Die Kindertagesstätte Lummerland ist seit 1. Januar 2011 Konsultationskindertagesstätte des Landes Rheinland-Pfalz.

Konsultationskindertagesstätten werden vom Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen des Landes ernannt. Sie beraten andere Einrichtungen zu bestimmten fachlichen Themen. Schwerpunkte der Kindertagesstätte Lummerland sind Qualitätsentwicklung und Partizipation.

Die Kindertagesstätte Lummerland besteht seit September 1995 und liegt im Stadtteil West von Ludwigshafen. Der Name der KTS stammt aus der Geschichte von Michael Ende: "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer".

Lummerland ist eine kleine Insel, auf der es nie langweilig wird, weil es jede Menge zu entdecken und zu erleben gibt. Die Inselbewohner verlassen diese Insel aber auch immer mal wieder, um gemeinsam auf weitere Entdeckungsreisen zu gehen.

Auch die Kindertagestätte versteht sich als ein solcher anregender Ort.
Die Voraussetzungen dafür können nur von den Menschen, die hier miteinander leben, geschaffen werden. Deshalb ist es der Einrichtung wichtig, dass Kinder, Erzieherinnen und Eltern an der Gestaltung des Alltags beteiligt sind.

Gegenwärtig besuchen 150 Kinder die Kindertagestätte. In der KTS haben 60 bis 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Neben vielen Kindern mit türkischem Familienhintergrund sind noch andere Herkunftsländer vertreten. 20 pädagogische Mitarbeiterinnen, darunter zwei Fachkräfte für interkulturelle Arbeit, begleiten und unterstützen die Kinder in ihrer Entwicklung. Zum Team der KTS gehören außerdem zwei Hauswirtschaftskräfte.

Die KTS bietet durch die baulichen Gegebenheiten gute Voraussetzungen, um den Bedürfnissen und Interessen der Kinder gerecht werden zu können. Jede Gruppe hat einen Bereich für sich, bestehend aus einem größeren Raum, zwei kleineren Nebenräumen und einem Bad. Zusätzlich zu den Gruppenräumen gibt es verschiedene Schwerpunkte.

Bewegung und Naturerfahrung

Die Einrichtung bietet Raum und Material für vielfältige Bewegungserlebnisse. Das naturnahe Außengelände bietet viele kreative Nutzungsmöglichkeiten.

Alltagssituationen

Alltagessituationen erleben die Kinder beispielsweise durch Vorbereitungen für ein Obstbuffet oder handwerkliche Tätigkeiten in der Kindertagesstätte mit alltagsbezogenen Materialien.

Forschen und Experimentieren

Die Wasserwerkstatt ist ein anregender Ort für die Kinder, um mit dem Element  Wasser zu experimentieren und zu spielen.

Medienkompetenz und Kreativität

Die Kinder machen einen Computerführerschein, um die PCs im Alltag selbstständig nutzen zu können. Das Atelier lädt die Kinder zum freien Gestalten und Experimentieren ein.

Zielsetzungen der Kindertagestätte Lummerland

Jedes Kind bekommt die Hilfestellung und Unterstützung, die es braucht, um sich in allen Bereichen bestmöglich entwickeln zu können. Mit den Kindern leben und lernen: Die Erzieherinnen und Erzieher verstehen ihre Rolle in der Begleitung der Kinder als Lehrende und Lernende. Die Grundhaltung der Erzieherinnen ist die des gegenseitigen Interesses und der Achtung voreinander.

Kinder sind zunehmend an der Alltagsgestaltung in der Kita beteiligt. Sprache wird im Alltag bewusst eingesetzt. Die vielfältige Kommunikation mit den Kindern in allen Alltagssituationen steht dabei im Mittelpunkt. Zusätzlich wird die sprachliche Entwicklung durch gezielte Sprachförderung in Kleingruppen unterstützt.

Kinder werden für den Übergang in die Schule gestärkt. Über eine gezielte und intensive Zusammenarbeit mit Eltern wird eine Erziehungspartnerschaft aufgebaut.

Konsultationsschwerpunkte

Die Konsultationsschwerpunkte sind Qualitätsentwicklung und Partizipation. Im Rahmen der "Offensive Bildung" (gefördert von der BASF SE) hatte die KTS in einem trägerübergreifenden Projekt, an dem alle städtischen Kindertagesstätten und auch Einrichtungen freier Träger in Ludwigshafen beteiligt waren, die Chance, sich intensiv mit dem Qualitätsentwicklungskonzept auf der Grundlage von QuaSi (Qualität im Situationsansatz) vertraut zu machen. In Verbindung mit den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz verstehen sie den Situationsansatz und dessen Qualitätsentwicklungskonzept als grundsätzliche Orientierung für die Arbeit.

Durch die externe Evaluation nach QuaSi, begleitet von INA (Internationale Akademie an der Freien Universität Berlin) haben die Erzieherinnen einen Blick von außen auf ihre Arbeit erhalten und gelernt, auf der Basis von externen Empfehlungen ihre Praxis weiterzuentwickeln.

Mit der internen Evaluation nach QuaSi hat das Team ein Instrument, durch das es seine Arbeit selbst immer wieder genauer analysieren und reflektieren und zusammenwirkend weiter entwickeln kann. In der inhaltlichen Schwerpunktsetzung orientieren die Erzieherinnen sich dabei an den konkreten Bedarfen der Einrichtung. Besonders intensiv haben sie sich im Rahmen der Qualitätsentwicklung bisher mit den Themen: Raumgestaltung, Partizipation und Normen und Werte beschäftigt.  

Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Bild vom Kind wurde ihnen bewusst, dass sie auch ihre Rolle als Erzieherinnen neu überdenken müssen. Mit Blick auf die Bedeutung von Selbstbildungsprozessen von Kindern haben sie gelernt, sich noch mehr zurückzunehmen. Durch kollegiale Unterstützung haben sie sich dabei gegenseitig gestärkt, schwierige Prozesse zuzulassen und es auszuhalten, dass Kinder auch mal andere Wege der Problemlösung gehen! Mit "ressourcenorientiertem Blick" ist es den Erzieherinnen zunehmend leichter gefallen, den Kindern Aufgaben zuzutrauen, ihnen zu vertrauen, die einzelnen Kinder  im Alltag genau zu beobachten, um zu wissen, wann sie die Unterstützung der Erwachsenen brauchen.

Die Kindertagesstätte betrachtet Veränderung und Weiterentwicklung als Herausforderung und als Chance. Nicht Perfektionismus ist das Ziel, sondern sich reflektiert immer wieder auf den Weg zu machen. Dazu gehört auch eine Fehlerkultur.

In der Gestaltung des Alltags mit Kindern und Eltern wie auch in der Zusammenarbeit miteinander orientiert sich das Team an den Prinzipien des Situationsansatzes.

Die Erzieherinnen messen den Alltagssituationen eine große Bedeutung bei. Ihr Ziel besteht darin, die Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Kinder bestmöglich zu fördern und ihnen Verantwortung zu übertragen. Kinder wollen Dinge tun, die Ernstcharakter haben. Sie wollen an Tätigkeiten der Erwachsenen beteiligt werden und in ihrer Eigenaktivität unterstützt werden. Deshalb haben die Kinder im gesamten Tagesablauf die Möglichkeit, den Alltag aktiv mitzugestalten.

Kinderbeteiligung

Die Kinder kennen die täglichen Rituale und gestalten sie mit. Sie entscheiden selbst, was sie wo, wann und wie lange mit wem tun wollen, auch im Außengelände.

Es gibt Gesprächsrunden, in denen die Erzieherinnen das Alltagsgeschehen gemeinsam mit den Kindern besprechen und besondere Aktionen gemeinsam mit ihnen planen. Hier können die Kinder Erfahrungen mit Abstimmungs- und Entscheidungsverfahren machen und Regeln mit erarbeiten.

Raum- und Materialangebote bieten Anreize und stimulieren die Kinder dazu, eigene Spielideen zu entwickeln und zu experimentieren. Projekte basieren auf den Interessen der Kinder, werden gemeinsam geplant, durchgeführt und dokumentiert.

Erzieherinnen dokumentieren gemeinsam mit Kindern die Entwicklung der Kinder und ihre Bildungs- und Lerngeschichten (Portfolios).

Elternbeteiligung

  • Umsetzung des Berliner Eingewöhnungsmodells
  • Eltern können in Absprache hospitieren
  • Regelmäßige Entwicklungsgespräche (mindestens einmal jährlich), in denen die Erzieherinnen anhand von Dokumentationsmaterialien über die Interessen und Stärken des einzelnen Kindes mit den Eltern ins Gespräch kommen
  • Eltern-Kind-Nachmittage und Elterncafés zum gegenseitigem Austausch und mit der Möglichkeit, über pädagogische Inhalte der KTS zu informieren: Eltern werden an der Planung aktiv beteiligt
  • Elternabende
  • Eltern werden mit Beteiligung des Elternausschusses regelmäßig über alle Angelegenheiten in der Kita informiert
  • Eltern sind bei Projekten bei Planung und Umsetzung einbezogen.
  • Mit vielen Ideen engagieren sich Kinder und Eltern für Projekte zugunsten der Kindertagesstätte
  • Kinder, Eltern und Erzieherinnen arbeiten gemeinsam, an der Umgestaltung des Außengeländes

Konsultationsangebote

  • Hospitationen, um die Einrichtung und ihre Arbeit persönlich kennenzulernen
  • Teamsitzungen und Fachnachmittage mit verschiedenen Themenschwerpunkten, die mit den Besucherinnen und Besuchern im Vorfeld abgesprochen werden, um auf Fragen, Bedarfe und Wünsche konkret eingehen zu können
  • Kollegiale Beratung von Teams bei der Einführung von interner Evaluation nach QuaSi (Qualität im Situationsansatz) durch die KTS-Leitung (Multiplikatorin für die interne Evaluation)
  • Powerpoint-Präsentationen, Videosequenzen und Plakatdokumentationen zum Situationsansatz im Alltag
  • Kooperation und Zusammenarbeit mit Fachschulen und der FH Koblenz und anderen, durch Hospitationen der Schülerinnen und Schüler und Studentinnen und Studenten in der KTS beziehungsweise Unterrichtsbesuche
  • Mitwirken an Fachtagen mit Präsentationen und Erfahrungsberichten aus der Praxis