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neueLu September/Oktober 2009

In einer Zeit der Umbrüche

V. Festspiele Ludwigshafen des Theaters im Pfalzbau starten am 23. Oktober

Hochkarätiges Musik-, Tanz- und Sprechtheater, ausgezeichnete Filme, Video-Installationen und besondere Lesungen und Vorträge - die Palette des Programms der V. Festspiele Ludwigshafen umfasst 34 Produktionen. Präsentiert werden sie vom 23. Oktober bis 12. Dezember nach der Wiedereröffnung des großen Hauses im Theater im Pfalzbau sowie erstmalig auch in einer zweiten Spielstätte, dem Corso Film Theater.

Das Stück "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?"

Wie ein roter Faden ziehen sich Begriffe wie Vereinsamung, Isolation und Verlassenheit des Menschen in einer sich gravierend verändernden Welt inhaltlich durch die Festspiele, die mit der Verleihung des William-Dieterle Filmpreises am Freitag, 23. Oktober, 19.30 Uhr, starten. 
"In einer Zeit der Umbrüche gehen wir auf die Suche nach den Wurzeln der Geschichte", fasst Hansgünther Heyme den Leitgedanken der diesjährigen Saison zusammen. Einen Schwerpunkt bei den Festspielen bildet in diesem Kontext das Werk Georg Büchners, das sich mit der Verlorenheit des Individuums im Zeichen gesellschaftlicher Zwänge und Umbrüche eindringlich auseinandersetzt. Zwei unterschiedliche Interpretationen von "Leonce und Lena", zum einen Jan Bosses Inszenierung am Maxim Gorki Theater Berlin am Sonntag, 8. November, 19.30 Uhr, im Theatersaal, zum anderen ein integratives Schauspielprojekt des Theaters Lindenhof Melchingen in Zusammenarbeit mit Mariaberg e.V. am Donnerstag, 29. Oktober, im Corso Film Theater, veranschaulichen dies. Büchners Lustspiel über die Sehnsucht nach geistiger und körperlicher Freiheit erfährt durch die gemischte Besetzung aus professionellen Schauspielern und behinderten Menschen eine einmalige und hochemotionale Bearbeitung.
Wesentliche Bestandteile des Programms sind auch mehrere Eigeninszenierungen des Intendanten, Hansgünther Heyme. "Elektra", die Oper von Richard Strauss, wird am Freitag, 13., und Sonntag, 15. November, jeweils um 19.30 Uhr aufgeführt. "Dantons Tod" von Büchner in kroatischer Sprache ist am Dienstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, mit dem Nationaltheater Zagreb zu sehen. Thematisch greift der Intendant diesen literarischen Stoff vorab in seiner Lesung am Sonntag, 22. November, 11 Uhr, auf. Die Chance, "König Ödipus" zu erleben, bietet sich noch einmal im Corso Film Theater am Dienstag, 10., Mittwoch, 11., und Donnerstag, 12. November, jeweils um 19.30 Uhr. 
Politisch hoch brisant stellt sich die heftig diskutierte Fassung von Volker Lösch und Beate Seidel "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" dar. In dem klassenkämpferischen Stück am Dienstag, 27., und Mittwoch, 28. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, in dem auch ein Hartz-IV-Chor den aktuellen Bezug zur Gegenwart herstellt, versucht der fanatische Revolutionär Jean Paul Marat das Volk der Arbeitslosen hinter sich zu scharen. Sein mächtiger Gegenspieler ist der gnadenlos individualistische Marquis de Sade. An die Revolutionärin Rosa Luxemburg erinnert das Ensemble des renommierten "GRIPS Theaters" Berlin mit dem Schauspiel „Rosa“ am Freitag, 6. November, 19.30 Uhr .
Qualitäts-Maßstäbe setzen die Festspiele nach alter Tradition auch wieder beim Tanztheater. Mit der "Batsheva Dance Company" gastiert eines der besten Tanzensembles  der Welt in Ludwigshafen. "Mamootot" wird am Freitag, 27., und Samstag, 28. November, jeweils 19.30 Uhr, aufgeführt. Die Tanzveranstaltungen werden wieder von der BASF SE unterstützt.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Thema "Zwanzig Jahre Deutsche Einheit". Das Ensemble des Berliner Maxim Gorki Theaters ist mit Armin Petras’ Inszenierung "Rummelplatz" am Dienstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, zu Gast. Das Stück basiert auf einem Roman von Werner Bräunig, der 42-jährig im Jahre 1976 in Halle starb. Der Autor schildert darin seine Erfahrungen als Bergarbeiter bei der Wismut - einem gigantischen Uranbergwerk in Sachsen und berichtet über die Aufbaujahre im Osten. Erstmalig publiziert wurde das in den 60er Jahren verfasste und in der DDR zensierte Werk 2007. Eine Reihe von Filmen aus der ehemaligen DDR vertiefen außerdem die Thematik "Mauerfall".
Und über allem erhebt sich in diesem Jahr als Motto ein Zitat aus dem Hauptwerk des weltberühmten Philosophen Ernst Bloch "Das Prinzip Hoffnung": "Die Wurzel der Geschichte ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."   tim
Der Vorverkauf für die V. Festspiele Ludwigshafen ist bereits angelaufen. Karten gibt es unter Telefon 504-2558, per E-Mail unter pfalzbau.theaterkasse@ludwigshafen.de sowie über das Internet unter www.theater-im-pfalzbau.de. Weitere Informationen zum gesamten Spielplan 2009/2010 sind ebenso auf der Homepage des Theaters im Pfalzbau zu finden.

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