westendstraße 17. Telefonisch ist sie unter 504-3904 zu erreichen, per E-Mail unter Gabriele.Diehm@ludwigshafen.de. Kontakte vermitteln auch die Mitarbeiterin­nen und Mitarbeiter der Ein­richtungen der offenen Kin­der- und Jugendarbeit, der Arbeitsagentur und der GfA.

Kinderrechte achten

Ludwigshafener Kinder- und Jugendeinrichtungen, das Wil­helm-Hack-Museum, die Me­dienschule des Theaters im Pfalzbau, der Kunstverein und Medien + Bildung.com machen vom 15. bis 19. September mit ihren Angeboten auf die Woche der Kinderrechte aufmerksam. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das "Recht des Kindes auf Infor­ma­tion", das in Paragraf 13 der Kinderrechts­kon­vention der Vereinten Na­tionen festgeschrieben ist. Die Aktionen finden von Montag bis Freitag von 15 bis 17 Uhr, statt, eine vorherige Anmel­dung ist erforderlich. Zum Ab­schluss der Wo­che der Kinder­rechte wird am Sams­­tag, 20. September, von 11 bis 15 Uhr der Weltkin­der­tag in der Fußgängerzone gefeiert. Mit dabei wird auch OB Dr. Eva Lohse sein. Informati­onen gibt es im Internet unter www. lu4u.de und beim Kin­der­büro, Telefon 504-2877.

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