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neueLu September/Oktober 2008

Frauen spielen "König Ödipus"

IV. Festspiele des Theaters im Pfalzbau beginnen am 24. Oktober 2008

Mit einem Meisterwerk der Antike, das thematisch auch in die heutige Zeit passt, öffnet sich am 24. Oktober 2008, 19.30 Uhr, der Vorhang zu den IV. Festspielen in Ludwigshafen. Die Eigeninszenierung "König Ödipus" des Theaterintendanten Hansgünther Heyme – das Bühnenbild gestaltete Medien-Künstlerin Danica Dakic – rückt das Fremdsein, die Heimatlosigkeit ins Zentrum. 24 weitere Produktionen, insgesamt 45 Vorstellungen, bieten ferner bis zum 19. Dezember 2008 ein anspruchsvolles Programm aus den Bereichen Tanz, Schauspiel, Antike und Figurentheater.
 

Dazu zählen im Herbst "Die Ilias des Ho­mer", "Achill in modern wars", das Ju­gend-Schauspiel "Spieltrieb" sowie Auf­füh­rungen zu "60 Jahre Israel". Über­schrie­ben ist die Veranstaltungsreihe, die aufgrund der Sanierung des Pfalzbaus im Corso Film Theater stattfindet, mit einem philosophischen Gedan­ken aus Ernst Blochs Werk "Geist der Utopie I" zum Thema Familien­stand: "Nun haben wir zu beginnen, in unsere Hände ist das Leben gegeben".
Das griechische Drama des Sophokles "König Ödipus" bildet zugleich den Auf­takt zum Antiken-Zyklus der IV. Fest­spiele. Angelehnt an die Aufführungspraxis dieser Zeit verkörpern vier Künstlerinnen sämtliche Rollen und ergründen das Geschehen aus weiblicher Sicht.
An der Hauptfigur "Ödipus" dokumentiert sich die ganze Tragik der Fremdheit, der Ein­samkeit eines Menschen. Ein unheilvoller Orakelspruch stellt frühzeitig die Wei­chen für das Leben von König Ödipus. Von der Mutter verstümmelt und ausgesetzt, wächst Thebens König ohne eigene Identität bei fremden Eltern auf. Und die Vorhersage erfüllt sich: Unwissend erschlägt Ödipus seinen Vater und heiratet seine Mutter, mit der er mehrere Kinder zeugt.
Das Stück schildert in sechs Episoden mit ständig steigender Spannung die entsetzlichen Ereignisse, die am Ende zum Sturz des Ödipus führen. Dessen Schicksal ist nun endgültig besiegelt: Der Wahrheitssucher Ödipus findet kein Zuhause, keine Ge­meinschaft, die ihn aufnimmt, er bleibt immer der Fremde. Aufgeführt wird diese Tra­gödie – eine Koproduktion mit dem Pfalz-theater Kaiserslautern – auch am Samstag, 25., und am Sonntag, 26. Oktober, sowie am Mittwoch, 26., Don­nerstag, 27., und Freitag, 28. November, jeweils um 19.30 Uhr.
Ungebrochen bis in die heutige Zeit ist die Be­deutung, die die Epen des Homer für Lite­ratur und Kunst einnehmen. Eine bedeutsame Rolle bei den Festspielen Lud­wigs­hafen spielt daher auch im Rah­men eines Schwerpunktes "Antike" die "Ilias des Ho­mer". Hansgünther Heyme, der sich ein Leben lang mit dem Werk des antiken Dichters beschäftigt hat, spannt in seiner Lesung am Mittwoch, 29. Oktober, 11 Uhr, einen Bogen von der Antike zur Gegenwart. Gemeinsam mit dem berühmten Altertums­forscher Wolf­gang Schadewaldt, dessen Studien zur völligen Neubewertung der Bedeu­tung der Schriften Homers führten, hatte der Intendant vor knapp 20 Jahren eine Dramatisie­rung des Stoffes erarbeitet. Heymes Vortrag lässt  Kampfhandlungen, Intrigen, Liebesge­schichten und Be­schrei­bungen in dem allumfassenden Erzählstrom der Ilias lebendig werden, der schließlich in der Zerstörung Trojas mündet.
In die Zeit der modernen Kriege überträgt das homerische Epos "Achill in modern wars" am Freitag, 31. Oktober, 19.30 Uhr. Dem Publikum erschließt sich eine ab­gründige Welt seelischer Dunkelzonen und psychischer Verirrungen. Das Stück zeigt das Barbarische eines Krieges, die Verrohung eines Menschen, der alles Menschliche auf dem Schlachtfeld geopfert hat. Der schlaflose Krieger berichtet von seinen Gräuel­taten, drastisch, brutal, in unverblümter Detail­liert­heit. Dargestellt wird der antike Held von dem Düsseldorfer Schauspieler Götz Argus, der die Wandlung vom Men­schen zur Tö­tungsmaschine in aller Tragik und allem Schrecken darstellt. Die New Yorker Per­formerin Okwui Okpkwasili begleitet den Veteranen, versucht zwischen Psycho­the­rapie und Schamanismus dem gebrochenen Krieger zu helfen.
Ebenfalls um die persönliche Zerstörung eines Menschen, allerdings durch Ju­gend­liche, geht es in dem zeitgenössischen Schau­spiel "Spieltrieb" nach dem Roman von Juli Zeh am Dienstag, 28. Oktober, 19.30 Uhr. In einem fesselnden Erpresserspiel, das vor allem vom Spiel mit der Macht und von der Befriedigung des jugendlichen Spiel­triebes handelt, versuchen die vierzehn­jährige, schwer erziehbare Ada und der at­traktive Alev – beide hochbegabte Privat­schüler – den Sportlehrer Smutek in eine erotisch abgründige Affäre hineinzuziehen. Der Lehrer wird zu einem Spielobjekt seiner kaltherzigen Schüler und gerät von einer fassungslosen Distanz bald in eine liebevolle Abhängigkeit. Der junge Regisseur Roger Vontobel beweist mit dieser Auf­füh­­rung, wie facettenreich und feinfühlig die Themen der Identitätsfindung und Ethik interpretiert und dargestellt werden können.

"60 Jahre Israel"

Der Staat Israel feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden im November mehrere Stücke im Corso Film Theater präsentiert. Über diese Veranstaltungen und weitere Auf­führungen der IV. Festspiele berichtet die neue Lu ausführlich in der nächsten Ausgabe.

Für Abonnenten

Die Abonnementreihen des Theaters im Pfalzbau ruhen für die laufende Spielzeit. Es gibt allerdings für Besucher, die mehrere Theaterstücke sehen möchten, zwei Ange­bote: Die Festspielkarte zum Preis von 64 Euro, ermäßigt 34 Euro, gilt für den Besuch von vier Vorstellungen nach Wahl. Die Aus­wahl muss allerdings frühzeitig erfolgen. Das Tanzpaket ermöglicht ebenfalls kostengünstig den Besuch der drei großen Ballett-Abende, die in der Friedrich-Ebert-Halle gezeigt werden. Für Nicht-Abon­nenten liegt der Preis zwischen 45 und 90 Euro, für Abonnenten zwischen 30 und 75 Euro. Die IV. Festspiele werden von der BASF SE und dem Ministerium für Wissen­schaft, Wei­terbildung, Forschung und Kul­tur des Lan­­des Rheinland-Pfalz gefördert.      tim/ros/grei.

Information

Aufgrund der umfassenden Sanie­rungs­ar­beiten im Pfalzbau befindet sich die The­aterkasse auch in dieser Spielzeit bis auf Weiteres in der Stadtbibliothek, Bismarck­straße 44 bis 48. Es gelten folgende Öff­nungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr und 16.30 bis 19 Uhr sowie Sams­tag, 11 bis 13 Uhr.
Ab Freitag, 24. Oktober 2008, mit Beginn der IV. Festspiele Ludwigshafen, ist die The­aterkasse jedoch abends an Vorstel­lungstagen nur bis 18 Uhr geöffnet. Die Abendkasse im Corso Film Theater, Wre­destraße 18, öffnet dann jeweils um 18.30 Uhr.
Die Aufführungen finden wieder im Corso Film Theater in der Wredestraße 18 und in der Friedrich-Ebert-Halle statt.

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