"Seine Majestät der König haben die Bildung einer eigenen politischen Gemeinde Ludwigshafen, bestehend aus den Ansiedlungen zu Ludwigshafen, den Hemshöfen, dem Ganter- und Rohrlachhofe, so dann der Gräfenau, ferner die Bannabtheilung zwischen den Gemeinden Friesenheim, Mundenheim und Ludwigshafen nach dem Situationsplane K allergnädigst zu genehmigen geruht..." Auf des bayrischen Königs Maximilian II. allerhöchsten Befehl war Ludwigshafen damit 1853 eine selbständige Gemeinde geworden - mit eigenen Gemeinderäten und einer eigenen Verwaltung.Das Jahr 2003 steht daher im Zeichen eines Jubiläums. Stadtweit wird der Verleihung der Gemeinderechte gedacht, die dann 150 Jahre zurückliegen. Bis dahin kann Ludwigshafen ein weiteres Stück Identität vorweisen: Dann erscheint erstmals eine umfassende Stadtgeschichte, die in einem Guss die Entwicklung der Stadt bis heute beschreibt."Ja, die Stadtgeschichte ist nicht nur eine Pflichtaufgabe zum Jubiläum, sondern tatsächlich fällig", meint Stadtarchivar Dr. Stefan Mörz . "Wir haben eine Stadtgeschichte von 1903 und eine von 1953. Die neuere Zeit kommt entschieden zu kurz, denn die Epochen nach 1914 wurden bisher nicht umfassend beschrieben. Einzelne Teile der Stadtentwicklung sind zwar gründlich dokumentiert worden - so verfügen wir beispielsweise über eine gute Gewerkschaftsgeschichte - aber eine zusammenhängende Darstellung, die von Adam und Eva bis heute reicht, existiert bisher nicht. Das Gemeindejubiläum ist daher ein guter Anlass, diesen Mangel an Dokumentation zu beheben. "Seit Anfang 1999 betreiben daher unter der Federführung von Dr. Mörz 13 weitere Autoren ihre Quellenstudien, sichten Bilder und prüfen gründlich, was bereits an Material vorliegt.
Neben den "Eigengewächsen" aus dem Archiv, Dr. Stefan Mörz, Dr. Klaus J. Becker und Dr. Martin Furtwängler, konnten Autorinnen und Autoren aus Archiven des Umlandes und aus dem Umkreis der Universitäten Mannheim und Heidelberg gewonnen werden. Der Stadtarchivar hofft dabei, dass alle Kapitel rechtzeitig fertig sind: "Bei einem Team von 14 Autorinnen und Autoren, die alle voll im Leben stehen, macht die Einhaltung des Zeitplans dem Hersteller immer Kopfzerbrechen. Daher haben wir Wert darauf gelegt, dass sie jeder schon profund über Ludwigshafen geschrieben haben, also gewissermaßen eingearbeitet sind," erklärt der Stadtarchivar und weist gleich darauf hin, dass das richtige Maß zwischen wissenschaftlichem Anspruch und populärer Lektüre nicht einfach zu finden ist: "Eigentlich ist Geschichtsschreibung ein Eiertanz. Sie darf wissenschaftlich nicht anspruchslos, muss aber gleichermaßen fundiert und lesbar sein. Für viele scheint es ja nur die Wahl zwischen korrekt-langweilig oder flockig-flippig ohne Tiefgang."Damit jede Epoche richtig "rund" dargestellt wird, arbeiten die Autoren mit verschiedenen Vorgaben. Diese beginnen bei technischen Details wie Seitenumfang und Textlänge und verlangen insbesondere die Einhaltung eines inhaltlichen Rasters. So wird für jede Epoche die Bau-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte genauestens beleuchtet. "Es ist eine Geschichte der Menschen und nicht nur ,der oberen Zehntausend'", erläutert Dr. Becker, der für die Stadtgeschichte der Wiederaufbau-Ära nach dem Krieg zuständig ist. Der Leser erfährt also nicht nur von Besuchen der bayrischen Könige, Reichs- und Bundespräsidenten in der Stadt, sondern jede Menge Alltagsgeschichte: Dass es einmal ordentliche Rock'n-Roll-Krawalle mit Lederjungs und Pullimädchen in der Stadt gegeben hat, und dass der Bau der Hochstraßen damals eine Sensation war. Weil das Lesen dann mehr Spaß macht, wird der Haupttext ergänzt und aufgelockert durch kleine interessante Nebenthemen, Quellentexte oder genauere Persönlichkeits-Porträts.