Drei Jahre nach der Gemeindegründung konnte der erste zentrale Friedhof, später Hauptfriedhof genannt, am 23. November 1856 eingeweiht werden.

Trauerhalle des Hauptfriedhofs

Der Friedhof ist in erster Linie ein Ort der Trauer und Besinnung, er ist aber auch ein Ort des Lebens und der Begegnung, ein Stück Natur inmitten der Großstadt. Die Grabinschriften, die Denkmäler und die Ehrenfelder spiegeln die Geschichte Ludwigshafens wider. Es lohnt sich, diese steinernen Zeitzeugen während eines Spazierganges zu entdecken.

Als die Gemeinde 1853 gegründet wurde, gab es zwar einen Bahnhof, zwei Schulen, eine Krankenpflegeanstalt, eine Post, eine Zeitung, einen Arzt und eine Apotheke, aber kaum befestigte Straßen, keine Kanalisation, keine Beleuchtung, keine Kirche und keinen eigenen Friedhof. Verstarb ein der katholischen Konfession angehöriger Bürger, so wurde er in Mundenheim begraben. Die Protestanten und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften fanden auf dem Friesenheimer Friedhof ihre letzte Ruhe.

Doch als sich die Einwohnerzahl Ludwigshafens innerhalb weniger Monate verdoppelte und die Bürgermeisterämter von Mundenheim und Friesenheim bekannt gaben, dass die Kapazität ihrer Kirchhöfe nicht mehr ausreichen würde, wurde die Frage nach einem eigenen Zentralfriedhof immer drängender. Bei der Suche nach einem geeigneten Gelände einigte sich der Gemeinderat am 1. Dezember 1854 darauf, ein 5.200 Quadratmeter großes Areal am Bärenpfuhl in Höhe der Oggersheimer Landstraße Friesenheimer Bauern abzukaufen.

Laut Akt des königlichen Notars Leuchsenring wurden die Grundstücke an der Gemarkungsgrenze am 5. Juli 1855 erworben. Das Terrain wurde um 70 Zentimeter erhöht, ummauert und an der Frontseite eine Vorhalle gebaut. Zwischen dieser und der Landstraße lag eine kleine Anlage mit Sträuchern. Die jüdische Gemeinde erwarb am neuen Friedhof eine eigene Abteilung. Im Jahr 1864 erfolgte die erste Friedhofserweiterung in Richtung Süden. Der Deutsch-Französische Krieg hatte zur Folge, dass für 18 Gefallene ein Ehrenfeld hergerichtet wurde.

Das vom Ludwigshafener Hilfsverein, dem sogenannten Sanitätsverein, gestiftete Denkmal weihte Bürgermeister Georg Kutterer 1873 ein. Der Entwurf stammt von dem damaligen Sectionsingenieur der Pfälzischen Eisenbahnen, Jacob Hamm. Die Ausführung im weißen Sandstein ist eine Arbeit des Ludwigshafener Bildhauers Joseph Krieg.

Da es wegen der zumeist engen Wohnverhältnisse und wohl auch aus hygienischen Gründen unzumutbar war, den Leichnam in der eigenen Wohnung aufzubahren, ist es nachvollziehbar, dass die Gemeinde den Bau einer Leichenhalle forderte. Diese wurde zwischen 1883 und 1885 im klassizistischen Stil im Eingangsbereich gebaut. Mit einher ging eine zweite Erweiterung des Geländes.

Gräber auf dem Hauptfriedhof

Nach der Eingemeindung Friesenheims 1892 und Mundenheims 1899 wurde der Friedhof 1899 als Hauptfriedhof bezeichnet. Mit Rücksicht auf die ungewöhnliche Zunahme der Bevölkerung wurde das Friedhofsgelände bis 1927 insgesamt achtmal auf nahezu zwölf Hektar erweitert. Da betrug die Einwohnerzahl rund 100.000. Ab den 1930er-Jahren des 20. Jahrhunderts folgten noch mehrere Erweiterungen, bis der Friedhof die heutige Größe von nahezu 25 Hektar erreichte.

Ein großer Einschnitt geschah nach dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf unter anderem die Leichenhalle und zahlreiche Gräber des israelischen Friedhofes zerstört wurden. 42 Bombentrichter mussten zugeschüttet werden, als Ersatz für die Leichenhalle gab es einen provisorischen Holzbau, die Wasser- und Brunnenversorgung wurde wieder hergerichtet. Ende der 1940er-Jahre folgte der Bau einer Unterstellhalle mit Glockenturm. Die Glocke wies mit ihrem Geläute Friedhofsbesucher eine Viertelstunde vorher auf die Schließung des Friedhofes hin.

1952 wurde das Gelände im Zuge einer der zahlreichen Erweiterungen parkähnlich angelegt, das Christuskreuz eingeweiht, 1955 die Ehrenfelder neu gestaltet und die neue Trauerhalle eingeweiht. In diesem Zuge wurde auch der Haupteingang von der Frankenthaler Straße in die Bliesstraße verlegt, wo auch die Mitarbeiter des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe ein neues Verwaltungsgebäude erhielten. Aufgrund der steigenden Zahl von Einäscherungen ließ die Verwaltung einen großen Urnenhof hinter der neuen Trauerhalle errichten. 1990 wurde das muslimische Feld angelegt und die übrigen Ehrenfelder neu gestaltet. Die 1955 errichtete Trauerhalle wurde 1993 neu gestaltet und 1998 mit einem neuen Kreuz ausgestattet. 2006 folgte schließlich eine Ruhestätte für totgeborene Kinder im südwestlichen Teil des Geländes. Seit Januar 2010 besteht die Möglichkeit verstorbene Angehörige in einem Baumhain bestatten zu lassen.

Bürgerinnen und Bürger von fünf Generationen fanden auf dem nun 150 Jahre alten Ludwigshafener Hauptfriedhof ihre letzte Ruhe. Beigesetzt wurden sie in Reihen- oder in Familiengräbern, im Urnenhof oder anonym auf einem Grabfeld, im jüdischen Teil oder nach Osten blickend in der muslimischen Abteilung. Im steten Rhythmus enden die Ruhezeiten und die Gräber werden neu belegt. Im Jahr 2006 sind 20.000 Grabstätten registriert. Erhalten bleiben die Ehrenfelder und die Ehrengräber sowie die als historisch wertvoll eingeschätzten Grabmale. Während die Ehrenfelder an die Toten erinnern, die während der BASF-Explosionskatastrophen, des Deutsch-Französischen Krieges, des Ersten und des Zweiten Weltkrieges, als Zwangsarbeiter oder als Mitglied der Besatzungstruppen gestorben sind, erinnern die Ehrengräber an die Bürgerinnen und Bürger, die die Entwicklung der Stadt entscheidend gestaltet und geprägt haben.

Die Grabsteine sind eine Chronik aus Stein. Dahinter verbergen sich Biografien, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Die Persönlichkeiten, die hier ewig ruhen, repräsentierten als Bürgermeister und Oberbürgermeister die Stadtpolitik, sie waren große Unternehmer, Kaufleute, Erfinder, Prediger, Verleger und Mäzene. An Baumalleen und Taxushecken entlang liegen ihre Grabmale aus Sandstein, Granit, Marmor und Muschelkalk. Die von ihren Angehörigen bei Steinmetzen in Auftrag gegebenen Grabmale stehen Pate für den in der jeweiligen Zeit vorherrschenden Kunststil.

Wer sich vor Ort auf Spurensuche begeben möchte, dem sei empfohlen, diese im historischen Teil des Friedhofs, am Eingang der Frankenthaler Straße, zu beginnen. Rechts und links des Hauptweges finden sich sogleich die jüdische Abteilung des Friedhofes, die Ehrengräber und die historisch bedeutsamen Gräber, die klassizistische Ehrenhalle und die Ehrenfelder. Der Weg führt weiter an den beiden Hochkreuzen vorbei Richtung Südwest, wo sich das ab den 1950er-Jahren erweiterte Areal mit dem Internationalen Ehrenfeld, der Trauerhalle und dem Urnenhof anschließt.