Dazu zählen im Herbst "Die Ilias des Homer", "Achill in modern wars", das Jugend-Schauspiel "Spieltrieb" sowie Aufführungen zu "60 Jahre Israel". Überschrieben ist die Veranstaltungsreihe, die aufgrund der Sanierung des Pfalzbaus im Corso Film Theater stattfindet, mit einem philosophischen Gedanken aus Ernst Blochs Werk "Geist der Utopie I" zum Thema Familienstand: "Nun haben wir zu beginnen, in unsere Hände ist das Leben gegeben".
Das griechische Drama des Sophokles "König Ödipus" bildet zugleich den Auftakt zum Antiken-Zyklus der IV. Festspiele. Angelehnt an die Aufführungspraxis dieser Zeit verkörpern vier Künstlerinnen sämtliche Rollen und ergründen das Geschehen aus weiblicher Sicht.
An der Hauptfigur "Ödipus" dokumentiert sich die ganze Tragik der Fremdheit, der Einsamkeit eines Menschen. Ein unheilvoller Orakelspruch stellt frühzeitig die Weichen für das Leben von König Ödipus. Von der Mutter verstümmelt und ausgesetzt, wächst Thebens König ohne eigene Identität bei fremden Eltern auf. Und die Vorhersage erfüllt sich: Unwissend erschlägt Ödipus seinen Vater und heiratet seine Mutter, mit der er mehrere Kinder zeugt.
Das Stück schildert in sechs Episoden mit ständig steigender Spannung die entsetzlichen Ereignisse, die am Ende zum Sturz des Ödipus führen. Dessen Schicksal ist nun endgültig besiegelt: Der Wahrheitssucher Ödipus findet kein Zuhause, keine Gemeinschaft, die ihn aufnimmt, er bleibt immer der Fremde. Aufgeführt wird diese Tragödie – eine Koproduktion mit dem Pfalz-theater Kaiserslautern – auch am Samstag, 25., und am Sonntag, 26. Oktober, sowie am Mittwoch, 26., Donnerstag, 27., und Freitag, 28. November, jeweils um 19.30 Uhr.
Ungebrochen bis in die heutige Zeit ist die Bedeutung, die die Epen des Homer für Literatur und Kunst einnehmen. Eine bedeutsame Rolle bei den Festspielen Ludwigshafen spielt daher auch im Rahmen eines Schwerpunktes "Antike" die "Ilias des Homer". Hansgünther Heyme, der sich ein Leben lang mit dem Werk des antiken Dichters beschäftigt hat, spannt in seiner Lesung am Mittwoch, 29. Oktober, 11 Uhr, einen Bogen von der Antike zur Gegenwart. Gemeinsam mit dem berühmten Altertumsforscher Wolfgang Schadewaldt, dessen Studien zur völligen Neubewertung der Bedeutung der Schriften Homers führten, hatte der Intendant vor knapp 20 Jahren eine Dramatisierung des Stoffes erarbeitet. Heymes Vortrag lässt Kampfhandlungen, Intrigen, Liebesgeschichten und Beschreibungen in dem allumfassenden Erzählstrom der Ilias lebendig werden, der schließlich in der Zerstörung Trojas mündet.
In die Zeit der modernen Kriege überträgt das homerische Epos "Achill in modern wars" am Freitag, 31. Oktober, 19.30 Uhr. Dem Publikum erschließt sich eine abgründige Welt seelischer Dunkelzonen und psychischer Verirrungen. Das Stück zeigt das Barbarische eines Krieges, die Verrohung eines Menschen, der alles Menschliche auf dem Schlachtfeld geopfert hat. Der schlaflose Krieger berichtet von seinen Gräueltaten, drastisch, brutal, in unverblümter Detailliertheit. Dargestellt wird der antike Held von dem Düsseldorfer Schauspieler Götz Argus, der die Wandlung vom Menschen zur Tötungsmaschine in aller Tragik und allem Schrecken darstellt. Die New Yorker Performerin Okwui Okpkwasili begleitet den Veteranen, versucht zwischen Psychotherapie und Schamanismus dem gebrochenen Krieger zu helfen.
Ebenfalls um die persönliche Zerstörung eines Menschen, allerdings durch Jugendliche, geht es in dem zeitgenössischen Schauspiel "Spieltrieb" nach dem Roman von Juli Zeh am Dienstag, 28. Oktober, 19.30 Uhr. In einem fesselnden Erpresserspiel, das vor allem vom Spiel mit der Macht und von der Befriedigung des jugendlichen Spieltriebes handelt, versuchen die vierzehnjährige, schwer erziehbare Ada und der attraktive Alev – beide hochbegabte Privatschüler – den Sportlehrer Smutek in eine erotisch abgründige Affäre hineinzuziehen. Der Lehrer wird zu einem Spielobjekt seiner kaltherzigen Schüler und gerät von einer fassungslosen Distanz bald in eine liebevolle Abhängigkeit. Der junge Regisseur Roger Vontobel beweist mit dieser Aufführung, wie facettenreich und feinfühlig die Themen der Identitätsfindung und Ethik interpretiert und dargestellt werden können.