Trotz formaler Anerkennung der Gleichstellung haben Frauen und Männer in vielen Lebensbereichen noch immer nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten.

Im Alltag existieren weiterhin gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Ungleichheiten, weil stereotype Rollenbilder verankert sind oder die  Geschlechterperspektive bei Planungen und Entscheidungen oftmals nicht im Blick ist. 

Das soll sich jetzt auf kommunaler Ebene ändern. Mit dem Beitritt zur Charta hat sich die Stadt verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren einen Gleichstellungsaktionsplan zu erstellen. Dazu hat nun die Verwaltung Ziele und konkrete Maßnahmen zur Gleichstellung erarbeitet, die sie in den nächsten Jahren umsetzen und weiterentwickeln wird. Der Gleichstellungsgedanke wird damit auf breiter Basis in allen Bereichen stärker verankert und als Querschnittsaufgabe verbindlich umgesetzt.

Insgesamt 53 Maßnahmen

Mit dem vorliegenden Gleichstellungsaktionsplan 2013 bis 2015 zeigt die Stadt Ludwigshafen, wo sie für die nächsten Jahre Schwerpunkte zur Förderung der Gleichstellung setzen wird. Vier Handlungsfelder der Charta greift sie dazu auf:

  • ihre politische Rolle
  • ihre Rolle als Arbeitgeberin
  • ihre Rolle als Dienstleisterin
  • ihre Rolle als Planerin.

Insgesamt sind dazu 53 Maßnahmen aus mehr als 30 Verwaltungsbereichen entwickelt worden. Der Aktionsplan knüpft bewusst auch an Aktivitäten an, die bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt werden, also "fortlaufend" sind. Er enthält Maßnahmen und Projekte, die ausschließlich im Zuständigkeitsbereich der Verwaltung liegen und andere, die in Kooperation mit Verbänden oder anderen Institutionen konzipiert wurden. Dies alles spiegelt aber nur einen beispielhaften Ausschnitt aus der bestehenden und geleisteten Gleichstellungsarbeit der Stadt wider.

In der politischen Rolle der Stadt steht die Kooperations- und Vernetzungsarbeit im Vordergrund, zum Beispiel die Zusammenarbeit der Gleichstellungsstelle mit dem Rat für Kriminalitätsverhütung beim Kampf gegen Gewalt gegen Frauen.

Überwindung stereotyper Rollenbilder

Ein Schlüssel zu Veränderungen ist auch die Überwindung stereotyper Rollenbilder. Dazu enthält der Aktionsplan gleich mehrere Maßnahmen, wie Jungen- und Mädchenaktionstage in der offenen Kinder- und Jugendarbeit,  die Erstellung eines Fotopools zur ausgewogenen Darstellung von Frauen und Männern bei Bildveröffentlichungen oder eine Gender-Checkliste für Veröffentlichungen der Verwaltung.

Als wichtige öffentliche Arbeitgeberin will die Stadtverwaltung  Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf, gesellschaftlichem Leben und Familie verbessern, beispielsweise mit der  Flexibilisierung der Arbeitszeiten oder Konzepten zu Teilzeit-Einsatzplänen. Maßnahmen zur gezielten Frauenförderung bei Unterrepräsentanz in Arbeitsbereichen sollen eine gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben sichern. Auch die Sicherstellung gesunder und angemessener Arbeitsbedingungen steht im Blickpunkt, etwa mit der Einführung eines gendergerechten betrieblichen Gesundheitsmanagements. Bei der Anschaffung von Werkzeugen und Maschinen soll gezielt auf spezielle Bedarfe von Frauen geachtet werden.

Stadt als gendergerechte Planerin

Kommunale Dienstleistungen und Angebote in Bildung, Kultur oder Freizeit sowie faire und schnelle Verwaltungs- und Konsultationsverfahren sollen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen zu Gute kommen. Dazu zählen beispielsweise eine gendergerechte Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung, berufsbezogene MAMA - Sprachkurse für Frauen, Projekte der Schulsozialarbeit für Mädchen mit Migrationshintergrund oder Maßnahmen zur Verbesserung von Verwaltungsverfahren in Unterhaltsangelegenheiten.

In ihrer Funktion als gendergerechter Planerin will die Stadt unterschiedliche Lebensrealitäten und Bedürfnisse von Frauen und Männern in die Stadtentwicklungs-konzepte und Gestaltungsprozesse systematisch einbeziehen, beispielsweise im Rahmen des Entwicklungskonzeptes Innenstadt oder bei der Planung einer Freizeitanlage für Jugendliche im Sozialraum.

Wie geht es weiter?

Der Gleichstellungsaktionsplan wurde am 23.September 2013 im Stadtrat vorgestellt und verabschiedet. 

Danach geht es in die Umsetzungsphase. Die Maßnahmen und Projekte werden evaluiert und ständig weiterentwickelt. Anhand überprüfbarer Daten lässt sich ablesen, welche positiven Veränderungen sich auf kommunaler Ebene zeigen und wo Ludwigshafen im Vergleich zu anderen deutschen und europäischen Kommunen steht. Die Gleichstellungspolitik der Stadt wird damit zu einem stetigen Prozess.

Mit dem Gleichstellungsaktionsplan und seiner Umsetzung ist eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Damit erhalten die Gleichstellungsarbeit der Stadt und die Gleichstellungsarbeit der Verwaltung mehr Transparenz und Verbindlichkeit. Die städtischen Aktivitäten sollen auch andere Akteure auf lokaler Ebene zu mehr Beteiligung einladen und dazu animieren, selbst Maßnahmen zu ergreifen, die die Gleichstellung von Frauen und Männern fördern.