Friedhöfe sind in erster Linie Orte der Trauer und Besinnung, aber auch Orte des Lebens und der Begegnung.

Engelsfigur auf dem Hauptfriedhof.

Wer dem Alltag entfliehen, sich ein wenig Ruhe und Entspannung gönnen möchte, findet mit den neun Ludwigshafener Friedhöfen Oasen der Stille und wunderschöne Parklandschaften – ein Stück Natur mitten in der Großstadt. Mit ihren 55 Hektar Gesamtfläche und einem Bestand von rund 3 500 Bäumen tragen sie zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts und des Stadtklimas bei. Die in Marmor und Granit gehauenen Inschriften und die Denkmäler  spiegeln das Zeitgeschehen der Stadt wieder.

Der Begriff "Friedhof" ist so alt noch nicht. Erst im 19. Jahrhundert löste er die Worte "Gottesacker" und "Kirchhof" ab, Namen, die von alters her die Lage der Gräber nahe bei der Kirche bezeichneten. Die Anlage von Gräbern und Gräberfeldern ist ein weitaus älteres Phänomen und hat die Menschheit seit ihren Ursprüngen begleitet.

Friedhofskultur im Spiegel der Zeit

Auch im Raum des heutigen Ludwigshafen finden sich schon Grabstätten aus der Periode der Jungsteinzeit. Bis an die Schwelle des Mittelalters wurden die Toten in unserer Region bei den größeren und kleineren Gütern und Weilern bestattet, die sich entlang des Hochufers des Rheins und auf den Erhebungen in der sumpfigen Rheinniederung aneinander reihten.

Seit der Christianisierung bildeten das Umfeld der Kirchen beziehungsweise diese selbst den bevorzugten Begräbnisort, da man sich von den dort verehrten Heiligen Fürbitte beim jüngsten Gericht erwartete. Anwohner ohne Grabrechte, Arme, Fremde, Henker, Selbstmörder und Hingerichtete wurden in abgesonderte Grabstellen gelegt. Das Zeitalter der Aufklärung strebte im Geist der Vernunft danach, die Friedhöfe aus hygienischen Gründen abseits der Häuser zu legen.

Friedhöfe – Oasen der Ruhe.

Ein – auch in der seit 1798 französischen Pfalz gültiges – napoleonisches Dekret vom 12. Juni 1804 bestimmte schließlich, dass in Gotteshäusern und innerhalb von Stadtmauern und Gemeinden keine Bestattungen mehr stattfinden durften.
Doch dauerte es noch bis weit ins 19. Jahrhundert – das Land um Ludwigshafen und die Pfalz waren längst bayerisch geworden – bevor die Friedhöfe der alten Dörfer und Städte im heutigen Stadtkreis von den Kirchen weg ins freie Feld verlegt wurden. Lediglich die 1853 neu gegründete Gemeinde Ludwigshafen selbst hatte von Anfang an einen Friedhof weitab vom besiedelten Gebiet. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Friedhöfe unter englischem Einfluss parkähnlich gestaltet. Seither wird der architektonische, gartenhistorische, künstlerische und sozialgeschichtliche Wert der Friedhofsanlagen erkannt.